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Experten machen Luftmine unschädlich – Einzelne Anwohner verzögern Einsatz: Bombe entschärft: Frankfurt atmet auf

Von 1100 Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten, ebenso viele Polizisten, dazu ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiter der Stadt: Die gestrige Entschärfung der Bombe, für die mehr als 60 000 Menschen ihre Häuser verlassen hatten, war ein Einsatz von ungekannter Dimension.
René Bennert (rechts) und Dieter Schwetzler mit der Bombe, die sie kurz zuvor in der Frankfurter Innenstadt entschärft haben. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) René Bennert (rechts) und Dieter Schwetzler mit der Bombe, die sie kurz zuvor in der Frankfurter Innenstadt entschärft haben.
Frankfurt. 

Am Ende war die Erleichterung allen anzumerken. Das Aufatmen am gestrigen Sonntagabend galt gleich zwei guten Nachrichten: Die Entschärfung der 1,8 Tonnen schweren Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg war gut gegangen, die Stadt so heil wie vorher. Und es war schließlich doch fast so schnell gegangen wie geplant. Die mittags aufgetauchte Sorge, dass sich der Einsatz und damit die Evakuierung bis spät in die Nacht hinziehen könnten, erwies sich als unbegründet.

Ein Warnplakat hängt am 03.09.2017 in Frankfurt am Main (Hessen) an der Bombenfundstelle. Eine englische Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg soll entschärft werden. Bis zu 70 000 Menschen müssen in einer der größten Evakuierungsaktionen der deutschen Nachkriegsgeschichte bis 8.00 Uhr die Sperrzone verlassen haben. Foto: Andreas Arnold/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Bombenentschärfung Kommentar: Kein Bezug mehr zur Gefahr

Anruf in der Redaktion am Sonntagabend, nach der erfolgreichen Entschärfung der Weltkriegsbombe in Frankfurt: Ein Leser aus Mörfelden-Walldorf ist am Telefon, 80 Jahre alt, er hat den Krieg selbst

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Gegen 19 Uhr meldete der Kampfmittelräumdienst endgültig Entwarnung: Die Bombe, die am Mittwoch bei Bauarbeiten im Westend gefunden worden war, wurde erfolgreich entschärft. Die Gefährlichkeit der mit 1,4 Tonnen TNT gefüllten Waffe sei gebannt. Eine knappe Stunde später begann die Rückkehr der mehr als 60 000 Menschen, die ihre Wohnungen in den Stadtteilen Westend, Nordend und Dornbusch aus Sicherheitsgründen hatten verlassen müssen.

Während die Straßen zuerst noch für die Einsatzwagen und den Rücktransport von Patienten, Senioren und anderen Hilfsbedürftigen freigehalten wurden, durften die Anwohner zu Fuß, mit Bussen und Bahnen oder mit dem Rad schnell zurück in ihre Wohnungen. Nach und nach wurden dann die Autofahrer eingelassen.

Die Helden des Tages

René Bennert gibt geduldig Interviews, aber zum Helden mag sich der Kampfmittelexperte nicht machen lassen. Er habe „einen Job wie jeder andere auch“, versichert der 40-Jährige, der gestern gemeinsam

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Einen Einsatz wie diesen hat die Stadt Frankfurt seit Kriegsende nicht erlebt. Die Evakuierung der Schutzzone, die mit einem Radius von 1,5 Kilometern um die Fundstelle der Bombe gezogen worden war, hatte am Freitag begonnen. Am Samstag dann waren insgesamt mehr als 200 Patienten aus dem Bürgerhospital und dem St. Marienkrankenhaus in Kliniken in Frankfurt und Offenbach verlegt worden, zudem 20 Altenwohnanlagen geräumt.

Durch jede Straße

Am Sonntagmorgen folgte der Großeinsatz der Polizei, von dem viele nicht geglaubt hatten, dass er so glatt gehen würde. Mehr als 1000 Polizisten durchkämmten Straße für Straße der großen Sperrzone, klingelten an jeder Wohnung, klärten Ahnungslose auf, brachten Menschen zu den bereitgestellten Bussen – und ließen Wohnungen aufbrechen, wenn sie darin noch Menschen vermuteten. Zuvor trieb den Krisenstab die Angst um, dass es viele sein könnten, die den Ernst der Lage nicht wahrhaben wollen.

Am Ende waren es einige Dutzend, die sich mehr oder minder standhaft weigerten zu gehen. Besonders dreist war eine Gruppe, die gegen 12 Uhr winkend am Fenster einer Wohnung entdeckt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei die Sicherheitszone schon so gut wie freigegeben, wollten die neun Männer des Kampfmittelräumdienstes mit der Entschärfung beginnen. Stattdessen mussten erneut Feuerwehr und Polizei ausrücken, mindestens ein Mann wurde per Drehleiter und unter Zwang aus dem Haus geholt.

Insgesamt hatte die Polizei im Laufe des Sonntags 298 Platzverweise erteilt, 19 Wohnungen geöffnet und 26 Personen persönlich aus dem Sperrbezirk gefahren. Fünf Menschen wurden in Gewahrsam genommen. Ihnen drohen juristische Konsequenzen.

Der weitaus größere Teil der Frankfurter machte das Beste aus dem Unvermeidlichen. Überall gab es Einladungen speziell für die Evakuierten: Cafés öffneten früher, Museen verzichteten auf Eintritt, Privatleute luden Wildfremde zu sich ein. Auch die offiziellen Anlaufstellen, die unter anderem in der Messe und in der Jahrhunderthalle eingerichtet worden waren, wurden genutzt. Wobei die Tausenden, auf die man sich eingerichtet hatte, dort nicht zusammenkamen.

Psychologen im Einsatz

In der Jahrhunderthalle wurden ältere und kranke Anwohner betreut. Dort waren auch Psychologen im Einsatz. Denn bei denen, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben, wurden durch die Evakuierung schlimme Erinnerungen neu geweckt.

Derweil gab es kleine, aber schöne Gesten: Einige Anwohner brachten den Polizisten Kaffee an die Straßensperren, andere hinterließen für die Beamten ein paar Schokoriegel an der Haustür, als sie im Morgengrauen ihr Zuhause verlassen mussten. „Die Stadt ist ein Stück zusammengerückt“ resümierte denn auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) bei einem seiner Besuche im Krisenzentrum in der Leitstelle der Feuerwehr.

www.fnp.de

Hier finden Sie weitere Bilder und Texte zur Entschärfung der Weltkriegsbombe.

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