Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Das sind die Rentenideen der Parteien

Von Bereits Ende des Jahres 2016 scheint ein entscheidendes Thema für die Bundstagswahl 2017 klar zu sein: Was passiert mit der Rente. Wir haben die Ideen der großen Parteien einmal zusammengefasst.
(Symbolbild) (Symbolbild)
Frankfurt. 

Matthias Zimmer (CDU): „Die große Rentenreform, mit der Konrad Adenauer vor 60 Jahren die Rentenversicherung erneuerte, orientierte sich an der Arbeits- und Lebenswirklichkeit der Wirtschaftswunderzeit. Heute stehen wir mit der beschleunigten Digitalisierung und der Organisation der Arbeit über Netz-Plattformen mitten im Veränderungsprozess von ’Arbeit 4.0’. Selbstständigkeit ist unter den genannten Vorzeichen eine immer häufiger beobachtbare Phase in Lebensläufen. Sie kann eine Lücke in die Versicherungsbiografie reißen, mit der Gefahr, im Alter im Grundsicherungsbezug zu landen. Daher sollte eine Überlegung sein, Selbstständige verpflichtend in die gesetzliche Rente miteinzubeziehen, sofern sie nicht in einem Versorgungswerk pflichtversichert sind.

Die armutsfeste Gestaltung der gesetzlichen Rente ist die beste Ermutigung, zusätzlich vorzusorgen. Denn nur wer im Alter nicht auf Grundsicherung angewiesen ist, wird von seiner privaten Vorsorge auch vollumfänglich profitieren können. In der betrieblichen Altersvorsorge scheint ein Problem, dass Versicherte sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil für die Kranken- und Pflegeversicherung zu entrichten haben. Dies wird oft als ungerecht empfunden und macht private Vorsorge unter Umständen unrentabel. Das sollte angegangen werden. Darüber hinaus sollten wir für die betriebliche Altersvorsorge mehr Verbindlichkeit schaffen, indem verpflichtende Angebote nur individuell abgewählt werden können.

Auch darf die Riester-Rente kein Förderprogramm für Versicherer sein: ’Riester’ muss in erster Line dazu beitragen, das Problem von Altersarmut zu lösen – nur so wird es auch haushaltspolitisch nachhaltig sein.“

Wolfgang Decker (SPD): „Um die Altersversorgung zukunftsfähig und auskömmlich zu gestalten, müssen wir an mehreren Stellschrauben drehen. Klar ist für uns, dass die beitragsfinanzierte Rentenversicherung die tragende Säule der Alterssicherung bleiben wird und bleiben muss. Unser Bestreben ist dabei, einem weiteren Absinken des Rentenniveaus entgegenzuwirken. Hierzu muss die Basis der Beitragszahler perspektivisch verbreitert werden. Allerdings sehen wir auch für die Zukunft betriebliche Altersabsicherungen und eine den individuellen Lebensumständen angemessene private Vorsorge als notwendige Ergänzung zur gesetzlichen Rente. Um dieses Modell zukunftsfest zu gestalten, muss die Betriebsrente so reformiert werden, dass auch Geringverdiener und die Beschäftigten von kleinen und mittleren Unternehmen in den Genuss einer betrieblichen Altersversorgung kommen können.

Dasselbe gilt für die sogenannte Riester-Rente, die im Sinne der Bürger überarbeitet werden muss.Um Altersarmut zu vermeiden, brauchen wir eine verbesserte Erwerbsminderungsrente sowie eine Haltelinie beim Rentenniveau nach unten.“

Bettina Stark-Watzinger (FDP): „Die FDP steht zum 3-Säulen-Modell der Altersvorsorge, aber das Umlagesystem der gesetzlichen Rentenversicherung stößt in Zukunft an seine Grenzen. Veränderungen sind notwendig. Deutschland braucht als Ergänzung künftig zwei starke Säulen ’betriebliche und private Vorsorge’.

Über 50 Prozent der Menschen sind nicht in der Lage, ihr Einkommen im Alter richtig einzuschätzen. Im Zeitalter des Internets der Dinge muss es möglich sein, Informationen einfach zur Verfügung zu stellen.

Rente per Mausklick – Menschen, die besser informiert sind, sparen mehr, früher und systematischer. Dänemark und Schweden („Minpension“) haben es vorgemacht. Auf einer Renteninformationsplattform findet man mit wenigen Klicks die eigenen Ansprüche aus allen drei Altersvorsorgesäulen und kann gleichzeitig überprüfen, ob ihre Alterssicherung ausreicht oder zusätzlich Vorsorge erfolgen muss.

Wir wollen ein Vorsorgekonto einführen, das hilft, Versorgungslücken aufzudecken und den Aufbau einer ergänzenden Vorsorge für das Alter stärkt. Die private und betriebliche Altersvorsorge wird so enger an die Bürger gebunden. Wir wollen die gesetzliche Rente neu denken. Das Konzept der Freien Demokraten für einen flexiblen Renteneintritt sieht vor, dass alle Versicherten ab dem 60. Lebensjahr frei entscheiden können, ob und wann sie ihre Rente beziehen.“

Marjana Schott (Die Linke): „Das Rentenniveau sinkt seit 2000 bis auf unter 45 Prozent im Jahr 2030. Das muss sich ändern. Die Rente muss wieder 53 Prozent des Verdienstes ausmachen. Altersarmut ist aber auch die Folge schlecht bezahlter Arbeit. Der Mindestlohn muss deshalb schnell auf 12 Euro pro Stunde angehoben werden, Arbeitsverhältnisse müssen unbefristet und existenzsichernd sein. Keiner soll im Alter von weniger als 1050 Euro im Monat leben müssen. Deshalb brauchen wir eine solidarische Mindestrente in dieser Höhe. Auf freiwilliger Basis soll es möglich sein, die privaten und staatlichen Einzahlungen in die Riester-Rente in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Die Versicherungswirtschaft soll keine Gewinne mit der Rente machen. Die Linke ist dafür, die Rentenversicherung zu einer solidarischen Erwerbstätigenversicherung umzugestalten, in die alle Berufsgruppen – auch Politikerinnen und Politiker – einzahlen müssen. Die Beiträge sollten wieder in gleicher Höhe von Arbeitnehmer und den Arbeitgebern geleistet werden.“

Wolfgang Strengmann-Kuhn (Grüne): „Für unser Rentensystem, es beruht auf den Grundlagen der 1950er Jahre, ist eine umfassende Reform notwendig. Wir Grüne machen uns für eine universelle Bürgerversicherung und eine existenzsichernde Rente stark. Auch sollte es flexible Übergänge in die Rente geben und kein starres Alterssystem. Kapitalgedeckte Vorsorgemodelle lohnen sich in der Regel nur für mittlere und hohe Einkommen.

Wer aber betrieblich vorsorgt, muss eine Garantierente bekommen. Krankenkassenbeiträge sollten hierbei nicht angerechnet werden.“

Peter Münch (AfD): „Es kann nicht sein, dass das Rentenniveau bei uns so niedrig ist. Es ist aber ein Desaster, dass wir so viel Geld in Menschen investieren, die nichts oder wenig an die Gemeinschaft zurückgeben. Ich bin kein Freund von privaten Vorsorgemodellen, sondern setze auf die gesetzliche Rente.

So hat die Riester-Rente nicht gehalten, was sie versprochen hat. Ich könnte mir vorstellen, dass den Menschen geholfen ist, wenn sie bei Rentenbeginn in die eigenen vier Wände ziehen können. Das sollte aber ohne Subventionen geschehen. Generell muss ich aber sagen, dass sich meine Partei noch nicht abschließend mit dem Thema Rente befasst hat.“

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse