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Danke, Helmut Schmidt

Mit Blumen, Plakaten und Mentholzigaretten: Zahlreiche Menschen gedenken im Hamburger Rathaus Altkanzler Helmut Schmidt. Die Politik verneigt sich vor einem großen Staatsmann.
Menschen in Hamburg standen Schlange, um sich in das Kondolenzbuch einzutragen. 	FOTO: DPA Foto: OLIVER HARDT (AFP) Menschen in Hamburg standen Schlange, um sich in das Kondolenzbuch einzutragen. FOTO: DPA
Berlin/Hamburg. 

Deutschland gedenkt und würdigt Helmut Schmidt. Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel trugen sich am Mittwoch im Kanzleramt in ein Kondolenzbuch ein. Die Sitzung des Bundeskabinetts begann mit einer Schweigeminute. Gauck ordnete einen Staatsakt zum Gedenken an den Altkanzler an, der am Dienstag im Alter von 96 Jahren gestorben war. Ein Termin dafür stand aber noch nicht fest. Nach einem Bericht der „Welt“ soll Schmidt in zwei bis drei Wochen bei einem Staatsakt in Hamburg gewürdigt werden.

Die US-Regierung würdigte den Altkanzler als Leitfigur in einer zentralen Epoche der deutschen Geschichte. „Er war eine feste, sichere Stimme in einer Zeit der Ungewissheit“, teilte das Weiße Haus mit. „Seine Arbeit half, unsere gemeinsame Vision vom Bau eines friedlichen und demokratischen Europas voranzutreiben.“

Vor dem Hamburger Rathaus standen am Mittwochmorgen Hunderte Bürger im Nieselregen Schlange, um sich in ein Kondolenzbuch einzutragen. Vor dem Privathaus Schmidts legten Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Schmidts Leichnam wurde am Vormittag aus dem Haus in Hamburg-Langenhorn gebracht. Als der Leichenwagen das Grundstück verließ, salutierten Polizeibeamte.

„Ich bin kein Sozi“, bekannte ein 76 Jahre alter Nachbar. Aber seine Bewunderung für Schmidt sei groß. „Was er gemacht hat, hatte Hand und Fuß“, sagte er. Wie viele andere Bewohner von Hamburg-Langenhorn traf er Helmut Schmidt und seine Frau Loki oft beim Spazierengehen oder Einkaufen. Und: „Wir hatten denselben Friseur.“

Vor dem Rathaus waren Plakate angebracht, auf denen es unter anderem hieß: „Mach’s gut, Helmut. Und grüß Loki.“ Auch ein Päckchen Mentholzigaretten wurde neben Blumen und Kerzen abgelegt.

„Das war ein toller Mann“, sagte Barbara Piel unter Schluchzen. Sie hatte auf dem Fahrrad-Kindersitz ihren anderthalbjährigen Sohn dabei. Die 38-Jährige war ein großer Fan des „Hamburger Jung“, wie sie Schmidt bezeichnet.

Die Hamburgerin Meike Mänecke sagte nach ihrem Eintrag ins Kondolenzbuch, die neben einem großen Schwarz-Weiß-Foto Schmidts in der sogenannten Diele des Rathauses auslagen: „Ich bin mit dem Mann großgeworden, er hat mein Bild von Politik geprägt.“ Imponiert habe ihr etwa, dass Schmidt auch zu seinen Fehlern gestanden habe. „Einen Mann dieses Formats sucht man in der heutigen Politik vergebens“, erklärte Gerhard Sasse, der mit seiner Frau Regina ins Rathaus gekommen war. Die Hamburger Jusos schlugen vor, den Flughafen der Hansestadt in „Helmut Schmidt Airport Hamburg“ umzubenennen.

Im Kanzleramt schrieb Präsident Gauck in Kondolenzbuch: „Dank dem Staatsmann, der seinem, unserem Land mit Weitsicht, Entschlossenheit und der Leidenschaft zur Vernunft diente. Dank dem Bürger, der uns vorlebte, dass Verantwortung der Lebensatem der Demokratie ist“, schrieb er nach Angaben des Bundespräsidialamtes.

Merkel äußerte sich „in tiefer Trauer und Respekt vor einem großen Staatsmann“. Vor einem Ölbild des Altkanzlers schrieb auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) einige Zeilen in das schwarze Buch. Wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte, liegt das Kondolenzbuch bis Mittwoch nächster Woche in der Regierungszentrale aus. Auch im Willy-Brandt-Haus der SPD gibt es ein Kondolenzbuch. Leitartikel
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