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Parteien im Zwist: CDU und CSU: Eine komplizierte Beziehung

Von Eigentlich heißen die Gegner, die nun zu Partnern werden sollen, Grüne und FDP. Uneigentlich will Horst Seehofer und muss Angela Merkel am Sonntag erst einmal herausfinden, ob CSU und CDU noch geschwisterlich verbunden sind.
Eitel Sonnenschein herrscht nicht gerade in der Union der Unionsparteien von Horst Seehofer (CSU) und Angela Merkel (CDU). Foto: Michael Kappeler (dpa) Eitel Sonnenschein herrscht nicht gerade in der Union der Unionsparteien von Horst Seehofer (CSU) und Angela Merkel (CDU).
Berlin. 

Also, natürlich muss einer das erst mal aushalten. Zwei Tage nach der Bundestagswahl mit dem historisch schlechtesten Ergebnis für die CSU steht in der Zeitung, fett und groß, „Der ist fällig“. Die Zeitung ist nicht irgendeine, sondern die „Süddeutsche“, und damit ist garantiert, dass die Schlagzeile auch in Berlin gelesen wird. Der Fällige ist auch nicht irgendeiner, sondern Horst Seehofer, der selbsterklärte Ober-Bayer. Dem Zitierten aber – und das ist, obwohl es anders scheint, das Allerwichtigste – fehlt alle Prominenz: Bernhard Neuner junior, im 1500-Seelen-Dorf Wallgau an der Grenze zu Österreich Wirt und CSU-Chef in Personalunion, also die Parteibasis auf zwei Beinen. Und zwei Tage nach der Wahl also befindet die, es sei nun aber genug mit Horst Seehofer und es müsse jetzt ein Neuer her. Seehofer selbst findet das gar nicht. Das hat diverse Gründe, der wichtigste ist, dass er sich – wie alle einmal sehr erfolgreichen Politiker – für unersetzlich hält. Ein anderer, dass er seinem ausdauerndsten Widersacher Markus Söder seine Nachfolge nicht gönnt. Und ein dritter, dass kein Christdemokrat sich mit der Forderung zitieren lässt, Angela Merkel sei fällig, die ja ebenfalls ein historisch schlechtes Ergebnis zu verantworten hat. Aber Seehofer weiß auch, wenn die CSU-Basis renitent wird, dann ist es ernst.

Das Allerkurioseste

Es gibt deshalb, zwischen Tag zwei und Tag 14 nach der Bundestagswahl, allerlei Kurioses aus der CSU im Speziellen und der Union im Allgemeinen zu berichten. Das Allerkurioseste aber ist, dass die CSU als Voraussetzung schon bloß für Sondierungsgespräche mit FDP und Grünen zwecks eventueller späterer Regierungsbildung den intraunionären Beziehungsstatus zur Disposition stellt. Sie fordert, wie Seehofers Mann in Berlin, Alexander Dobrindt, sagt, „eine Klärung, ob wir noch inhaltliche Schwestern sind“. Man kann das für eine Frechheit halten, eine Kränkung oder auch eine Dummheit. Die Kanzlerin, die ja auch CDU-Vorsitzende ist, aber verdonnert ihre Hintersassen, die Seehofer’sche Panikattacke für eine Belanglosigkeit auszugeben. „Hundertmal“, heißt es in ihrem engen Umfeld, habe es derlei schon gegeben: Die Parteispitzen träfen sich und redeten. Und mehr sei das ja nicht, am Sonntag ab mittags im Adenauer-Haus.

Ist es freilich doch. Und wie. Man muss nur hören, was die Schwestern sich so hinreiben vorab. Die Ursachen für das Wahldesaster, sagt Seehofer, „liegen nicht in Bayern, sondern in Berlin“. Im Merkel-Umfeld sortieren sie das in die Kategorie „aufgeblasene Backen“. Am Ende, das glauben alle – oder wollen es auch nur glauben machen – wird ein einziges Wort darüber entscheiden, ob die Schwestern sich wieder zusammenraufen: „Obergrenze“.

Der Streit darum währt schon lang. Und wer ihn verliert, wird zugleich Autorität und Reputation einbüßen, sicher Macht und vielleicht Posten und Amt. Für Seehofer ist das Risiko höher als für Merkel. Für die CSU, aktuell, größer als für die CDU; aber das kann sich ändern. Also lautet die Devise, zumindest bei den Kanzlerischen, dass keiner verlieren darf.

Nicht mehr unumstritten

Nur wie soll das gehen? Seehofer sitzen die Parteifreunde im Nacken, erst recht jene, die sich bloß so nennen. „Vollkommen unerlässlich“, deklariert Peter Ramsauer die Obergrenze. Die Basis namens Neuner will, dass „das Softe in der Union“ verschwindet; soll heißen: die Kanzlerin – oder wenigstens ihre Politik. Gleichzeitig bleibt Merkel stur bei ihrer Ablehnung. „Garantiert“, versprach sie vor der Wahl. Zwar muss das nichts heißen; die Republik weiß das seit der Pkw-Maut. Andererseits: Auch Merkel ist längst nicht mehr unumstritten in ihrer Partei.

Zusammengenommen also geht es am Sonntag ab zwölf um so etwas wie Kreis-Quadratur. Es soll eine Obergrenze für Flüchtlinge ertüftelt werden, die zugleich unbedingt so heißen muss und keinesfalls darf. Und würden sie sich bei Alten- und Krankenpflege, sozialem Wohnungsbau, Mütterrente, bei innerer Sicherheit und Bundeswehr bis aufs i-Tüpfelchen einigen – ohne die jeweils eigene Obergrenzen-Version, sagen die jeweiligen Büchsenspanner, sei alles nichts.

Und selbstverständlich geht es, in Wahrheit, um Macht und Machterhalt im Bund, in Bayern, in der Union – und jeweils in CDU und CSU. Angst vor der nahen Zukunft kennen durchaus auch Christdemokraten; die einen, weil sie ihre Partei mit Merkel an der Spitze für zu wenig konservativ halten, die anderen, weil sie sicher sind, der ewige Krach mit der CSU verprelle die Wähler. Und manche, weil sie ahnen, dass „Ich kann jetzt nicht erkennen, was wir anders machen müssten“ nicht genügt für eine Kanzlerin.

Aktuell aber ist Seehofer mit Abstand Nummer 1 in der Getriebenen-Tabelle. Beim Parteitag im November steht er zur Wahl. Und anders als bei CDU und SPD entscheidet bei der CSU nicht das mittlere Parteimanagement. Es ist die Basis. Es sind 1000 Bernhard Neuners.

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