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CSU: Der Kampf um die Macht in der CSU geht weiter

Von Wer folgt Horst Seehofer nach – und vor allem: wann? Vor lauter Führungsstreit und Machtkampf hat die CSU schon fast gar keine Zeit mehr, sich um Politik zu kümmern. Und nun ist die Entscheidung noch einmal vertagt.
Nach dem Aus für Jamaika und wochenlangen parteiinternen Machtkämpfen will Seehofer seine Zukunftspläne bekanntgeben. Foto: Sven Hoppe Nach dem Aus für Jamaika und wochenlangen parteiinternen Machtkämpfen will Seehofer seine Zukunftspläne bekanntgeben.
München/Berlin. 

Selbst Günther Beckstein kann irren. Dabei kennt der Mann nicht bloß seine Partei, die CSU, in- und auswendig. Er ist außerdem inzwischen auch altersweise. Gewitzt, ja sogar ein wenig schlitzohrig, ist er schon immer gewesen, wenn er das auch als Innenminister sehr gut zu verbergen gewusst hat. Nur logisch also, am Morgen des angeblich entscheidenden Tags Günther Beckstein, den einstigen Ministerpräsidenten, zu fragen, was denn nun Horst Seehofer, sein Nachfolger, vorschlagen wird bezüglich der künftigen Spitzenämter in der CSU und im von ihr dauerregierten Bayern.

Söder in den Startlöchern

Auch wenn es gestern noch keinen Beschluss in der CSU gab: Für den bayerischen Finanzminister Markus Söder hat sich die Tür in die bayerische Staatskanzlei ein Stück weit geöffnet.

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Er sei überzeugt, lautet die Antwort, dass Seehofer seine Entscheidung im letztmöglichen Moment treffe. „Er wird“, sagt Beckstein, und falls er scherzt, dann weiß er es brillant zu tarnen, „er wird es sich heute früh beim Frühstück überlegen“.

Vorstellbar ist das. In Bayern fallen beim Kaffee an häuslichen Küchentischen ja gern historische Entscheidungen; man kann Angela Merkel fragen oder auch Edmund Stoiber. Nicht vorstellbar ist Donnerstagmorgen, was Seehofer sich überlegt. Weil so vieles vorstellbar ist.

Manches im Streit um die Macht unter den Christsozialen allerdings überfordert die blühendste Fantasie. Wie etwa die Söderisten dieser Tage über Wirtschaftsministerin Ilse Aigner herfielen, als die sich nach zwei Monaten in die Kampfzone begab, die bis dahin ausschließlich von Seehofer und eben dessen Finanzminister und Lieblingsfeind Markus Söder beherrscht worden war. Dass Aigner nun vorschlug, über den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 doch die Mitglieder entscheiden zu lassen, ächtete ihr Ministerkollege aus dem Bildungsressort, Ludwig Spaenle, als „Lehrbeispiel für politisches Leichtmatrosentum“ – eine Gemeinheit, die einst Stoiber für Guido Westerwelle erfunden hatte. Florian Herrmann, Mitglied des Fraktionsvorstands, ätzte, es könnten „nicht irgendwelche Möchtegerns“ Ministerpräsident werden.

Überaus nervös

Selbst wer nur das weiß und dazu, dass Seehofer und Söder tiefgründigste Abneigung verbindet, muss für die Fraktionssitzung, in der die Quintessenz der Frühstücksüberlegungen erwartet wird, eine Art Fegefeuer-Training erwarten, mindestens.

Es geht aber dann „ganz freundschaftlich und kollegial“ zu. Behauptet hernach Generalsekretär Andreas Scheuer. Fraktionschef Thomas Kreuzer berichtet gar von „einem großen Gemeinschaftsgeist“. Falls der wirklich zu Gast war, ist das die Personalie des Tages. Die nämlich, auf die alle warten, entfallen. Komplett.

„Er könnte“, berichtet Kreuzer und meint Seehofer, „selbst wenn er wollte, keinen Vorschlag machen.“ Und versichert mehrfach: „Über Namen und Personen wurde nicht gesprochen.“

Was die Sitzung betrifft – wer weiß. Draußen sorgt der Bayerische Rundfunk (BR), notorisch als CSU-nah, mit einer Eilmeldung für Aufregung. Seehofer wolle Söder das Ministerpräsidenten-Amt überlassen, aber Parteichef bleiben. Dass die CSU binnen elf Minuten mit einem offiziellen Dementi reagiert und Scheuer später mit einem mindestens sehr unwirschen „Fake-News“, bestätigt immerhin ausgeprägte Nervosität.

Der Zorn ist verständlich. Denn spannender als die Frage, wie dem BR das passieren konnte, sind ja ganz andere: Wer hat ihm die Falschmeldung zugespielt? Hoffte da jemand, mit einem Überraschungscoup Fakten zu schaffen? Oder wenigstens das christsoziale Tohuwabohu noch ein wenig offensichtlicher und Seehofer, der ja immer noch der Chef ist von allem, lächerlich zu machen, ein bisschen wenigstens?

Barbara-Tag

Selbstverständlich gibt es keine Antworten. Nicht einmal wird erklärt, weshalb Seehofer vor der Sitzung versprach „Heute Abend wird alles klar sein“ – und dann auch nach der Parteivorstandssitzung gestern Abend alles nebulöser ist denn je.

Seehofer wolle, teilt Kreuzer mit, „in den nächsten Tagen mit allen Beteiligten Gespräche führen“, sogar mit Söder, „und wird am Ende einen entsprechenden Vorschlag machen“. „Am Ende“ ist konkret der 4. Dezember. Barbara-Tag. Die Heilige gehört zu den vierzehn Nothelfern.

Man wüsste gern, ob die Christsozialen das bedacht haben. Und was Horst Seehofer so frühstückt.

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