Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 19°C

Jesidin berichtet in Frankfurt von ihrem Leidensweg: Ein Jahr in der Gewalt des IS

Sie wurde im Nordirak vom „Islamischen Staat“ versklavt und vergewaltigt. Seit fast zwei Jahren lebt die Jesidin Ivana Alhamad in Deutschland, eine Rückkehr kann sie sich nicht vorstellen – und nennt dafür Gründe.
Die Jesidin Ivana Alhamad berichtete in Frankfurt von ihren  Erfahrungen. Die Jesidin Ivana Alhamad berichtete in Frankfurt von ihren Erfahrungen.
Frankfurt. 

Das Datum wird sie wohl nie vergessen. „Am 3. August 2014 sind wir massakriert worden“, sagt Ivana Alhamad. Vor drei Jahren überfiel die Terrororganisation „Islamischer Staat“ das Gebiet rund um die nordirakische Stadt Sindschar (kurdisch: Schingal), zum Jahrestag hat die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) die 20-Jährige nach Frankfurt eingeladen, um über ihren Leidensweg zu berichten.

Die Terrormiliz kam auch in den Ort, in dem die damals 17-Jährige mit ihrem jüngeren Bruder und ihren Eltern lebte. Ihre Familie gehört zur kurdischen Minderheit der Jesiden, einer alten monotheistischen Religion, auf die es der „Islamische Staat“ besonders abgesehen hat.

Im Herbst 2014 zerstörten die Terroristen in der Sindschar-Region Häuser, verschleppten Frauen und Kinder und töteten die Männer. Jesiden, die entkommen konnten, flohen in die Berge und warteten auf Rettung.

Nach Angaben der Vereinten Nationen starben damals rund 5000 Jesiden, weitere Tausende wurden entführt, und rund 430 000 mussten fliehen.

Zu den verschleppten Frauen gehörte Ivana Alhamad. „Sie haben alles mit mir gemacht“, sagt sie. Ein Jahr lang sei sie in der Gewalt von Kämpfern des „Islamischen Staats“ gewesen, vergewaltigt, dreimal verkauft und einmal verschenkt worden. Und sie sei gezwungen worden, zum Islam zu konvertieren, sagt sie mit leiser Stimme. Die junge Frau spricht inzwischen deutsch, doch von den schrecklichen Erlebnissen berichtet sie in ihrer kurdischen Muttersprache.

Sie ist in Therapie

Nach einem Jahr sei es ihrem Vater gelungen, sie freizukaufen, berichtet sie. Nach drei Monaten in einem Flüchtlingslager an der Grenze zur Türkei konnte sie nach Deutschland ausreisen. Aufgenommen wurde sie vom Bundesland Baden-Württemberg, das seit gut zwei Jahren ein Sonderkontingent von 1100 Frauen und Kindern aus dem Nordirak beherbergt.

Seit dem 1. Dezember 2015 sei sie in Deutschland, erzählt Ivana Alhamad. Inzwischen lebt sie mit Mutter und Bruder in Ulm, erhält zweimal in der Woche Therapie und besucht die Realschule. Und bald, zwei Jahre nach ihrer Ankunft, muss sie mitteilen, wo sie künftig leben will.

Für sie steht die Entscheidung fest: „Ich will hier bleiben.“ Die Lage in ihrer Heimat habe sich nicht verbessert, ihr Haus und ganze Orte seien zerstört, die Verwandten seien in Massengräbern verscharrt, es gebe keine Möglichkeiten für Bildung oder Arbeit – und für Minderheiten wie die Jesiden existiere keine Sicherheit im Nordirak. Zudem kämpften unterschiedliche Gruppen um die Macht.

Das sieht auch die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte so. Nötig sei mit Hilfe der Vereinten Nationen ein Kriegsverbrechertribunal über die Verbrechen des „Islamischen Staats“, sagt Vorsitzender Karl Hafen. Dort sollten „alle Fälle von Kriegsverbrechen, Genozid und Menschenrechtsverletzungen gegen religiöse und ethnische Minderheiten, begangen durch den IS, vorgebracht werden“, heißt es in der Online-Petition der Organisation.

Weniger Jesiden werden anerkannt

Die Anerkennungsquote bei jesidischen Flüchtlingen ist laut einem Zeitungsbericht vom Mittwoch in den vergangenen zweieinhalb Jahren gesunken.

clearing
Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse