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Ausbildung: Brexit-Kinder drängen in Privatschulen

Von Wegen des Brexit könnten bis zu 10 000 Banker-Jobs aus London nach Frankfurt verlagert werden. Die privaten internationalen Schulen im Rhein-Main-Gebiet registrieren bereits eine erhöhte Nachfrage. Müssen sich Eltern beeilen?
Die Strothoff International School in Dreieich. Foto: Klaus Braungart Die Strothoff International School in Dreieich. Foto: Klaus Braungart
Frankfurt. 

Vor Weihnachten erreichte der Andrang bei der Frankfurt International School neue Dimensionen. „Wir hatten allein im Dezember so viele Anfragen wie im gesamten Jahr zuvor“, berichtet Sprecherin Vera Thiers. „Ganz klar, wir sehen eine erhöhte Nachfrage, obwohl der Brexit erst noch kommt.“ Die schlechte Nachricht für Banken, die sich Kontingente an Plätzen sichern wollten: In diesem Bereich ist die größte internationale Schule in Deutschland – mit 1800 Schülern und mit Standorten in Oberursel und Wiesbaden – für das im September beginnende Schuljahr bereits ausgebucht. Denn laut Satzung wird maximal jeder zehnte Platz für Firmenkunden-Partner reserviert.

Für die übrigen Schüler beginnt nun der Auswahlprozess, so dass Nachzügler – die sich erst im Sommer melden – kaum noch Chancen haben; einen Ausbau hat Schulleiter Paul Fochtman bereits ausgeschlossen. Bisher kommen rund sieben Prozent der Schüler aus Großbritannien, dieser Anteil könnte aber nach Thiers’ Worten künftig steigen. Wie die meisten solcher Privatschulen (offiziell: Schulen in freier Trägerschaft), die in der Regel von einem Verein getragen werden und auf ein internationales Abitur vorbereiten, bekommt sie als sogenannte Ergänzungsschule keine öffentlichen Gelder. 17 solcher Schulen gibt es in Frankfurt und Umgebung, sie unterrichten rund 10 000 Schüler. Durch einen eventuellen Ansturm nach dem EU-Austritt Londons wüchse nicht die Konkurrenz der „Expatriates“ zu deutschen Eltern, sondern untereinander.

Neubau in Planung

Konsequenzen gezogen hat bereits die Strothoff International School in Dreieich. „Wir merken den Brexit schon“, sagt Verwaltungsleiterin Bettina Otto, „es gab auch Blockbuchungen von Banken.“ Einzelne Institute – Namen nennt keine Schule – wollten zwei bis drei Plätze je Jahrgangsstufe reservieren. Wegen der vielen konkreten Anfragen könnte die Schülerzahl von aktuell 360 bis auf maximal 450 steigen. Nun plant die Schule einen Erweiterungsbau, nach Zustimmung der Stadtverordneten prüft die Stadt derzeit ein Grundstück – nach Fertigstellung wäre Platz für bis zu 800 Schüler und Schülerinnen.

Vor allem englischsprachige Führungskräfte fragen eine solche Ausbildung an internationalen Schulen nach; die Kosten sind sie aus ihrem Heimatland bereits gewohnt. Ein Sprecher der Deutschen Bank, die bis zu 4000 Stellen von der Themse an den Main verlegen will, bestätigte, dass das Institut zuletzt deutlich mehr solche Plätze reserviert habe als in den Jahren zuvor. Goldman Sachs hat sich laut „Wall Street Journal“ 80 Plätze in und um Frankfurt gesichert, Morgan Stanley und J.P. Morgan sollen ebenfalls schon gehandelt haben.

Der EU-Austritt Großbritanniens

Wie viele britische Banker tatsächlich von London an den Main ziehen werden und wann das geschehen dürfte, ist so umstritten wie die möglichen Auswirkungen auf Frankfurts Immobilienmarkt.

clearing

Auch an der International School Frankfurt Rhein-Main (ISF) in Sindlingen haben Banken Kontingente von zehn bis 20 Plätzen reserviert. Derzeit hat die Einrichtung 850 Schüler, Platz wäre in den Räumlichkeiten für bis zu 1000. Es gebe zwar verstärktes Interesse, aber bisher nicht viele zusätzliche Anmeldungen wegen des Brexit, sagt Amanda Ife, verantwortlich für Zulassungen an der ISF. Sie widerspricht daher auch dem Eindruck, es gebe keine Plätze mehr: „Wer sich bis März anmeldet, bekommt im nächsten Schuljahr einen Platz.“ Der Anteil britischer Kinder liegt bei rund fünf Prozent – doch kommen nach Ifes Beobachtung wegen des Brexit auch Familien aus anderen europäischen Ländern hierher.

Die Accadis International School Bad Homburg bereitet sich ebenfalls darauf vor, dass Unternehmen immer größere Schulplatz-Kontingente anfragen, und hat Mitarbeiter eigens geschult. „Ein neues Aktionsteam ist nun auf die Beratung von Unternehmen spezialisiert. So sind wir auf den beginnenden Brexit-Ansturm bestens vorbereitet“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Christoph Kexel. Er berichtet von zehn bis 15 Prozent mehr Anfragen, die Schülerzahl in Bad Homburg liegt bei rund 350.

„Wir haben zuletzt eine Reihe von Paketbuchungen von Banken erhalten“, bestätigt auch Peter Ferres, Gründer und Leiter der Metropolitan School in Rödelheim. Zuletzt habe die Schülerzahl um zehn Prozent und damit doppelt so stark wie üblich zugelegt, daher werde eine geplante Erweiterung um zehn Klassenräume vorgezogen. Ohnehin ist die Zahl der Schüler bereits deutlich auf 650 gestiegen.

Noch stärker gewachsen ist die Europäische Schule Rhein-Main in Bad Vilbel: Seit 2012 hat sich die Schülerzahl auf 1600 vervierfacht, die Raum-Kapazitäten sind erschöpft. „Wir haben lange Wartelisten. Auch die Anmeldungen aus dem britischen Raum nehmen zu“, so Schuldirektor Tom Zijlstra. Das könnte seiner Einschätzung nach auf den Brexit zurückzuführen sein.

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