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Online: Debatte um Handys in Schulen: Verbot ausweiten oder aufheben?

Von Viele Erstklässler haben heute bereits ein Handy. Aber in deutschen Klassenzimmern sind Mobiltelefone oft tabu. Hessens Schülern gefällt das überhaupt nicht und sie fordern stattdessen eine Aufhebung des Handyverbots.
Symbolbild Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/Archiv Symbolbild
Frankfurt/Berlin. 

Das in Frankreich beschlossene Handyverbot an Schulen hat auch in Deutschland eine Diskussion über Mobiltelefone von Schülern ausgelöst. Viele wollen Handys nicht komplett aus den Schulen verbannen – zumindest nicht, solange die technische Voraussetzungen nicht vorhanden seien.

Aus Sicht des Bundeselternrats haben Handys an Schulen „nichts zu suchen“. Ein generelles Verbot lehnt er aber trotzdem ab. „Es stört den Unterricht, da müssen wir uns nichts vormachen“, sagte der Vorsitzende der Dachorganisation der Landeselternvertretungen, Stephan Wassmuth. Die Schulen seien darüber hinaus technisch aber noch nicht gut genug ausgerüstet, um ganz auf Mobiltelefone im Unterricht zu verzichten.

Eine Schülerin sitzt mit ihrem Handy und ihren Schulsachen an einem Schreibtisch.
Kommentar Pro und Kontra Handynutzung in der Schule

clearing

Das französische Parlament hatte jetzt ein erweitertes Handyverbot in Schulen beschlossen. Das Gesetz verbietet grundsätzlich die Nutzung von Mobiltelefonen in allen Vor- und Grundschulen sowie in der Sekundarstufe I.

Gegen solche drastischen Schritte wie ein Handyverbot an Schulen laufen Hessens Schüler Sturm. Für die Landesschülervertretung (LSV) ist es für Schüler nämlich längst selbstverständlich, ständig online zu sein.

 

Deshalb wollen auch die Schülervertreter nicht länger hinnehmen, dass in der Schule weiterhin „Kreidezeit“ herrscht, sagt LSV-Sprecherin Emely Dilchert (18). Es sei „eine Skandal“ wie mit Handys an hessischen Schulen umgegangen werde. Statt „online“ werde der Unterrichtsstoff vielerorts noch via Overhead-Projektoren vermittelt, so Emely Dilchert weiter, die derzeit das Theodor-Fliedner-Gymnasium in Wiesbaden besucht.

Logische Konsequenz

Die LSV fordert deshalb in Hessen eine Aufhebung des Handyverbots an den Schulen. Heute besitze so gut wie jeder Schüler ein Smartphone. Da sei ein Verbot nicht mehr angemessen. Gerade in Sachen Digitalisierung müsse die Schule auf das reale Leben und den Beruf vorbereiten. Da sei eine gezielte Einbindung des Smartphones in den Unterricht eine logische Konsequenz, so die Interessenvertretung der hessischen Schüler.

„Natürlich sind auch uns negative Auswirkungen der Nutzung von Smartphones nicht verborgen geblieben. Cybermobbing ist ein Problem, das wir nicht kleinreden wollen“, sagt Marcel Kalif vom LSV-Vorstand.

Dass aber das Land die Verantwortung beim Thema Handy auf die Schulen übertrage, findet die LSR-Sprecherin Dilchert nicht in Ordnung. „Das Land zieht sich hier aus der Verantwortung“, sagt sie. Im hessischen Kultusministerium sieht man sich trotz der Schülerkritik auf der richtigen Seite. „Jede Schule kann die Vorgaben zum Umgang mit Mobiltelefonen selbst regeln. Eine entsprechende Regelung kann im Rahmen der Schulordnung erfolgen“, sagt Ministeriumssprecher Stefan Löwer. Zuständig sei dafür die Schulkonferenz; der Schulelternbeirat und der Schülerrat seien danach anzuhören.

In der Schulordnung könnten Vorgaben dazu aufgestellt werden, ob und gegebenenfalls unter welchen Bedingungen Mobiltelefone in der Schule benutzt werden dürfen. Ein generelles Verbot, Mobiltelefone überhaupt mitzuführen, begegne insofern Bedenken, als teilweise ein berechtigtes Interesse von Schülern an der Nutzung eines Mobiltelefons zumindest vor oder nach der Schule bestehen könne. Beispielsweise im Fall eines längeren Schulwegs und der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Hier sollte insbesondere jüngeren Schülern die Möglichkeit eingeräumt werden, zu Hause anzurufen. Unterdessen erklärte Udo Beckmann vom Verband Bildung und Erziehung (VBE), dass ein generelles, gesetzliches Handyverbot nicht helfe. Deutsche Schulen hätten größtenteils noch „steinzeitliche Ausstattungen“, daher müssten Lehrer auf die Mittel der Schüler zurückgreifen,

Klare Regeln

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hält ebenfalls nichts von zentralen Vorschriften. „Es muss klare Regeln geben, aber so eine zentralstaatliche Vorgabe ist uns fremd“, sagte Prien. Auch Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres ist gegen ein generelles Handyverbot an Schulen nach dem Vorbild Frankreichs. „Für eine zentrale Vorschrift für alle Berliner Schulen sehe ich keinen Anlass“, sagte die SPD-Politikerin.

Bayerns Schulen sollen im kommenden Schuljahr mögliche Neuregelungen bei der privaten Handynutzung testen. In dem Versuch können Schulen eigene interne Regeln zur Handynutzung aufstellen. Bisher sind im Freistaat Handys nur zu Unterrichtszwecken erlaubt.

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