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Bundestag: Die AfD findet keine Mitarbeiter

Von Da Union und SPD bei der Bundestagswahl Verluste erlitten, verloren viele Abgeordnete und Referenten ihren Job. Bei der AfD sind viele Stellen frei. Doch wer will dorthin?
Symbolfoto Foto: INA FASSBENDER (AFP) Symbolfoto
Frankfurt/Berlin. 

Am 24. September zog die AfD mit 12,6 Prozent der Wählerstimmen und viel Aufsehen erstmals in den Bundestag ein. Die Rechtspopulisten galten deshalb als großer Gewinner der Wahl. Die AfD stellt jetzt 92 Abgeordnete. Fast alle sind neu im parlamentarischen Betrieb. Und viele haben ein Problem: Sie suchen händeringend qualifizierte Mitarbeiter. Doch obwohl gerade die CDU und SPD viele Abgeordnete und damit auch Arbeitsplätze für Referenten verloren haben, scheuen viele Mitarbeiter den Gang zur AfD.

„Viele interessante Bewerber haben Angst, für die AfD zu arbeiten, weil sie berufliche Diskriminierungen und Nachteile beim beruflichen Fortkommen fürchten“, sagt der AfD-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Frankfurter Stadtkämmerer Albrecht Glaser, der seinen „Laden noch nicht voll“ hat. Das heißt ihm fehlen für sein Büro noch Mitarbeiter. In der Fraktion seien noch 60 bis 80 Arbeitsplätze frei.

Tausende demonstrieren gegen AfD-Parteitag

Wegen des Bundesparteitags der AfD an diesem Wochenende in Hannover rechnet die Polizei mit Verkehrsbehinderungen durch Demonstrationen und Kundgebungen mit mehreren tausend Teilnehmern.

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Der Gießener Parteienforscher Eike-Christian Hornig kann Glasers Vorwurf der Diskriminierung von AfD-Mitarbeitern nicht ernst nehmen. Viel mehr passe das in die Rhetorik der Selbststigmatisierung der Partei als politischer Outlaw.

Andererseits ist aber auch klar, dass die Arbeit für einen Abgeordneten kein neutraler Job ist. Die Referenten müssen den Politiker und dessen Fraktion inhaltlich unterstützen und sich dafür natürlich in die entsprechende Welt einfühlen. Eine Rückkehr von der AfD zu Union, SPD oder FDP könnte da sehr viel schwieriger werden als der fast natürliche Wechsel beispielsweise von der Union zur FDP oder von der SPD zu den Grünen und umgekehrt.

Rückkehr wäre kompliziert

Für die wissenschaftliche Mitarbeiterin einer SPD-Bundestagsabgeordneten aus der Region wäre ein Engagement für die AfD unvorstellbar. „Ich lehne die Politik dieser Partei ab, ich würde nicht für sie arbeiten, auch wenn ich arbeitslos würde“, erzählt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Nicht die Angst vor Diskriminierung ist schuld, dass die AfD-Abgeordneten Schwierigkeiten haben, Mitarbeiter zu finden, sondern die Politik der Partei. Mit dieser können sich sehr viele Kollegen nicht identifizieren“, sagt die Frau.

Nach ihrer Einschätzung müssten derzeit durchaus viele ihrer Kollegen auf Jobsuche sein. Da rund 110 Abgeordnete von Union und SPD ihre Mandate verloren haben und jeder Abgeordnete etwa fünf Mitarbeiter beschäftige, sei davon auszugehen, dass derzeit 550 Kollegen auf der Straße stehen. Und die könnten ja nicht alle bei der FDP „landen“, die mit 80 Abgeordneten ebenfalls neu ins Parlament eingezogen sei.

Keiner wird gezwungen

Eine Anfrage beim Arbeitsamt ergab übrigens, dass kein arbeitsloser Referent „gezwungen“ werden könne, bei der AfD anzuheuern. Aber es soll durchaus vereinzelt ehemalige Mitarbeiter von CDU, SPD, Linke und FDP geben, die freiwillig diesen Schritt gegangen sind. Aber es sind eben nicht genügend, um alle AfD-Arbeitsplätze zu besetzen. Dafür reichen auch die immerhin 80 Blindbewerbungen nicht, die laut „Süddeutscher Zeitung“ bei der Fraktion eingegangen sind.

Bis auf weiteres heißt es bei der AfD daher noch: „Mitarbeiter, verzweifelt gesucht“. Für die Stellenausschreibung wird auch das schwarze Brett im Intranet des Bundestages genutzt. Unter der Überschrift „AfD-Fraktion sucht Mitarbeiter“ fordert der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Bernd Baumann – zwischen Angeboten für Tritthocker, Trenchcoats, Kaffeemaschinen und Zeitschriften Interessenten zur Bewerbung auf.

Gerangel um Top-Posten

Unterdessen bahnt sich für den AfD-Parteitag am Wochenende ein Gerangel um die Spitzenjobs der Partei an. Der Berliner Landeschef Georg Pazderski will sich um den Bundesvorsitz bewerben. Dagegen soll AfD-Fraktionschef Alexander Gauland eine Kampfkandidatur planen. Im Falle seiner Wahl wolle Gauland mit dem bisherigen AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen eine Doppelspitze bilden, berichtet die „Bild“-Zeitung (Freitagausgabe). Die Entscheidung Gaulands soll nach einem „Geheimtreffen wichtiger Vertreter der AfD-Rechten gefallen sein. Bei dem Treffen sei erörtert worden, wie der vom rechten Parteiflügel als zu liberal abgelehnte Kandidat Pazderski gestoppt werden könne. Den Ausschlag soll das Argument gegeben haben, dass es nur der AfD-intern hoch angesehene Gauland vermöge, Pazderski zu schlagen.

(Mit Material von dpa)

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