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Krawalle bis zum Schluss: Der Gewaltschock von Hamburg

Vom G 20-Gipfel werden vor allem Bilder brennender Barrikaden bleiben. Die politischen Ergebnisse sind dagegen bescheiden. Lohnen sich solche Treffen der Mächtigsten der Welt überhaupt noch?
Chaos in Hamburg: Gewaltsame Proteste überschatten in der Hansestadt den G20-Gipfel. Zerstörte Fahrräder, brennende Mülltonnen und Fahrzeuge, Steine und Trümmer liegen auf der Straße, Fensterscheiben wurden eingeschlagen, Supermärkte geplündert. Unsere Bilderstrecke zeigt Szenen der Verwüstung. Foto: imago Chaos in Hamburg: Gewaltsame Proteste überschatten in der Hansestadt den G20-Gipfel. Zerstörte Fahrräder, brennende Mülltonnen und Fahrzeuge, Steine und Trümmer liegen auf der Straße, Fensterscheiben wurden eingeschlagen, Supermärkte geplündert. Unsere Bilderstrecke zeigt Szenen der Verwüstung.
Hamburg. 

Nach den schweren Krawallen beim G 20-Gipfel in Hamburg ist eine heftige Diskussion über Verantwortung und Konsequenzen ausgebrochen. Die Hamburger CDU forderte am Sonntag den Rücktritt von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), weil er die Sicherheitslage „eklatant falsch eingeschätzt“ habe. Aber auch die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für den Gipfelort Hamburg und der Sinn solch aufwendiger Spitzentreffen wurden in Frage gestellt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verteidigte beides: „Ein demokratisch gefestigtes Land wie Deutschland sollte auch das Selbstbewusstsein haben und sagen: Jawohl, solche Konferenzen müssen nicht nur sein, sondern wenn sie sein müssen, dann können sie auch bei uns stattfinden.“

Hamburg war wegen der schlimmsten Krawalle in Deutschland seit Jahrzehnten drei Tage und drei Nächte im Ausnahmezustand. Politiker sprachen von „Terror“ und „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“.

Die Straßenkämpfe mit Hunderten Verletzten und rund 500 Festnahmen begannen mit der Ankunft der mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt am Donnerstag und hielten auch noch nach ihrer Abreise in der Nacht zu Sonntag an. Politiker von CDU und FDP forderten angesichts der Krawalle ein verschärftes Vorgehen gegen Linksextremisten.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte der „Bild am Sonntag“, es müsse stärker gegen linksextreme Einrichtungen wie die Rote Flora vorgegangen werden. FDP-Chef Christian Lindner forderte, „dass die linksextreme Szene viel stärker vom Verfassungsschutz in den Blick genommen wird“. Das CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn äußerte sich ähnlich: Der Linksextremismus werde „in Deutschland seit Jahren verharmlost“.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte: „Deutschlands Bild in der internationalen Öffentlichkeit wird durch die Ereignisse in Hamburg schwer in Mitleidenschaft gezogen.“ Alle angeblichen politischen Motive seien nur ein Deckmantel, während es den Tätern nur um Gewalt an sich gegangen sei, schrieb Gabriel in der „Bild am Sonntag“. Und: „Die Täter unterscheiden sich überhaupt nicht von Neonazis und deren Brandanschlägen. Mit angeblich „linken Motiven“ hat das alles nichts zu tun.“

400 Menschen festgesetzt

Nach Angaben der Polizei sind 476 Beamte verletzt worden. Es seien 186 Menschen fest- und 225 Menschen in Gewahrsam genommen worden. Von den Festgenommenen stammten 132 aus Deutschland, acht aus Frankreich und sieben aus Italien.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) verurteilte die Angriffe scharf. „Diese blinde Zerstörungswut gegenüber Eigentum der Hamburger Bürger und Brutalität gegenüber den Einsatzkräften ist erschütternd.“

Bürgermeister Scholz räumte ein, dass es nicht gelungen sei, so für die Sicherheit zu sorgen, wie man sich das vorgestellt habe. Er sagte: „Das erschreckt jeden, mich auch. Das bedrückt jeden, mich auch.“

Vor dem Gipfel hatte Scholz die Risiken des Gipfels noch mit dem jährlichen Hamburger Hafengeburtstag verglichen. Das harte Durchgreifen der Polizei verteidigte der Bürgermeister und sprach von einem „heldenhaften“ Einsatz. Für die Randalierer forderte er „erhebliche Strafen“.

Kanzlerin Merkel versprach den Opfern eine Entschädigung. Laut Scholz sollen darüber zwischen Bund und Land „in ganz kurzer Zeit“ Vereinbarungen getroffen werden.

Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht forderte eine Abschaffung der G 20-Gipfel. „Im Grunde kann die Lehre nur sein, in Zukunft auf solche Show-Veranstaltungen, die sinnlos Steuergeld verschlingen und keine Ergebnisse bringen, ganz zu verzichten“, sagte sie. dpa/afp Seiten 2 und 3

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