Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 28°C

Fachgeschäfte weichen Ladenketten: Einkaufsstraßen: Hohe Mieten machen Traditionsbetrieben das Leben schwer

Von Inhabergeführte Fachgeschäfte werden in den Einkaufsstraßen durch große Marken verdrängt. Hohe Mieten machen es den Kleineren schwer, mit den Ketten mitzuhalten. Das kann den Charakter einer Straße verderben.
Blick in die Leipziger Straße in Frankfurt-Bockenheim: Ketten verdrängen zunehmend die Fachgeschäfte. Foto: Salome Roessler Blick in die Leipziger Straße in Frankfurt-Bockenheim: Ketten verdrängen zunehmend die Fachgeschäfte.
Frankfurt. 

Als der Optikermeister Jürgen Otto vor einigen Monaten sein gutgehendes Geschäft auf der Schweizer Straße in Frankfurt-Sachsenhausen abschloss und in Rente ging, hätte er gern die Ladenschlüssel an einen jungen Kollegen übergeben. Der hatte nämlich Interesse angemeldet, machte aber einen Rückzieher. Denn die Hauseigentümer wollten die Miete um zwei Drittel anheben. Das ist kein Einzelfall. Hohe Mieten sorgen in den Einkaufstraßen der Region dafür, dass kleinere Fachgeschäfte durch Ketten und Gastronomie ersetzt werden.

Das ist klar erkennbar, ob man sich in Frankfurt oder Bad Homburg, Limburg und Rüsselsheim umschaut. „Diesen Trend gibt es in 1 a-Lagen schon seit Jahren“, stellt Immobilienexperte Christoph Scharf von PNB Real Estate fest. Hauseigentümer, zumal wenn es sich um Investoren handelt, treiben die Mieten so weit nach oben, dass kleinere Geschäfte kaum mithalten können. Für manchen Ladenmieter ist es nicht leicht, z.B. monatlich 6000 Euro Kaltmiete für etwa 100 Quadratmeter hinzulegen, bevor das erste Eis oder die erste Brille verkauft ist,

Marken als Magneten

Die Folge kann schwindende Vielfalt sein. An der Schweizer Straße ist sie noch gewährleistet, an anderen Einkaufsstraßen weniger. „Dass der Charakter einer Straße erhalten bleibt, spielt für viele Immobilienbesitzer keine Rolle“, sagt Holger Wessendorf, Vorsitzender des Gewerbevereins Bockenheim Aktiv. „Wenn die hohe Miete bezahlt wird, nehmen sie auch das sechste oder siebte Handygeschäft rein.“ Wessendorf weiß, wovon er spricht. Kommt man von der Bockenheimer Warte in die Leipziger Straße, sind anfangs nur Kettengeschäfte zu sehen, dann erst eine Traditions-Metzgerei.

Auch an der Bahnstraße stehen einige große Geschäfte leer - so wie dieses Ladenlokal gleich zu Beginn. Foto: Nietner
Kommentar Einkaufsstraßen: Leben und leben lassen

Ob sich die Kleinen halten können und der Schaufensterbummel Spaß macht, liegt nicht nur am Kunden. Ein Kommentar von Dieter Sattler.

clearing

Wie Torsten Schiller von der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße sagt, sind Kettenläden ja kein Schaden. Sie können sogar Publikumsmagneten sein, die auch Kunden für die kleinen Nachbarn ziehen – solange es die noch gibt. Wenn aber nicht oder kaum sehen alle Einkaufstraßen gleich aus.

Kein gemeinsamer Nenner

Der Trend zur Uniformität ist auch in anderen Städten der Region zu beobachten: So mussten in Rüsselsheim entlang der beiden großen Fußgängerzonen, Marktstraße und Bahnhofsstraße, viele Traditionsgeschäfte schließen. Sie wurden durch Dienstleister und Lokale abgelöst.

Was kann man tun, um den Charakter, das spezifische Flair einer Straße zu erhalten? Schiller von der Schweizer empfiehlt Seelenmassage. Er versucht die Hausbesitzer zu überzeugen, es trotz des attraktiven Standorts mit den Preisen nicht zu übertreiben, damit auch langjährige Fachgeschäfte bleiben können. Auch er weiß, dass das Argument natürlich eher eine Chance hat, wenn es sich um ansässige Hausbesitzer und nicht um auswärtige Investoren handelt, die eher profitorientiert sind. Wessendorf ist skeptisch: „Zwischen den Interessen der Immobilienbesitzer und Gewerbetreibenden gibt es keinen gemeinsamen Nenner.“

Den Widerspruch sieht auch Scharf, dennoch glaubt er wie Schiller zumindest an die Chance, in Gesprächen den ein oder anderen Hausbesitzer dazu zu bewegen, nicht den letzten Euro herauszuholen, sondern auch an den nachhaltigen Wert zu denken.

Kurzfristig ist der allerdings in kaum einer der von uns beobachteten Einkaufsstraßen gefährdet, denn Leerstände gibt es kaum. Daran merkt man, dass die gesamte Region wirtschaftlich boomt. In der Bad Homburger Louisenstraße suchen nur die Ex-Kaufhäuser Hugendubel und Strauss schon länger Nachfolger. In Limburg gibt es Lücken nur in der Grabenstraße, die parallel zur Fußgängerzone verläuft. Auch in Frankfurter Einkaufstraßen der großen Stadtteile gibt es nur vereinzelt Leerstände, etwa auf der Berger Straße und an der Ecke Textor-/Schweizer Straße. Scharf sieht generell nicht schwarz für die kleineren Geschäfte: Wenn sie ein besonderes Angebot hätten, könnten sie sich oft halten und müssten auch nicht die Konkurrenz durch den Online-Handel zu sehr fürchten. Mitarbeit: göc, hil, hei, rou

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse