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Steinmeier mit dem Ignatz-Bubis-Preis geehrt: Ein populärer Erklärer

Von Die Verleihung des Ignatz-Bubis-Preises an Noch-Außenminister Steinmeier nutzten die Laudatoren sowie der Geehrte zum Appell an eine wehrhafte pluralistische Demokratie. Steinmeier seinerseits pries Bubis als vorbildlichen Brückenbauer der Toleranz.
Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit Bubis’ Witwe Ida. Foto: Heike Lyding Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit Bubis’ Witwe Ida.
Frankfurt. 

Manchmal sorgt der Lauf der Geschichte für ein besonderes Maß an historischem Hintersinn: 1993 sprachen sich Teile der deutschen Medien für Ignatz Bubis als Bundespräsidenten aus. Doch dieser ahnte seinerzeit, dass „dieses Land für ein jüdisches Staatsoberhaupt noch nicht reif“ sei, und trat nicht zur Wahl an. Also zog 1994 Roman Herzog (CDU) ins Schloss Bellevue ein. Ebenfalls gestern, da uns die Nachricht vom Tode Herzogs erreichte, wurde mit Frank-Walter Steinmeier (SPD) der wohl nächste Bundespräsident in der Frankfurter Paulskirche mit dem Ignatz-Bubis-Preis geehrt. Und so wird Bubis’ geistiges Vermächtnis Steinmeier wohl ins Amt begleiten.

INFO Die Preisträger

Die Stadt Frankfurt verleiht den mit 50 000 Euro dotieren Ignatz Bubis-Preis seit 2001 alle drei Jahre. Bisherige Preisträger waren:

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Auszeichnung und Auftrag

Die ideelle Verbundenheit zu Bubis, der am morgigen Donnerstag 90 Jahre alt geworden wäre, betonte auch Steinmeier, der die Ehrung als „Auszeichnung, aber noch mehr als Auftrag“ bezeichnete. Wenn sich Bubis’ Blick auf die Schrecken der Vergangenheit richtete, habe er zugleich die Zukunft im Sinn gehabt, zitierte Steinmeier aus einem Nachruf Roman Herzogs auf den 1999 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden. Steinmeier rühmte Bubis als einen Mann, der zeitlebens daran gearbeitet habe, Mauern zu durchbrechen. Auch dank ihm sei Nachkriegsdeutschland zu einem Ort der pluralistischen Demokratie geworden.

„Wir müssen heute mehr denn je einen Raum schaffen, in dem wir streiten können, aber in dem wir respektvoll miteinander umgehen“, forderte der Noch-Außenminister. Die Unterscheidung zwischen Faktum und Lüge dürfe nicht aufgegeben werden. Sonst gerate die Demokratie in Gefahr.

„Bubis hat gerade mit jenen das Gespräch gesucht, die nicht seine Lebenserfahrungen teilten“, so Steinmeier. Um dieses Vermächtnis in Ehren zu halten „müssen wir den Populisten dort den Hebel vorschieben, wo Zweifel als Verrat definiert wird“. Wenn Populisten behaupten, sie seien das Volk, schlössen sie andere aus. „Doch einen alleinigen Anspruch hat in dieser Demokratie niemand“, plädierte Steinmeier für Pluralismus, Meinungsvielfalt und Toleranz – im politischen wie im gesellschaftlichen Diskurs.

Koenigs’ mahnende Worte

Laudator Tom Koenigs (Grüne) wies in seiner Rede ebenfalls auf die aktuelle Gefährdung der Demokratie hin. „Ohne Antworten zu haben, greift Antisemitismus nach der Macht, in Europa und anderswo“, mahnte Frankfurts einstiger Stadtkämmerer und Umweltdezernent. Ignatz Bubis habe stets auf den xenophoben Kern des Antisemitismus aufmerksam gemacht und sich als unermüdlicher Brückenbauer betätigt.

Auch Steinmeier sei ein Mann des demokratischen Ausgleichs. Um Konflikte zu lösen, müsse man diese mit sechs Augen sehen: Den eigenen, den anderen und einem gemeinsamen Blick, zitierte Koenigs aus Steinmeiers Buch „Flugschreiber“. „Der bald zu wählende Bundespräsident sollte aus der Mitte der Gesellschaft heraus ein bürgerliches Bündnis der Weltoffenheit inspirieren, das der Radikalisierung, der Vereinfachung und der Dummheit aus der Tiefe der Gesellschaft heraus entgegentritt. Ich glaube, der Bubis-Preis mag dir dabei helfen“, gab Koenigs Steinmeier mit auf den Weg.

Frankfurts OB Peter Feldmann (SPD) ehrte Namensgeber und Preisträger als Menschen mit tief empfundener Solidarität zu demokratischen Grundwerten. Frank-Walter Steinmeier sei „kein Vereinfacher, aber ein Erklärer, kein Populist, aber ein Populärer“.

Da Steinmeier ausgerechnet jetzt den Bubis-Preis erhalte, könnten „manche denken, wir hätten bewusst den künftigen Bundespräsidenten ausgewählt“, so Feldmann. Doch die Entscheidung der Jury um Ignatz Bubis’ Witwe Ida sei bereits im Februar 2016 gefallen.

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