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Keine Spur vom Jobwunder: Chancen für Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind noch nicht rosig

Von Vielen Flüchtlingen und Migranten fehlt es an Sprachkenntnissen und beruflichen Qualifikationen. Das erschwert die Integration in den Arbeitsmarkt für einen langen Zeitraum, sagen Experten.
Andreas Neuhaus (r.), Mitarbeiter des Projektes „Eine Aak für Dorsten“, und Projektteilnehmer und Flüchtling Victor Eze (l.) sägen  in Dorsten  ein Stück Holz und üben damit für den Nachbau eines Plattbodenschiffs. Foto: Caroline Seidel (dpa) Andreas Neuhaus (r.), Mitarbeiter des Projektes „Eine Aak für Dorsten“, und Projektteilnehmer und Flüchtling Victor Eze (l.) sägen in Dorsten ein Stück Holz und üben damit für den Nachbau eines Plattbodenschiffs.
Frankfurt. 

Es ist ein heikles und auch brisantes Thema: Die Integration der vielen Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Nach dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 glaubten nicht wenige aus Politik und Wirtschaft, dass durch die Vielzahl der Flüchtlinge sogar die sogenannte Facharbeiterlücke in Deutschland geschlossen werden könnte.

Doch dieser Euphorie weicht mittlerweile die Ernüchterung. Ein Beispiel macht das deutlich: Die deutschen Konzerne, die insgesamt rund 3,5 Millionen Menschen beschäftigen hatten bis zur Jahresmitte 2016 zusammen rund 3000 zusätzliche Praktikums- und Ausbildungsplätze für Flüchtlinge, aber gerade mal 54 Festanstellungen geschaffen. Eine Studie der Europäischen Kommission und der OECD kommt zu dem Schluss, dass es bis zu 20 Jahre dauere, ehe Flüchtlinge das Beschäftigungsniveau von Inländern erreichten.

Aktuelle Zahlen aus Hessen machen die Probleme deutlich, die Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt haben. Von den rund 122 000 zwischen 2014 und 2016 nach Hessen eingereisten Menschen mit Fluchthintergrund kommen maximal 43 000 Menschen „kurz- bis mittelfristig“ für eine Erwerbstätigkeit in Betracht. Rund 11 000 Menschen mit Fluchthintergrund seien Ende Dezember vergangenen Jahres bereits in der Arbeitslosenstatistik aufgetaucht, ist von der hessischen Regionaldirektion der Agentur für Arbeit zu erfahren. Mit einem stärkeren Anstieg von arbeitslosen Geflüchteten rechnet die Agentur im zweiten Halbjahr 2017, wenn ein Großteil die Integrationskurse absolviert habe. Aber gibt es Flüchtlinge, die mittlerweile von der Agentur für eine berufliche Tätigkeit qualifiziert werden konnten? „Für einen Großteil der Menschen muss zunächst in Integrations- und Sprachkursen die Basis für eine berufliche Qualifizierung vermittelt werden. In den Bezirken der hessischen Arbeitsagenturen gibt es einzelne Beispiele für Menschen, die in eine Ausbildung oder auch eine Beschäftigung integriert werden konnten“, beschreibt Christina Funedda die aktuelle Situation.

Karl Brenke ist Arbeitsmarkt- und Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Er sieht bei der Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt große Probleme. „Nehmen wir zum Beispiel die Syrer als die bedeutendste Flüchtlingsgruppe. Seit Anfang 2015 ist zwar die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 23 000 gestiegen, die Zahl der registrierten Arbeitslosen aber um 85 000. Das ergibt eine Arbeitslosenquote von 79 Prozent“, rechnet er vor. Dabei sei zu berücksichtigen, dass nicht wenige Beschäftigungsverhältnisse in irgendeiner Weise gefördert seien. Überdies gebe es bei dieser Migranten-Gruppe einen Zuwachs bei den Hartz IV-Empfängern im erwerbsfähigen Alter von 300 000, so der Experte.

Kein Abschluss

Darüber hinaus habe nur eine Minderheit der Flüchtlinge in Deutschland verwertbare berufliche Qualifikationen. Meist sei überhaupt kein Berufsabschluss vorhanden und es böten sich daher nur Helfertätigkeiten an. Hier sei es aber trotz guter Konjunktur schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Dazu müssten auch noch hinreichende Sprachkenntnisse vorhanden sein. Überdies sollten junge Flüchtlinge dafür begeistert werden, eine Lehre zu beginnen. Allerdings, so Brenke, gebe es hier Hindernisse: Gewichtiger als noch vorhandene Defizite bei der deutschen Sprache sei die nicht selten unzureichende schulische Ausbildung. Die Regelschulzeit in den Herkunftsländern der Flüchtlinge sei kürzer als in Deutschland. Daher werde eine Lehre eher für Jugendliche mit mindestens Mittelschulabschluss in Frage kommen. Das treffe aber für den überwiegenden Teil der anerkannten Flüchtlinge nicht zu. Doch wie lange wird die Arbeitsmarkt-Integration der Flüchtlinge dauern? Agentur-Sprecherin Funedda antwortet: „Bevor Geflüchtete überhaupt den hessischen Arbeitsmarkt erreichten, müssen sie zunächst die Hürden der Einreise, des Asylverfahrens und der Integrations- und Sprachkurse überwinden, um notwendige Sprachkenntnisse zu erlangen. Die sind Prozesse, die Zeit benötigen und sich bis zu zwei Jahren hinziehen können“.

Hinzu komme, dass die überwiegende Anzahl der geflüchteten, arbeitslosen Flüchtlinge über keine abgeschlossene Ausbildung (rund 67 Prozent) verfügten. Deshalb müsse ein Großteil zunächst in die Lage versetzt werden, eine Beschäftigung zu finden, die längerfristig die Existenz sichert und vor Arbeitslosigkeit schützt. Dafür benötige man Zeit für Schule, Berufsorientierung, Ausbildung und Qualifizierung. DIW-Experte Brenke macht eine andere Rechnung auf.

560 Ausbildungsplätze

Im Jahr 2010 hätte bei den Libanesen eine Arbeitslosenquote von über 50 Prozent vorgelegen. „Dabei dürfte es sich im Wesentlichen um Personen gehandelt haben, die wegen des Libanonkrieges in den 1980er Jahren nach Deutschland gekommen sind – und um deren Nachkommen“, sagt Brenke. Hinzu komme hier noch ein weiteres Problem: Arbeitslosigkeit könne sich sozial vererben.

Genaue Zahlen legt Patricia Borna auf den Tisch. „Das Handwerk zählt für das vergangene Jahr 560 Personen aus dem Kreis der Flüchtlinge, die in Hessen eine Ausbildung begonnen haben, im Kammerbezirk Frankfurt-Rhein-Main waren es rund 200; dazu kommen 180 Plätze im Rahmen der Einstiegsqualifizierung“, zählt die Sprecherin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Schwierigkeit der beruflichen Integration sei aber weiterhin das Thema Sprache. Handwerkskammer-Präsident Bernd Ehinger „arbeite daher intensiv“ im Asylkonvents des Landes Hessen mit und leitet dort die Gruppe „Arbeitsmarkt“, die sich genau mit der Fragestellung befasst, wie die Integration der Geflüchteten gefördert werden kann. „Die Bereitschaft der Betriebe, einen Flüchtling einzustellen, ist in jedem Fall hoch, dies haben wir in den letzten regulären Telefonumfragen festgestellt“, so Borna.

dfg f dgh tg

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