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Schadstoffbelastung in Limburg: Dicke Luft an der Lahn

Von Die Luft in Limburg ist durch den starken Lkw-Verkehr und die ungünstige Lage im Lahntal so schlecht, dass dringend etwas passieren muss, um die EU-Grenzwerte beim Stickstoffdioxid einzuhalten. Besonders umstritten ist eine geplante Lkw-Umleitung mitten durch die Stadt.
Lkw sollen von der Diezer Straße in Limburg (Bild) auf eine andere Strecke umgelenkt werden – mitten durch die Stadt. Und damit weg von der Messstation, die so verheerende Luftwerte liefert. Foto (Archiv): Johannes Laubach Lkw sollen von der Diezer Straße in Limburg (Bild) auf eine andere Strecke umgelenkt werden – mitten durch die Stadt. Und damit weg von der Messstation, die so verheerende Luftwerte liefert. Foto (Archiv): Johannes Laubach
Limburg. 

Limburg ist mit seinen gut 34 000 Einwohnern bekannt durch seinen Dom auf einem mächtigen Felsen und einer pittoresken Altstadt, die zahlreiche Tagestouristen anlockt. Mit Begeisterung lauschen sie den Geschichten der Stadtführer. Zum Beispiel über einen legendären Raubritter, den die Limburger im Mittelalter zu ihrem Stadthauptmann wählten, um endlich ihre Ruhe vor diesem Räuber zu haben. Aber auch der starke Ritter Friedrich von Hattstein wäre im Augenblick machtlos angesichts eines Problems, das Limburg schon seit Jahren umtreibt: Die Stadt hat ein massives Luftproblem.

Das Atemgift Stickstoffdioxid, das überwiegend durch Dieselabgase entsteht, macht Limburg zu einem Umwelt-Sorgenkind, für das die Stadt eher wenig kann. Limburg liegt im Tal, was den Luftaustausch erschwert, und die Lage an der Lahn sorgt dafür, dass die Stadt einem Nadelöhr gleicht. Der Lkw-Verkehr aus Rheinland-Pfalz quält sich mitten durch die Stadt zur wirtschaftlichen Lebensader, die Autobahn 3, Richtung Frankfurt und Köln.

Das Luftproblem ist inzwischen so ernst, dass das Verwaltungsgericht Wiesbaden aufgrund einer Klage der Deutschen Umwelthilfe eine klare Botschaft für die Politik hat: Angesichts der schlechten Luftqualität muss in Limburg zum Wohl der Gesundheit gehandelt werden. Und zwar unverzüglich.

Deshalb gibt es einen Luftreinhalteplan, den das Umweltministerium in Wiesbaden zusammen mit der Stadt erarbeitet und regelmäßig anpasst. Der Plan hat nur ein Ziel: Limburg soll möglichst schnell die Grenzwerte beim Stickstoffdioxid einhalten.

Lkw-Umleitung umstritten

Das Umweltministerium ist dabei weisungsbefugt und kann notfalls gegen den Willen der Stadt handeln. Die Messstation an der Schiede, das ist eine vierspurige Bundesstraße mitten durch Limburg, kommt auf eine Gesamtbelastung beim Stickstoffdioxid von 60,1 Mikrogramm – zulässig sind maximal 40 Mikrogramm. Schon seit sieben Jahren wird dieser Grenzwert nicht eingehalten.

Die einfachste und effektivste Lösung wären Dieselfahrverbote. Dafür fehlt nach Aussage des Umweltministeriums in Wiesbaden „aber explizit die Rechtsgrundlage seitens des Bundes“. Vom Dieselgipfel in Berlin kehrte Limburgs Bürgermeister Marius Hahn (SPD) gestern mit der Erkenntnis zurück, dass Dieselfahrverbote vermieden werden sollen, „was in meinem Sinne ist“. Es sei denn, Autofahrer, die sich für einen steuerbegünstigten Diesel entschieden haben, würden finanziell entschädigt.

Hahn will trotzdem mit gutem Beispiel vorangehen und den von seinem Vorgänger übernommenen Dienstwagen (ein Dieselauto von Mercedes) gegen einen VW Passat Hybrid austauschen; auf kurzen Strecken kann der Kombi innerhalb der Stadt elektrisch betrieben werden, auf der Langstrecke verbraucht er dann Super-Benzin.

Wie verzwickt die Lage in Limburg ist, zeigt eine geplante Maßnahme im Entwurf zum Luftreinhalteplan, die für Aufregung sorgt und schon vom 1. Oktober an gelten soll: eine Lkw-Umleitung mitten durch die Stadt. Vorbei an Wohnhäusern, Altenheimen, Schulen und Kindergärten sollen die Fahrer so die Kreuzung meiden, an der die Messstation die 60,1 Mikrogramm anzeigt. Zwar würden die Anwohner an der Umleitungsstrecke belastet – die Grenzwerte würden allerdings noch eingehalten, versichert das Umweltministerium.

Bürgerbegehren

Aber selbst dieser drastische Eingriff in die Verkehrsführung, den die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Hahn und dem Ersten Stadtrat Michael Stanke (CDU) vehement ablehnt, führt nach den Berechnungen des Umweltministeriums nur zu einer Reduzierung des Atemgifts um 1,3 bis 2,7 Mikrogramm. Diese verbesserten Werte könnten auf „bis zu“ vier Mikrogramm ansteigen durch weitere vorgeschlagene Eingriffe in den Verkehr wie eine Umweltzone ebenfalls zum 1. Oktober, eine verbesserte Ampelschaltung (bereits umgesetzt) und Hinweisschilder, damit Auto- und Lkw-Fahrer Limburg über die Autobahn umfahren. Dann wäre Limburg aber immer noch meilenweit entfernt von besserer Luft.

Sogar die 50 Parkplätze auf dem Neumarkt – Limburgs größter Platz zwischen Altstadt und Fußgängerzone – haben es in den Entwurf zum Luftreinhalteplan geschafft. Das hat sogar Konsequenzen für die Demokratie: Mitte August übergaben die Initiatoren eines Bürgerbegehrens – überwiegend Einzelhändler – die Unterschriften von Bürgern, die die Parkplätze behalten wollen. Das könnte im ersten Quartal 2018 zu einem Bürgerentscheid führen.

Nach einem Beschluss der Stadtverordneten sollen die Parkplätze zum 1. Oktober wegfallen. Aber selbst wenn eine Mehrheit der Limburger (mindestens 25 Prozent aller Wahlberechtigten) für die Parkplätze stimmt – wegen des Luftreinhalteplans müssten die Stadtverordneten das Umweltministerium formell bitten, einen parkfreien Neumarkt aus dem Luftreinhalteplan zu streichen. Und eine Alternative, die zur Luftverbesserung beiträgt, müsste auch gefunden werden.

Frankfurt

In Frankfurt werden nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die Messwerte für Stickstoffdioxid an der Friedberger Landstraße und in Höchst nicht eingehalten.

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Darmstadt

Auch die schmutzige Luft in Darmstadt beschäftigt diverse Gerichte. Die erste Klage wegen Überschreitung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid reichte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bereits im Februar 2012 ein.

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Wiesbaden

An den beiden Wiesbadener Messstationen Ringkirche und Schiersteiner Straße sind die Messwerte für Stickstoffdioxid zu hoch. Auch das hessische Umweltministerium spricht davon, dass in Hessen an

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Offenbach

Die Offenbacher leiden seit vielen Jahren unter zu hohen Stickoxidwerten, der Grenzwert wird nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) an allen verkehrsnahen Messstationen seit Jahren überschritten.

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