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Deutsches Naturbewusstsein: Sorge ums Meer und gute Vorsätze

Müll am Strand, Müll im Wasser, Müll im Bauch von Walen. Die Verschmutzung der Weltmeere insbesondere mit Plastik treibt längst nicht mehr nur Umweltschützer um. Aber sind die Deutschen auch bereit, zu handeln?
Auf der Suche nach Wiederverwertbarem im massiv verschmutzten Hafenbecken von Karatschi. Die Deutschen sorgen sich um die Vermüllung der Meere. Bilder > Foto: Fareed Khan/AP Auf der Suche nach Wiederverwertbarem im massiv verschmutzten Hafenbecken von Karatschi. Die Deutschen sorgen sich um die Vermüllung der Meere.
Berlin. 

Es gibt viele Gründe, sich Sorgen um die Weltmeere zu machen: Korallenriffe sterben ab, Fischer fangen zu viel Fisch, Abwasser und Dünger verschmutzen das Wasser. Aber kein Umweltproblem der Meere treibt die Deutschen so um wie der Plastikmüll.

So gut wie jeder Deutsche - 96 Prozent - sieht in tonnenweise Wasserflaschen, Tüten und was sonst im Wasser treibt ein Problem, 78 Prozent sogar ein „sehr großes”. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) begrüßte das am Freitag, als sie die neue Studie zum Naturbewusstsein der Bundesbürger vorstellte: Das sei mal ein „Randthema” gewesen, jetzt gebe es Aufmerksamkeit.

Kein Wunder: Bilder gewaltiger Plastik-Strudel, zugemüllter Strände, von Fischen, Vögeln und Säugern, die am Müll sterben, schockieren die Menschen. Als Symbol für den schlechten Zustand der Meere hätten diese Fotos den ölverschmierten Seevogel abgelöst, sagte Schulze. Schon 2050 könnte in den Ozeanen Schätzungen zufolge mehr Plastik treiben, als Fische darin schwimmen, warnten die Vereinten Nationen kürzlich.

Zwar gehe es kaum um deutschen Plastikmüll, hierzulande werde gesammelt, räumte Schulze ein. „Aber als starke Industrienation haben wir natürlich eine Verantwortung, denn viele Entwicklungsländer orientieren sich an dem, wie wir konsumieren.” Es brauche einen kritischeren Umgang mit Verpackungen und ein europaweites Verbot von Mikroplastik zum Beispiel in Kosmetik.

Kein deutsches Verbot? Schulze verwies auf einen „Branchendialog”, den ihre Vorgängerin Barabara Hendricks (SPD) geführt habe. Es sei ganz zentral, das auf europäischer Ebene zu verbieten. Auch in der Debatte um ein Verbot von Plastik-Einweg-Artikel, etwa Strohhalme oder Teller, sage sie „Vorsicht an der Bahnsteigkante”: Niemandem sei geholfen, wenn ein Plastik- durch einen Aluteller ersetzt werde.

Die winzigen Plastikpartikel seien ein noch größeres Problem als die größeren Kunststoffteile, sagte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Beate Jessel. Sie bekämen aber weniger Aufmerksamkeit, weil man sie eben nicht sehe. „Da können wir auch alle etwas tun”, fügte sie hinzu, etwa indem man Kosmetika vermeide, die Mikroplastik enthielten.

Meeresschutzgebieten stehen die Deutschen positiv gegenüber. 93 Prozent finden „voll und ganz” oder „eher”, es solle mehr davon gegen. 90 Prozent sind der Meinung, dass dort nicht gefischt werden sollte. 83 Prozent wollen strengere Gesetze für Fischer, auch wenn die Fische dann teurer werden. Und zwei von drei Deutschen (66 Prozent) sagen von sich, dass sie beim Essen von Meeresfischen „voll und ganz” oder „eher” darauf achteten, keine bedrohte Art auf dem Teller zu haben.

Ist das glaubwürdig? „Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, was man äußert in solchen Umfragen, und dem, wie man dann tatsächlich handelt”, sagte Ministerin Schulze dazu. Menschen geben „gewünschte Antworten”. Sie verwies darauf, dass sozial gehobene Schichten zwar ein ausgeprägteres Umweltbewusstsein hätten, gleichzeitig aber auch aufgrund ihres Konsum- und Lebensstils einen größeren „ökologischen Fußbadruck”, sie belasteten die Natur also stärker.

Jessel vom Bundesamt für Naturschutz macht noch etwas anderes Sorgen: Die jüngste Gruppe der Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahre sei im Schnitt deutlich weniger für den Naturschutz sensibilisiert als ältere Menschen. Sie sprach von einem „Generationenbruch”, dem Naturschützer entgegenwirken müssten. Eine weitere Studie zum Naturbewusstsein sei in Planung, darin solle es um junge Leute gehen.

(Von Teresa Dapp, dpa)
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