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Johannes Rau war ein Meister darin, Wähler zum Nichtwählen zu bewegen: Die andere Meinung: Die Kunst des Wahlkampfs

Von Ist die „asymmetrische Demobilisierung“, die die SPD Angela Merkels Union vorwirft, eine Erfindung der Konservativen? Mit Verlaub: Nein.
Mit Slogans wie „Versöhnen statt spalten“ gewann Johannes Rau in Nordrhein-Westfalen Wahlen – dadurch, dass die Wähler der anderen zu Hause blieben. Foto: Franz Peter Tschauner (dpa) Mit Slogans wie „Versöhnen statt spalten“ gewann Johannes Rau in Nordrhein-Westfalen Wahlen – dadurch, dass die Wähler der anderen zu Hause blieben.

Martin Schulz, der Kanzlerkandidat der SPD, hat auf dem Programmparteitag seiner Partei Angela Merkel vorgeworfen, sie habe durch die von ihr bei den letzten beiden Bundestagswahlen 2009 und 2013 praktizierte „asymmetrische Demobilisierung“ einen „Anschlag auf die Demokratie“ verübt. Und das „Leitmedium“ Spiegel pflichtet Schulz bei: Es sei ein „Skandal“, „dass Merkels Wahlkampfstrategie darauf abzielt, potenzielle Wähler der SPD so einzulullen, dass sie es nicht für nötig halten, wählen zu gehen“.

Alleine regiert

Doch ist diese Aufgeregtheit des SPD-Kanzlerkandidaten und des Spiegel überhaupt in irgendeiner Weise berechtigt und angemessen? Wer jemals einen Wahlkampf geplant, organisiert oder mitgemacht hat, weiß, dass eine „asymmetrische Demobilisierung“ – auch wenn dieser Begriff so nicht verwendet wird – zum Einmaleins jedes Wahlkampfs gehört, bei jeder Partei. Die Wahlstrategen der Parteien verwenden vor jeder Wahl sehr viel Überlegung (und Geld) auf die Aufgabe, die eigenen Anhänger zum Gang zur Wahlurne zu motivieren, ohne gleichzeitig die Anhänger der anderen Parteien damit auch zur Wahl zu verleiten. Angela Merkel hat die „asymmetrische Demobilisierung“ weder erfunden noch 2009 und 2013 zum ersten Mal praktiziert.

Jemand, der seine Wahlkämpfe mit dieser Strategie schon vor geraumer Zeit extrem erfolgreich geführt hat, war im Übrigen ein Sozialdemokrat – nämlich Johannes Rau. Zwar wurde der Begriff „asymmetrische Demobilisierung“ zu Raus Zeit noch nicht zur Charakterisierung von Wahlkämpfen mit dieser Strategie verwendet, doch schon bei seiner ersten Landtagswahl als frisch gewählter Ministerpräsident erhielt die SPD 1980 die absolute Mehrheit der Mandate und konnte zum ersten Mal seit der Gründung des Landes alleine an Rhein und Ruhr regieren. Entgegen der massiven Forderungen der schon damals der Realität weitgehend entrückten Wahlkampfplaner der SPD in Bonn führte Rau keinen thematischen und konfrontativen Wahlkampf gegen die CDU, sondern ließ schlicht plakatieren „Wählen gehen“. Und 1985 errang Johannes Rau mit 52,1 Prozent der gültigen Stimmen einen überwältigenden Wahlsieg (und damit zum ersten Mal die absolute Mehrheit auch der Stimmen, indem er seinen Wahlkampf getreu dem Motto „Versöhnen statt spalten“ ohne jedwede inhaltliche Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner führte.)

Große Popularität

Rau nutzte 1985 seine ungeheuer große Popularität (68 Prozent hätten sich damals für ihn, nur 22 Prozent für seinen Herausforderer Bernhard Worms als Ministerpräsidenten entschieden), um einen regelrechten „Rau-Sog“ zu entfalten. Damit mobilisierte er alle potenziellen SPD-Anhänger im Land und erreichte andererseits, dass sich viele CDU-Anhänger nicht an der Wahl beteiligten: Fast 1,6 Millionen der über 5 Millionen Wähler, die die CDU noch bei der Bundestagswahl 1983 gewählt hatten, blieben bei der Landtagswahl im Mai 1985 zu Hause.

Johannes Rau praktizierte bei seinen überaus erfolgreichen Wahlen 1980, 1985 und 1990 also das, was Martin Schulz und der Spiegel Angela Merkel heute vorwerfen. Sie blenden dabei aber auch aus, dass für die Mobilisierung der SPD-Anhänger immer noch die SPD und nicht Angela Merkel verantwortlich ist. Doch da hat die SPD in der Nach-Schröder-Ära 2009 und 2013 kläglich versagt. Die SPD selbst und ihre der Realität wie schon so oft bei vorangegangen Wahlen entrückten Wahlkampfstrategen haben es nicht vermocht, die vielen an sich vorhandenen potenziellen SPD-Anhänger zum Gang zur Wahlurne zu bewegen.

So wurden etwa von den 2013 vollmundig angekündigten 5 Millionen Hausbesuchen nur ganz wenige (die SPD verschweigt aus gutem Grund genaue Zahlen) durchgeführt. Und 2017 ist eine Mobilisierung des SPD-Anhängerpotentials dem Wahlkämpfer Martin Schulz bislang noch nicht gelungen. So brachte auch der SPD-Programmparteitag, der der Partei einen Mobilisierungsschwung bringen sollte, keine neuen Sympathien. Im Gegenteil: Der SPD-Sympathiewert sank von 25 auf aktuell 22 Prozent.

dfg f dgh tg

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