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Fußball-WM 2018 in Russland: Der DFB hat ein Ziel und vermeidet Kritik an Russland

Heue beginnt die Fußball-WM in Russland. Sollen wir uns auf die Spiele freuen oder uns abwenden angesichts der politischen Führung in Moskau? Der DFB hat seine eigene Herangehensweise.
DFB-Präsident Reinhard Grindel Bilder > Foto: Sina Schuldt (dpa) DFB-Präsident Reinhard Grindel
Moskau. 

Beim Fernsehen wissen sie auch nicht, in welche Richtung sie die Sache treiben sollen. Das Erste zeigte in den Tagen vor der Fußball-Weltmeisterschaften Tore, Triumphe, die großen Gefühle, von Pelé bis Jogi Löw. Doch das öffentlich-rechtliche Fernsehen beleuchtete auch die andere Seite.

Es gab Reportagen über ein WM-Gastgeberland, in dem die Menschenrechte nicht viel gelten, in dem Homophobie verbreitet ist, in dem Journalisten weggesperrt oder ermordet wurden und das seinen Sport durch systematisches Doping gestärkt hat.

Die Fragestellung zur WM 2018 lautet: Ist es legitim, sich auf sie zu freuen, Sonderhefte zu kaufen, im Betrieb Tippspiele zu organisieren und beim Public Viewing zu feiern? Oder ist es angezeigt, sich abzuwenden von diesem zu groß und zu teuer gewordenen Spektakel, das nun auch noch Gefahr läuft, politisch missbraucht zu werden?

Vergleich mit Argentinien

Eine ähnliche Diskussion gab es zuletzt vor 40 Jahren. Argentinien 1978 war eine umstrittene WM. Ein Land unter Militärdiktatur, in Buenos Aires starb eine Deutsche im Gefängnis. Hinfahren und den Generälen die Hand schütteln? Die Kritiker der WM kreierten ein eigenes Logo: Es zeigte den berühmten Weltpokal – von Stacheldraht umrankt.

Begehrter Pokal: Die Fußball-WM 2018 findet in Russland statt. Foto: Marcus Brandt/dpa/dpa-tmn
Kommentar Fußball WM 2018 in Russland - Der Verlust der Begeisterung

Vor kurzem erschien ein Buch mit dem Titel „Das wunde Leder – Wie Kommerz und Korruption den Fußball kaputt machen“. Darin haben die Autoren Klaus Zeyringer und der Schriftsteller Ilija Trojanow

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Die WM fand statt, man feierte den argentinischen Trainerphilosophen Cesar Luis Menotti. Die Deutschen diskutierten am Ende nicht über südamerikanische Politik, sondern das Abwehrverhalten der Spieler Berti Vogts und Rolf Rüssmann, denen – Stichwort Cordoba – der Österreicher Hans Krankl zu seinen Toren enteilte. Es war eine Weltmeisterschaft, die genügend sportliche Themen setzte.

Vor 40 Jahren haben die Verbände zu politischen Themen einfach geschwiegen. 2018 geht das nicht mehr, die Gesellschaft entwickelt Druck. Und die Vorlaufzeit, sich auf eine Weltmeisterschaft in Russland einzustellen, war lang genug. Im Dezember 2010 hatte der Fußball-Weltverband Fifa gleich zwei Turniere auf einmal vergeben. 2018 nach Russland, 2022 an Katar. Von dem Moment an, als der damalige Fifa-Präsident Sepp Blatter die Zettelchen aus dem Umschlag zog, war klar, dass auf den Sport etwas zukommen würde. Die Kommentare zu Russland – damals waren sie noch milde. Motto: Okay, die sind ja auch mal dran. Doch seitdem geschah zu vieles: Annektion der Krim, fragwürdige Gerichtsprozesse, Präsident Wladimir Putin mit immer autokratischeren Zügen.

Reinhard Grindel ist seit zwei Jahren DFB-Präsident. Er passt zu der Herausforderung des Amtes besser als sein Vorgänger Wolfgang Niersbach, der als junger Sportjournalist zum Verband gekommen und vor allem Fußballfan war. Grindel war früher Journalist, für das ZDF leitete er die Büros in Brüssel und Berlin. Er fand er den Zugang zur Politik, wurde für die CDU in den Bundestag gewählt. Im August 2016 gab er sein Abgeordnetenmandat ab – und gefällt sich nun als inoffizieller Außenminister.

Grindels Botschaft

Während des Confederations Cups 2017 punktete er bei den Russen mit einer Kranzniederlegung auf einem Friedhof in Kasan, und im Mai 2018 initiierte Grindel eine Reise nach Wolgograd, das im Krieg Stalingrad hieß und mit deutschen Kriegsverbrechen assoziiert wird. Am 8. Mai spielten die U18-Jugendnationalmannschaften von Russland und Deutschland gegeneinander. Grindel sagt: „Das ist das Alter, 18, 19, in dem damals die Soldaten waren, die sterben mussten.“ Seine Botschaft lautet: Fußball bringt die Menschen zusammen, darum fahren wir hin und kommen nicht irgendwelchen Boykott-Forderungen nach.

Doch wo bleiben die kritischen Töne zum aktuellen Russland? Grindel traf sich vor über einem Jahr zu Gesprächen mit „Amnesty International“ und „Reporter ohne Grenzen“. Doch dass der DFB-Präsident in Russland mit Oppositionellen zusammengetroffen wäre, ist nicht bekannt.

Worum es geht

Es geht darum – das ist offensichtlich – die Russen nicht zu verärgern und beim Europäischen Fußballverband Uefa nicht als renitenter Geist dazustehen. Denn im September entscheidet sich, ob Deutschland die Europameisterschaft 2024 ausrichten darf. Für den DFB wäre das ein Meilenstein-Projekt – als Einnahmequelle und um die nächste Generation zu motivieren, in die Vereine zu gehen. Doch es gibt einen starken Mitbewerber: die Türkei. Der DFB will sich in alle Richtungen diplomatisch verhalten. Und in Russland lieber nicht anecken.

Die Nationalmannschaft setzt auf ein PR-Konzept, das sich in Brasilien 2014 bewährt hat: dosierter Kontakt zur Bevölkerung. Mal aus dem Quartier rausgehen, ein Selfie mit Einheimischen machen lassen. „Wir haben die Russen beim Confed-Cup als sehr herzlich kennengelernt“, sagt Bundestrainer Löw.

Grindel sieht die Mannschaft auf einer Mission. „In russischen Medien wird ein kritisches Bild vom Westen gezeichnet. Wir wollen den Russen zeigen, dass wir ganz anders sind, als das dargestellt wird.“

Doch welches Bild werden umgekehrt die Deutschen von diesem Russland bekommen? Man weiß es nicht. Genauso wenig, wie man weiß, wer am 15. Juli im Moskauer Luschniki-Stadion Weltmeister werden wird. Und ob das die Welt noch so fesselt wie die Entscheidung vor vier Jahren.

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