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Katholikentag in Münster: Die Kirche wird politischer

Die katholische Kirche in Deutschland steht nicht nur angesichts des öffentlich ausgetragenen Kommunionsstreits unter den Bischöfen in der Kritik. Der Katholikentag in Münster bietet nun immerhin breiten Raum für kritische Debatten – auch mit einem AfD-Politiker.
Kardinal Rainer Maria Woelki (m), Erzbischof von Köln, nimmt an dem Hauptgottesdienst des Katholikentages auf dem Schlossplatz teil. Foto: Guido Kirchner (dpa) Kardinal Rainer Maria Woelki (m), Erzbischof von Köln, nimmt an dem Hauptgottesdienst des Katholikentages auf dem Schlossplatz teil.
Münster. 

Trotz des schwelenden Kommunionsstreits unter den deutschen Bischöfen wertet die katholische Kirche den Katholikentag in Münster als Erfolg und erhofft sich eine Image-Aufbesserung. Beim fünftägigen Laientreffen mit rund 90 000 Besuchern sei deutlich geworden, dass die Kirche in der Öffentlichkeit „präsent“ sei und sich mit den Themen, „die die ganze Welt“ bewegten, beschäftige, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Dies sei nicht nur innerkirchlich eine wichtige Botschaft, sondern auch ein „Zeichen nach draußen“. Der Katholikentag habe „einen Raum für einen differenzierten Dialog“ geboten, „der kaum mehr in unserer Gesellschaft zu finden ist“.

Nach mehr als 1000 Veranstaltungen zu den verschiedensten Themen ging der 101. Katholikentag gestern mit einem Festgottesdienst am Münsteraner Schlossplatz zu Ende. Die Zusammenkunft stand nicht nur im Zeichen innerkirchlicher Konflikte, sondern war nach dem Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran auch politisch aufgeladen. Das Katholikentagsmotto „Suche Frieden“ bekam auf diese Weise einen ganz aktuellen Aufhänger.

Nächster Katholikentag erst 2022

Nach dem 101. deutschen Katholikentag in Münster müssen die Gläubigen ungewöhnlich lange auf das 102. Laientreffen warten – nämlich bis 2022.

clearing

Durch lebhafte und kritische Debatten habe der Katholikentag einen Kontrapunkt nach zuletzt etlichen Negativschlagzeilen über die Kirche gesetzt, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. „Er hat das frische und aufgeweckte Gesicht der Kirche gezeigt, herausgestellt, welche Potenziale in ihr stecken, jenseits von Finanzskandalen und Missbrauchsfällen.“ Die Besucher seien „keine verschüchterten Schafe“ gewesen, es habe sich um ein „selbstbewusstes Gottesvolk“ gehandelt.

Die einzige Podiumsdiskussion mit einem AfD-Politiker lief am Samstag teilweise aus dem Ruder. Bereits bei der Vorstellung des AfD-Bundestagsabgeordneten Volker Münz durch einen Einspielfilm rannten Aktivisten in der Messehalle zur Bühne und hielten ein Plakat hoch mit der Aufschrift „Suche Frieden – nicht die AfD – für eine antifaschistische Kirche“. Auch später herrschte eine äußerst angespannte Atmosphäre, immer wieder wurden die Politiker oder der Moderator von Zwischenrufen unterbrochen. Vertreter von Union, SPD, Grünen, Linken und FDP arbeiteten sich größtenteils an AfD-Positionen und Münz ab, der mit Aussagen sowohl lautstarke Ablehnung als auch Zustimmung aus Teilen des Publikums erntete.

Unterschiedliche Regelung?

Im Streit um die Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion in katholischen Gottesdiensten könnte es darauf hinauslaufen, dass Bistümer künftig eine unterschiedliche Praxis dazu handhaben. Auf die Frage, ob eine Regelung vorstellbar sei, die nicht in allen Bistümern gelte, antwortete Marx: „Ja, das ist ja jetzt schon der Fall. Wir können ja als Bischofskonferenz keine gesetzgebenden Maßnahmen ergreifen für die einzelnen Bistümer.“ Gesetzgeber eines Bistums sei immer der einzelne Bischof. Natürlich wolle man aber möglichst große Einmütigkeit erreichen, betonte Marx. In seiner Predigt im Abschlussgottesdienst rief er zur Beilegung des Streits auf.

Die Bischofskonferenz hatte unter Leitung des reformorientierten Marx im Februar mit Dreiviertel-Mehrheit dafür gestimmt, protestantische Ehepartner in Einzelfällen zur Kommunion zuzulassen. Dagegen intervenierten sieben konservative Bischöfe um den Kölner Kardinal Woelki beim Vatikan. Papst Franziskus rief die deutschen Bischöfe daraufhin auf, „eine möglichst einmütige Regelung zu finden“.

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ befand, der Katholikentag habe den immer drängender werdenden innerkirchlichen und weltpolitischen Handlungsbedarf „in vielen Aspekten überdeutlich“ aufgezeigt. „Kirchenleitung wie Kirchenvolk müssen in der höchst gefährlichen Weltlage und angesichts der innerkirchlichen Notlagen endlich den Mut haben, die Reformimpulse von Papst Franziskus aufzugreifen und umzusetzen“, sagte „Wir sind Kirche“-Sprecher Christian Weisner. Der weiter ungelöste Kommunionsstreit allerdings sei „kein gutes Beispiel für die Suche nach Frieden“.

(dpa)

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