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Abgeschafft: "Echo"-Verleihung: Ein riesiger Scherbenhaufen

Notbremse nach dem Skandal: Mit der folgenreichen „Echo“-Vergabe an den als antisemitisch kritisierten Rap von Kollegah und Farid Bang ist die Glamour-Gala am Ende.
Dieser Auftritt vor zwei Wochen hat dazu geführt, die „Echo“-Preisverleihung abzuschaffen: die beiden umstrittenen Rapper Kollegah (links) und Farid Bang. Ihr Stück „0815“ enthält die Zeile: „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen.“ Foto: Jörg Carstensen (dpa) Dieser Auftritt vor zwei Wochen hat dazu geführt, die „Echo“-Preisverleihung abzuschaffen: die beiden umstrittenen Rapper Kollegah (links) und Farid Bang. Ihr Stück „0815“ enthält die Zeile: „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen.“
München. 

Es ist ein Totalschaden für die deutsche Musikindustrie: Auf Augenhöhe mit den weltweit bekannten Grammys aus den USA oder den ähnlich renommierten britischen Brit Awards stuften die Plattenfirmen des Bundesverbands Musikindustrie den „Echo“ bisher ein. Nun wird der wichtigste deutsche Musikpreis nach 26 Jahren eingestampft – die Folge des Antisemitismus-Skandals um die Rapper Kollegah und Farid Bang, den die Plattenbosse offenbar völlig falsch eingeschätzt hatten.

Der Vorstand des Bundesverbands Musikindustrie, zu dem etwa die Chefs der deutschen Ableger der Musikkonzerne Sony Music, Universal Music und Warner Music gehören, traf den Entschluss am Dienstagabend in einer überraschend einberufenen außerordentlichen Sitzung.

„Vollständiger Neuanfang“

Es solle einen „vollständigen Neuanfang“ geben, kündigten sie im Anschluss an. Die Verantwortlichen wollten keinesfalls, „dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird“.

Damit vollzogen die „Echo“-Verantwortlichen eine radikale Kehrtwende – unter dem Druck der Öffentlichkeit und angesichts der Tatsache, dass eine Reihe namhafter Künstler ihre „Echos“ zurückgegeben hatte. Noch wenige Stunden vor der „Echo“-Verleihung am 12. April hatte der Musikverband nämlich an der Nominierung von Farid Bang und Kollegah festgehalten, obwohl es da schon Proteste vom Zentralrat der Juden bis hin zum Auschwitz-Komitee gegeben hatte.

Doch trotz der bekannten homophoben, frauenfeindlichen und antisemtischen Texte – „mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ heißt es im Lied 0815 – sollte dies eine Entscheidung „im Sinne der Kunstfreiheit“ sein, hieß es in der damals verbreiteten Erklärung.

Untermauert wurde diese pikanterweise von einer Abstimmung des „Echo“-Beirats, zu dem angesehene Persönlichkeiten aus Kultur, Musikbranche und auch den großen christlichen Kirchen gehörten.

Auch dieses Gremium befand sich nach der heftigen öffentlichen Kritik durch erste Rücktritte mittlerweile bereits in der Selbstauflösung. Mit dem Aus für den „Echo“ folgte auch die Abschaffung des Beirats.

Alle Verantwortlichen stehen damit vor einem riesigen Scherbenhaufen und müssen sich mindestens eine völlige Instinktlosigkeit vorwerfen lassen. Diese wurde dadurch auf die Spitze getrieben, dass auf die umstrittene Nominierung am Ende auch die Auszeichnung und obendrein auch noch ein verstörender Live-Auftritt der beiden Musiker folgte. Tote-Hosen-Sänger Campino las Kollegah und Farid Bang vor laufender Kamera die Leviten.

Auch für Klassik und Jazz

Wie es nun weiter geht, ist noch nicht absehbar. Denn es wurde offenbar nicht nur der „Echo Pop“, um den es bei dem Skandal ging, beschädigt. Auch die eigentlich unabhängig vergebenen Preise „Echo Klassik“ und „Echo Jazz“ werden nun neu aufgestellt.

Obwohl ihr Preis mit der Pop-Auszeichnung nichts zu tun hat, hatten nämlich im Sog des Skandals renommierte Klassikkünstler wie die Dirigenten Daniel Barenboim und Christian Thielemann ihre Echos zurückgegeben, dazu Künstler wie Marius Müller-Westernhagen und Klaus Voormann die Pop-“Echos“.

Erste Ideen, was auf den vor allem auf Grundlage der Verkaufszahlen vergebenen „Echos“ folgen soll, sollen im Juni in einem Workshop erarbeitet werden. Dabei sollten „möglichst viele Ideen und Erwartungen“ aus der Branche in die Neugestaltung einbezogen werden. Ein Termin für einen Neustart ist offen.

dfg f dgh tg

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