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Ankauf von Steuerdaten: Ehrgeizig, sportlich, Spion: Festgenommer Agent ist eine schillernde Persönlichkeit

Ende April haben Fahnder einen Spion aus der Schweiz in Frankfurt festgenommen. Es geht um den Ankauf von Steuerdaten. Wer ist dieser Mann, der für Verstimmungen zwischen Berlin und Bern sorgt? Über ihn ist einiges bekannt.
Der Spion war in der Frankfurter Finanzbranche aktiv. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Der Spion war in der Frankfurter Finanzbranche aktiv.
Zürich. 

Wer sich in die Welt der Spione und Nachrichtenhändler begibt, gerät rasch in eine Grauzone aus Halbwahrheiten, Gerüchten und Behauptungen. Viele Beteiligte drehen aus eigenen Interessen an der Wahrheit. So auch im Fall des Daniel M., des Schweizers, der Steuerfahnder aus Nordrhein-Westfalen ausspioniert haben soll. Diese verschärften mit dem Ankauf gestohlener Bankdaten seit 2010 die Jagd auf deutsche Steuerhinterzieher in der Eidgenossenschaft. Am 28. April wurde Daniel M. in Frankfurt festgenommen. Seitdem sitzt er in Mannheim in Untersuchungshaft. Wer ist der Mann, der für rote Köpfe zwischen den Regierungen in Deutschland und der Schweiz sorgt?

Im Reisebüro gelernt

Sein Lebensweg erfüllt das Klischee des Agentendaseins als eines veritablen Thrillers. Aufgewachsen ist der 54 Jahre alte Mann im ländlichen Kanton Solothurn zwischen Basel und Bern. Einer kaufmännischen Lehre bei einem Reisebüro folgte ab 1984 eine Ausbildung bei der Stadtpolizei Zürich. Aber Daniel M. wollte nicht einfach Streife laufen. Ihn zog es in die Welt der organisierten Kriminalität. Da fühlte er sich als Fahnder in seinem Element. Die Vorgesetzten waren offenbar beeindruckt, nach Angaben des auf Bankenthemen spezialisierten Online-Portals „Inside Paradeplatz“ wurde er für eine Zusatzausbildung zum FBI in die Vereinigten Staaten geschickt.

Der nächste Karriereschritt verlief, so gesehen, folgerichtig. Von der Jahrtausendwende an war M. in der Großbank UBS für den Schutz der Vorstände und Verwaltungsräte innerhalb der Sicherheitsabteilung zuständig. Geholt hatte ihn ein ehemaliger Kollege von der Stadtpolizei. Ganz nah an der Macht und in einem sensiblen Bereich. Dennoch verließ er aus ungeklärten Gründen 2010 die Bank, machte sich selbständig, erhielt aber anscheinend weiter Aufträge von der UBS. Passend dazu richtete er sein Büro an der noblen Bahnhofstrasse in Zürich und in Sichtweite vieler Banken ein.

Ein Doppelagent?

Vom Erscheinungsbild her ist Daniel M. ein stämmiger, sportlicher Typ mit blauen Augen. So zeigen es Bilder, in Schweizer Zeitungen erschienen. Darüber hinaus wirkt er laut Medien leutselig, ja sogar gutgläubig, so gar nicht der verbissene Dunkelmann mit hochgeschlagenem Mantelkragen. In der Szene ist der Sicherheitsfachmann bekannt, sein Netzwerk reicht weit in die Halbwelt der Geheimdienste.

2012 kommt die große Stunde des Daniel M. Er soll herausfinden, wie die Steuerfahnder in Nordrhein-Westfalen ihr Gewerbe betreiben. Wer genau und mit welchem Auftrag den mutmaßlichen Spion losgeschickt hat, ist in der Schweiz Gegenstand eines großen Behörden- und Politikergerangels. Selbst einen „Maulwurf“ soll der Mann in Düsseldorf platziert haben, aber das war wohl Wunschdenken des schweizerischen Geheimdienstes NDB gewesen, für den M. tätig war.

Tatsache ist indes, dass Anfang 2012 der neue Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber ins Amt kam. In seinem Profilierungsbemühen nahm Lauber die deutschen Fahnder nach Schwarzgeldkonten und deren unzimperliche Methoden aufs Korn. Noch im selben Jahr wurden Strafverfahren gegen drei Beamte in Nordrhein-Westfalen eingeleitet.

Später, so heißt es, sei Daniel M. vom mutmaßlichen Spion gegen deutsche Steuerbeamte zum mutmaßlichen Verkäufer von Schweizer Bankdaten geworden, ein Doppelagent also. Betroffen waren offenbar nicht zuletzt die UBS, der frühere Arbeitgeber, sowie die russische Gazprom Bank. Unterlagenbeschaffer soll ein Kontaktmann in Israel gewesen sein, aber in dieser jüngsten Etappe wuchern die Gerüchte und Behauptungen besonders heftig. Immerhin existieren Undercover-Fotos von Daniel M. aus dem Oktober 2014 im Frankfurter Hotel Interconti, wo er von angeblichen Datenkäufern 42 000 Euro erhielt. Vielleicht ist er in die Falle eines „Agent Provocateur“ gelaufen, vielleicht lieferte er nur gefälschtes Material. Gemunkelt wird vieles, genaues weiß man nicht.

Festgenommen wurde Daniel M. im Februar 2015 nach einem konspirativen Treffen, als er mit 280 000 Franken aus einem Hotel am Paradeplatz in Zürich kommend den Fahndern der Bundesanwaltschaft in die Arme lief, wie das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ im August 2015 berichtete. Am Ende der Irrungen und Wirrungen um Daniel M. stehen die Vernehmungsprotokolle der Strafverfolger. Zum berechtigten Ärger seines Rechtsanwaltes Valentin Landmann, dem bekanntesten „Milieuanwalt“ in der Schweiz, landeten diese ungeschwärzt bei den Behörden in Deutschland. Sie schufen die Grundlage für die Festnahme des Mannes Ende April in Frankfurt.

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