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Weltweit sind Gläubige bedroht: Christen leben gefährlich

Das Leben von Christen wird in vielen Ländern bedroht – das zeigen auch die jüngsten schweren Anschläge auf zwei christliche Kirchen in Ägypten. Wir zeigen exemplarisch die Situation einiger christlicher Minderheiten auf.
Kopten, wie hier in der Hängenden Kirche von Kairo, werden in arabischen Ländern häufig an der Ausübung ihrer Religion gehindert. Foto: Agata Skowronek (epd) Kopten, wie hier in der Hängenden Kirche von Kairo, werden in arabischen Ländern häufig an der Ausübung ihrer Religion gehindert.
Kairo. 

Bei den verheerenden Bombenanschlägen auf Christen in Ägypten sind mehr als 40 Menschen getötet und 110 verletzt worden. Die koptische Gemeinde in der Hafenstadt Alexandria gedachte gestern der Opfer in einer Trauerfeier. Viele Särge wurden an Trauernden und Weinenden vorbei in eine Kirche getragen. Christen sind in Ägypten immer das Ziel von Anschlägen, aber nicht nur dort.

Ägypten: Innerhalb eines halben Jahres kamen hier bei mehreren Anschlägen auf christliche Gotteshäuser Dutzende Menschen ums Leben. Eigentlich leben Muslime und Christen in dem Land vergleichsweise friedlich zusammen. Vereinzelt gibt es allerdings Spannungen. Ein Ableger der „IS“-Terrororganisation treibt im Nordsinai sein Unwesen und kündigte in Propagandavideos Angriffe auf Christen an. Im Februar flohen Hunderte ägyptische Christen von dort. Vorangegangen war eine Mordserie an Mitgliedern der religiösen Minderheit. Sie macht zehn Prozent der 94 Millionen Einwohner aus.

Afghanistan: Dort gibt es nur sehr wenige Christen. Die meisten religiösen Minderheiten waren während der Herrschaft der radikalislamischen Taliban zwischen 1996 und 2001 geflohen. Ein Bericht des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2009 schätzt die Zahl der afghanischen Christen auf 500 bis 8000. Ab und zu gibt es Anschläge auf Ausländer, die der Missionierung verdächtigt werden – kirchliche Hilfsorganisationen zum Beispiel. Zuletzt war 2014 in Kabul eine christliche Familie aus Südafrika getötet worden.

China: Das Christentum findet dort starken Zulauf. Manche sprechen von 80 Millionen Christen, aber die Schätzungen gehen weit auseinander. Die Freiheit der Gläubigen ist eingeschränkt, weil die kommunistische Führung die Religion unter Kontrolle halten will. Katholiken müssen sich der staatlichen „Patriotischen Kirche“ anschließen, die den Papst nicht anerkennt. Protestanten sind in der staatlichen Kirche „Drei-Selbst-Bewegung“ organisiert. Viele Chinesen geben sich damit nicht zufrieden und schließen sich in Untergrund- und Hauskirchen zusammen, denen Verfolgung droht.

Indonesien: Dort gibt es mehr als 20 Millionen Christen, für ein asiatisches Land sehr viel. Bei 250 Millionen Einwohnern, davon fast 90 Prozent Muslime, sind sie trotzdem nur eine kleine Minderheit. Eigentlich ist Indonesien für eine vergleichsweise tolerante Lesart des Islam bekannt. In letzter Zeit machen aber auch dort radikale Prediger zunehmend Front gegen Christen. Gegen den christlichen Gouverneur der Hauptstadt Jakarta, Basuki Purname, gingen Hunderttausende auf die Straßen. Ihm wird vorgeworfen, im Wahlkampf den Koran beleidigt zu haben. Deshalb steht er nun auch vor Gericht. Seine Chancen auf eine Wiederwahl sind deutlich gesunken.

Irak: Christen sind ein fester Bestandteil der irakischen Gesellschaft. Allerdings erleben die Gemeinden seit langem einen Exodus, der die Minderheit immer kleiner werden lässt: Weniger als ein Prozent der Iraker sollen heute noch christlichen Konfessionen angehören. Vor allem radikale sunnitische Gruppen terrorisieren die Christen. So hat die Terrormiliz „IS“ Christen – wie auch Angehörige anderer Religionen – getötet, verschleppt, vertrieben und ihre Einrichtungen zerstört.

Iran: Im Iran leben etwa 100 000 Christen, 80 000 von ihnen sind armenisch-apostolisch. Laut ihrem Erzbischof Sibouh Sarkissian durfte die Minderheit ihre Religion stets frei praktizieren. Das islamische System geht jedoch vehement gegen jegliche christliche Missionierung vor. Iranischen Muslimen, die durch solche Missionierungen zum Christentum konvertieren, drohen lange Haftstrafen, manchen von ihnen sogar die Todesstrafe.

Nordkorea: Nach Angaben des Koreanischen Christenbunds (KCF) sind etwa 14 000 Menschen der schätzungsweise 25 Millionen Einwohner Nordkoreas Christen. Verlässliche Angaben über die Größe der katholischen und evangelischen Gemeinden gibt es jedoch nicht. Beobachter halten es für möglich, dass es neben dem KCF auch eine unabhängige kleine Gruppe von Christen gibt. Christliche Gruppen wie das Hilfswerk Open Doors werfen der Regierung vor, Zehntausende Christen in Arbeitslagern gefangen zu halten.

Somalia: Mehr als 99 Prozent der Bevölkerung sind sunnitische Muslime. Die Verfassung sieht persönliche Religionsfreiheit vor, verbietet aber die Verbreitung jeder Religion außer dem Islam. In Folge der italienischen Kolonialvergangenheit in Teilen des Landes wurde um 1900 eine katholische Kirche in der Hauptstadt Mogadischu gegründet. 1989 wurde der italienische Bischof Pietro Salvatore Colombo vor der Kathedrale erschossen. Der Tod des 67-Jährigen klärte sich nie auf. Seit etwa zehn Jahren versucht die Terrormiliz Al-Shabaab einen sogenannten Gottesstaat zu errichten. Für die sunnitischen Extremisten gelten auch moderate Muslime als Ungläubige.

Syrien: Das Christentum ist in Syrien tief verwurzelt. Klöster und andere kirchliche Einrichtungen zeugen von einer jahrtausendealten Geschichte. Rund zehn Prozent der syrischen Bevölkerung gehören christlichen Konfessionen an. Besonders stark ist die griechisch-orthodoxe Kirche vertreten. Die säkulare Führung des Landes nimmt für sich in Anspruch, Religionsfreiheit zu garantieren. Wie die gesamte Bevölkerung leiden Christen aber ungemein unter dem Bürgerkrieg. Aus Angst vor radikalen muslimischen Extremisten unterstützen viele Christen Staatschef Baschar al-Assad.

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