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Streit um Milliarden für die Schulen: Bildungsministerin will „digitale Offensive“ an Schulen

Von Von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) will fünf Milliarden Euro in den digitalen Wandel an Schulen vorantreiben. Doch da Bildung Ländersache ist, reicht es nicht, in neue Technik zu investieren. Denn was nutzt ein Tablet-PC, wenn das Schuldach undicht ist? Das kritisieren Experten.
50, 20 und 10 Euro-Scheine liegen auf einem Haufen. Foto: Jens Wolf/Archiv 50, 20 und 10 Euro-Scheine liegen auf einem Haufen. Foto: Jens Wolf/Archiv
Frankfurt/Berlin. 

Um der Wichtigkeit ihres Vorhabens Ausdruck zu verleihen, bediente sich Bundesbildungsministerin Wanka sogar eines Ausspruchs von Chinas Polit-Ikone Mao Tse-tung. Der hatte sein Volk vor rund 60 Jahren „zu einem großen Sprung“ aufgefordert. Solch einen großen Sprung fordert Wanka jetzt auch für die rund 40 000 Schulen in Deutschland. Diese will sie nämlich in den nächsten fünf Jahren mit einem Fünf-Milliarden-Euro-Programm für digitale Bildung fit für die Zukunft machen. In einem „Digitalpakt“ mit den Ländern will sie die verschiedensten Schulformen mit digitaler Ausstattung wie Breitbandanbindung, WLAN und Geräten versorgen.

In der Region fällt die Resonanz auf die „Digitaloffensive“ von Wanka unterschiedlich aus. So hält sich beim Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW), Jochen Nagel, die Begeisterung für den Vorstoß der Ministerin in Grenzen. „Ganz wichtig für den Lernerfolg der Schüler ist das Lernumfeld. Wenn in der Schule der Putz von den Wänden fällt, dann nutzt auch das schönste Tablet nichts mehr“, sagt Nagel. Für ihn hat folglich die Schaffung eines „guten Lernumfeldes“ Vorrang vor einer „Digitalisierung“ einer maroden Schule.

Beim Lernen mit Neuen Medien erwartet sich Nagel darüber hinaus keinen größeren „Bildungsschub“. Der GEW-Chef sieht die Neuen Medien derzeit lediglich als Ergänzung im Unterricht. Auch der Deutsche Lehrerverband ist gegen ein Programm zur Ausstattung von Schulen mit Computern und freiem Internet. „Der Bund ist für so etwas eigentlich nicht zuständig“, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. Der Lehrerverbands-Chef sagt, wenn es ein Milliardenprogramm für Schulen geben solle, „dann bitte für die Sanierung der Gebäude. Hier besteht ein Bedarf in dreistelliger Milliardenhöhe“.

 

Die IT-Ausstattung ist Sache

 

der Schulträger

 

Die Frankfurter Stadtelternbeirätin Alix Puhl begrüßt wiederum den von Wanka in Aussicht gestellten Geldsegen: „Dass man sich darüber aufregt, dass der Bund etwas machen möchte, wozu er nicht verpflichtet ist, wäre mein letzter Kritikpunkt“, sagt sie. Fünf Milliarden Euro klinge nach einer stattlichen Summe. Doch geteilt durch 40 000 Schulen blieben nur 125 000 Euro pro Schule übrig. „Wenn ich das auf jeden Frankfurter Schüler herunterrechne, bleiben noch 312 Euro“, rechnet Puhl vor. Die Anschaffung neuer Geräte erzeuge allerdings stets auch Folgekosten. Hier sieht Puhl ein noch ungeklärtes Problem. „Es fehlt an einer digitalen Gesamtstrategie. Ich brauche von der Stadt die Ausstattung und die Finanzierung der Folgekosten. Das Kultusministerium seinerseits muss dafür sorgen, dass es ein Konzept gibt und die Lehrer entsprechend geschult werden“, fordert die Stadtelternbeirätin.

Auch von höchster politischer Stelle gibt es Applaus: „Das ist zunächst mal ein schönes politisches Angebot, aber jetzt müssen wir erst einmal ausarbeiten, um was es genau geht, und dies in der Kultusministerkonferenz diskutieren“, sagt Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Denn die IT-Ausstattung sei Sache der Schulträger. „Das umzusetzen, ist eine ziemliche Herausforderung – aber nicht unlösbar.“ Lorz’ Sprecher Stefan Löwer weist darauf hin, dass es trotz des Kooperationsverbots Wege geben werde, das Geld in die Länder zu leiten, da es sich nicht um Bildungsinhalte handele. Mehr auf S. 3 und Kommentar S.2

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