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Bei unseren Nachbarn ist das Interesse gleichwohl gering: Bundestagswahl: Frankreich wettet auf Merkel

Das Interesse in Frankreich an der Bundestagswahl ist bislang gering. „Die Deutschen lieben eben die Stabilität“, heißt es.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) winkt am 30.08.2017 auf einer CSU-Wahlkampfveranstaltung in Erlangen (Bayern) von der Bühne. Foto: Daniel Karmann (dpa) Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) winkt am 30.08.2017 auf einer CSU-Wahlkampfveranstaltung in Erlangen (Bayern) von der Bühne.
Paris. 

Sie liegt gleichauf mit Bier und gutem Fußball, Autos und deutscher Pünktlichkeit: Für viele Franzosen ist Bundeskanzlerin Angela Merkel laut Umfragen der letzten Jahre zu einem Aushängeschild Deutschlands geworden, eine Art Markenzeichen, ja Gütesiegel. Mit Ehrfurcht blicken sie auf jene Frau, die ihrer Ansicht nach so pragmatisch-souverän die Zügel in Deutschland in der Hand hält und Europas Weg maßgeblich bestimmt.

Dass sich daran nach dem 24. September etwas ändert, vermag sich in Frankreich kaum jemand vorzustellen – inklusive der Regierung und Präsident Emmanuel Macron. Bei keiner der zahlreichen Gelegenheiten, zu der er und die Kanzlerin einander in der letzten Zeit begegneten, ließ er Zweifel daran, dass er auch künftig mit Kanzlerin Merkel zusammenzuarbeiten gedenkt, vom Umgang mit der Flüchtlingskrise bis zur Reform der Euro-Zone.

Umfragen können irren

Im Juli empfing er allerdings auch SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz zu einem ausgiebigen Treffen im Élysée-Palast. Macron selbst ist der Beweis dafür, dass Umfrageinstitute sich täuschen können: Noch einige Monate vor der Präsidentschaftswahl galt er als Außenseiter, der letztlich vom Absturz der beiden Volksparteien aus Sozialisten und Konservativen profitierte.

Von einer vergleichbaren Aufmerksamkeit, ja Aufgeregtheit, die die französischen Wahlen im Land selbst und darüber hinaus lange vor dem Stichtag erregten, ist kurz vor dem Votum in Deutschland jedoch nichts zu spüren. „Man hat den Eindruck, es ist schon entschieden“, sagt Hélène Bonnet, Journalistin beim Info-Fernsehsender LCI, der zum Privatsender TF1 gehört. „Wir schicken wohl ein Team nach Berlin zur Wahl selbst, während die Vorberichterstattung eher knapp ausfällt.“ Die deutschen Wahlen interessierten in Frankreich deutlich weniger als zuvor die französischen Wahlen im Ausland, so Bonnet.

Trotzdem ist es wohl kein Zufall, dass Marion Van Renterghem, Reporterin der Zeitung „Le Monde“, gerade jetzt eine Biografie mit dem Titel „Angela Merkel, das politische Ufo“ veröffentlicht. Für eine einfühlsame Serie über die Kanzlerin und ihren Weg in die Politik hat sie in diesem Jahr den renommierten deutsch-französischen Journalistenpreis erhalten.

Element der Stabilität

Van Renterghem glaubt an Merkels Wiederwahl – auch weil ihr die aktuellen Turbulenzen in der Welt helfen, die das Geheimnis ihrer politischen Langlebigkeit mit erklärten: „Wenn sie erneut gewählt wird, hat sie viel Donald Trump, dem Brexit, Syrien, den Kriegen, den Dschihadisten und so weiter zu verdanken.“ Angesichts dieser unsicher gewordenen Welt sei die Kanzlerin ein Element der Stabilität: „Und die Deutschen, denen es insgesamt ganz gut zu gehen scheint, lieben die Stabilität.“

Eine Feststellung, die für die Franzosen ganz und gar nicht zutrifft, die nicht nur mit Macron einen Politiker gewählt haben, der tiefe Veränderungen verspricht – sondern auch einen, mit dem sie drei Monate nach der Wahl bereits zunehmend unzufrieden sind. Die drei- oder gar viermalige Wiederwahl eines Chefs an der Spitze der Regierung bzw. in Frankreich des Staates wäre undenkbar und auch rechtlich nicht möglich: Das Präsidenten-Mandat in Frankreich ist auf zwei Mandate zu je fünf Jahren begrenzt.

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