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Ein Jahr nach dem Anschlag von Nizza: Das Trauma bleibt

Vor einem Jahr, am französischen Nationalfeiertag, raste ein Attentäter in eine feiernde Menschenmenge in Nizza. 86 Menschen starben, hunderte wurden verletzt, die ganze Stadt stand unter Schock. Spuren davon gibt es immer noch.
Menschen trösteten sich am 15. Juli 2016 im französischen Nizza neben Blumen, die zum Gedenken an die Terroropfer niedergelegt worden waren. Die Trauer um die Getöteten ist auch heute noch groß, fast jeder kennt Familien, die einen Angehörigen verloren haben. Foto: Andreas Gebert (dpa) Menschen trösteten sich am 15. Juli 2016 im französischen Nizza neben Blumen, die zum Gedenken an die Terroropfer niedergelegt worden waren. Die Trauer um die Getöteten ist auch heute noch groß, fast jeder kennt Familien, die einen Angehörigen verloren haben.
Nizza. 

Die ersten Wochen, ja Monate nach diesem verheerenden 14. Juli 2016 nahm Brigitte jeden Umweg auf sich, um die Strandpromenade von Nizza, die Promenade des Anglais, zu umfahren. „Dabei ist das eine der zentralen Achsen der Stadt, wo jeder ständig unterwegs ist. Oder war…“

Aber die 62-Jährige, die seit mehr als 30 Jahren in der Mittelmeer-Metropole lebt, vermied es, jenen kleinen Platz am Rande der Straße zu sehen, wo Menschen immer wieder frische Blumen und Kerzen, Gedichte und Plüschtiere ablegten. Keinesfalls wollte sie so unmittelbar an das Grauen erinnert werden, das sich am Abend des französischen Nationalfeiertags an diesem Ort abgespielt hat.

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Der Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel, der seit einigen Jahren in Nizza lebte, hatte einen geliehenen, 19 Tonnen schweren Lastwagen auf die Flaniermeile am Meer gelenkt, die an dem Abend für den Verkehr gesperrt war. Rund 30 000 Menschen tummelten sich an dem warmen Sommerabend hier, um das traditionelle Feuerwerk zu bestaunen. Während am Himmel noch farbige Lichter sprühten, raste der Attentäter in hoher Geschwindigkeit in die Menge und fuhr knapp zwei Kilometer die Straße entlang.

Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ bekannte sich zu dem Attentat, während der Täter den Behörden nicht als religiöser Fanatiker aufgefallen war, wohl aber wegen Gewalttaten, unter anderem gegen seine von ihm getrennte Frau, mit der er drei Kinder hatte. Eine direkte Verbindung zu Terror-Organisationen oder gar ein konkreter Auftrag wurden nicht gefunden.

Die Bilanz seiner Tat ist verheerend. 86 Menschen verloren ihr Leben, darunter einige Kinder. Die Zahl der Verwundeten belief sich auf mehr als 400. Die der Traumatisierten liegt noch weitaus darüber – die ganze Stadt war verwundet. „Nizza ist klein“, sagt Brigitte, die selbst an besagtem Abend, anders als die Jahre zuvor, nicht an der Promenade war. „Jeder kennt Leute, die das Drama getroffen hat. Es wurden ja ganze Familien ausgelöscht.“

Die körperlich Verletzten seien inzwischen zumeist genesen, berichtet der Krankenhaus-Chirurg Pascal Boileau. Zwischen zehn und 20 Personen müssten immer noch Reha-Maßnahmen machen. „Aber viele brauchen weiter psychologische Hilfe. Die Nachwirkungen sind sehr stark.“

Tourismus erholt sich

Kinder seien besonders stark betroffen, so Florence Askenazy, Chefin der Kinderpsychiatrie in einem Krankenhaus der Stadt: „Oft zeichnen sie Gewaltszenen, wo man verletzte Personen sieht, Pistolen, Feuerwerke mit Menschen, die auf dem Boden liegen oder schwarze Figuren auf der Promenade. Ich habe einen kleinen Jungen in Behandlung, der in einem Jahr nicht einen einzigen Zentimeter gewachsen ist.“

Gelitten hat zunächst auch der Tourismus in der Stadt an der Côte d’Azur. Brach er in den Monaten nach dem Attentat, bei dem auch viele Ausländer getroffen wurden, massiv ein, zog er in diesem Jahr aber wieder an und normalisierte sich zuletzt.

Wenn sich die Horror-Nacht heute zum ersten Mal jährt, fällt das übliche Feuerwerk aus. Stattdessen findet an der Promenade eine Zeremonie für die Opfer statt. „Dieser 14. Juli muss ein Moment des Gedenkens sein“, erklärte Bürgermeister Christian Estrosi. Neben dem aktuellen Präsidenten Emmanuel Macron hat er auch dessen Vorgänger François Hollande und Nicolas Sarkozy eingeladen.

Es ist eine Geste der Versöhnung, während es nach dem Anschlag Schuldzuweisungen zwischen der konservativ regierten Region und der sozialistischen Regierung in Paris gab: Wie konnte der Täter mit seinem Laster an den Absperrungen vorbei auf die Promenade gelangen? Immerhin galt bereits der Ausnahmezustand in Frankreich – und er gilt auch weiterhin. Das Land lebt mit der ständigen Gefahr und mit der bitteren Erinnerung.

dfg f dgh tg

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