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Ludger Wößmann im Interview: Bildungsökonom will gezieltere Maßnahmen für mehr Chancengleichheit

Mit dem Bildungsökonomen Ludger Wößmann vom ifo Institut sprach Dieter Hintermeier über die vom SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz geforderte nationale „Bildungsallianz“, vergleichbare Schulabschlüsse und die mangelnde Chancengleichheit in Deutschland.
Mehr zentrale Komponenten beim Abitur, am besten bundesweit, um die Vergleichbarkeit der Bildungsabschlüsse zu gewährleisten – das fordert Bildungsökonom Wößmann. Foto: Jens Wolf (dpa-Zentralbild) Mehr zentrale Komponenten beim Abitur, am besten bundesweit, um die Vergleichbarkeit der Bildungsabschlüsse zu gewährleisten – das fordert Bildungsökonom Wößmann.

Herr Wößmann, der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schutz fordert eine nationale „Bildungsallianz“. Ist Schulz damit auf dem richtigen Weg?

WÖSSMANN: Gute Bildung ist der Schlüsselfaktor für unseren zukünftigen Wohlstand. Deshalb ist es richtig, das Thema auf die nationale Agenda zu bringen.

Auf was kommt es an?

WÖSSMANN: Bei den einzelnen Themen und Maßnahmen gibt es große Unterschiede. Das Wichtigste ist, die erzielten Leistungen und Abschlüsse in ganz Deutschland vergleichbar zu machen. Nur so können die Länder voneinander lernen, wenn sie verschiedene Maßnahmen erproben. Eine Streichung des Kooperationsverbots auch im Schulbereich halte ich für sinnvoll. Ich erkenne keinen sinnvollen Grund, Kooperationen zwischen Bund und Ländern gänzlich zu unterbinden. In Bereichen, in denen alle Beteiligten das wollen, sollte eine Zusammenarbeit künftig möglich sein.

Wie sollte die Finanzierung eines solchen Projektes aussehen?

WÖSSMANN: Finanzielle Beiträge des Bundes müssten aber gegebenenfalls an Verpflichtungen der Länder gebunden werden, damit die Mittel nicht anderweitig verwendet werden und damit eine Vergleichbarkeit der Bildungsergebnisse sichergestellt ist. Finanzierung und Verantwortung müssen zusammenfallen. Bei der verwirrenden Vielfalt der unterschiedlichen Schularten in den Bundesländern müssen wir weiter kommen und zu einer größeren Einheitlichkeit von Namen und Konzepten zumindest in einem gemeinsamen Rahmen kommen.

Sollte Gebührenfreiheit in der Bildung allerorten eingeführt werden?

WÖSSMANN: Das Thema Gebührenfreiheit sehe ich differenzierter: Es muss vor allem darum gehen, den Besuch qualitativ hochwertiger frühkindlicher Bildungseinrichtungen für Kinder aus benachteiligten Familien kostenfrei zu machen. Sowohl aus Finanzierungs- als auch aus Gerechtigkeitsgründen sollten Studierende, die zu den Besserverdienenden von morgen gehören, durch nachgelagerte Studiengebühren einen Teil ihrer Studienkosten im Nachhinein selbst tragen.

Wo hakt es derzeit im Bildungssystem? Was muss besser werden?

WÖSSMANN: Ein großes Manko besteht darin, dass Leistungen und Abschlüsse zwischen den Bundesländern nicht vergleichbar sind. Das verhindert die Sicherung hoher Qualität im gesamten Bundesgebiet und führt überdies zu unfairen Bedingungen beim Hochschulzugang. Deshalb benötigen wir deutschlandweit vergleichbare Zwischenprüfungen und gemeinsame Komponenten in den Abschlussprüfungen bei allen Bildungsabschlüssen, etwa ein gemeinsames Kernabitur. Der Vorschlag des Aktionsrats Bildung sieht vor, in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch eine Prüfungskomponente einheitlich am selben Tag in ganz Deutschland durchzuführen. Das würde zu größerer Vergleichbarkeit und damit Sicherung nationaler Bildungsstandards, fairem Hochschulzugang und leichterer regionaler Mobilität für Familien führen.

Was gilt es noch zu beachten?

WÖSSMANN: Ein zweiter Aspekt ist die Chancengleichheit für Kinder mit benachteiligten Hintergründen. Hier bedarf es gezielter Förderung statt Maßnahmen nach dem Gießkannenprinzip.

Schulz möchte, dass Deutschland in Sachen Bildung europäische Spitze wird. Welche Position nimmt das Land denn jetzt in Europa ein?

WÖSSMANN: Die Leistungen der deutschen Schüler haben sich seit dem Pisa-Schock zu Anfang der 2000er Jahre langsam, aber stetig verbessert, auch im Vergleich mit anderen Ländern. Wir sind zwar nicht in die Spitzengruppe vorgerückt, aber zumindest einmal ins obere Mittelfeld. Zuletzt ist aber ein leichtes Abschwächen zu erkennen gewesen. Und beim Thema Chancengleichheit stehen wir weiterhin vergleichsweise schlecht da. Wir dürfen daher nicht nachlassen in unserem Fokus darauf, dass alle Kinder und Jugendlichen bei uns gute Bildungsergebnisse erzielen sollten.

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