Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 10°C

Ein Jahr Donald Trump: „Einmaliger Irrtum der Geschichte“

Von Ein Jahr nach der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten wird allseits Bilanz gezogen. Stimmen aus unserer Region.
US-Präsident Donald Trump. Foto: Pablo Martinez Monsivais US-Präsident Donald Trump.
Frankfurt. 

Eigentlich hatten ihn die Demoskopen schon längst abgeschrieben. Doch dann schaffte Donald Trump die Sensation und wurde genau heute vor einem Jahr zum Präsidenten der USA gewählt. Der Rechtspopulist Trump hatte während seines Wahlkampfes Frauen genauso beleidigt wie Behinderte. Und dieser Rüpel sollte ins Weiße Haus einziehen? Das fragten sich nicht nur viele Menschen in den USA, sondern auch nicht wenige in der Region. Ein Jahr nach der Trump-Wahl wollte diese Zeitung nun von Gewerkschaften, Politikern, Wissenschaftlern und deutsch-amerikanischen Organisationen aus der Region wissen, ob Trump nach seiner Wahl gehalten hat, was er versprach.

Gabriele Kailing ist Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen. „Donald Trump hat sein Land und die Welt überrascht, in Staunen versetzt und nicht selten sprachlos zurückgelassen. Ich kenne niemanden, der nach einem Mehr davon verlangt“, zieht die Gewerkschafterin ein nüchternes Fazit über Trumps „einjähriges Jubiläum“.

Auch in der Politik herrschen Zweifel gegenüber Trump vor. Für Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, habe Donald Trump in den vergangenen zwölf Monaten mit allen Regeln der Politik gebrochen, und nichts sei seitdem besser geworden. „Er stellt den Sinn der internationalen Kooperation genauso in Frage wie den menschlichen Anstand. Auch sein Verhältnis zur Wahrheit lässt mich verzweifeln. Dass es bisher nicht zu einer großen Katastrophe gekommen ist, ist allerdings kein Signal der Entwarnung“, so Nouripour.

Gespaltene Gesellschaft

Für Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel hat die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika „die Welt zweifellos unsicherer gemacht“. Trump spalte sein Land und die internationale Gemeinschaft. „Alles, was er sagt und tut, widerspricht dem, was ich persönlich für richtig und zukunftsweisend halte“, sagt Schäfer-Gümbel. Die US-amerikanische Demokratie und die Weltgemeinschaft seien durch seine Präsidentschaft einem andauernden Stresstest unterworfen worden. „Ich hoffe, dass die USA und der Rest der Welt diesen Stresstest bis zum Ende von Trumps Amtszeit bestehen – und ich hoffe sehr, dass spätestens die Präsidentenwahlen 2020 diese Amtszeit zu einem einmaligen Irrtum der Geschichte machen“, so Hessens SPD-Chef.

Für den Frankfurter Amerikanist und Kulturwissenschaftler Johannes Völz ist die USA seit dem Trump-Populismus eine tief gespaltene Gesellschaft. Auch Skandale würden in dieser Gesellschaft, in der es so wenig Konsens gebe, bei der Bevölkerung nicht mehr „verfangen“. Vielmehr würden diese Skandale als Parteinahme verstanden.

Generell „zieht Trump sein Programm durch“, so die Einschätzung von Völz. „Er hat aber unterschätzt, dass er seine Ziele nicht ohne Weiteres durch den legislativen Prozess durchboxen kann“, so der USA-Experte. Persönlich habe sich Trump nicht verändert, obwohl einige gehofft hätten, dass er in seinem Amt präsidialer werde. Letztlich, so Völz weiter, sei Trump abhängig „vom Pakt mit seiner Basis“, die ihn gewählt habe. Was andere über ihn denken, sei ihm deshalb schnuppe. Und dieser Kontakt mit der Basis müsse immer wieder aufs Neue hergestellt werden. Sein „rüpelhaftes Verhalten“ signalisiere seinen Getreuen dann: „Wir gegen das System“. Völz attestiert dem „kritikunfähigen“ Trump pathologische Züge und einen zwanghaft narzisstischen Charakter.

Treu geblieben

Roger Schmidt, Präsident des deutsch-amerikanischen Klubs „Die Brücke“ Gießen-Wetzlar, sieht die bisherige Amtszeit gelassen. „Unsere Organisation existiert seit 65 Jahren. Wir haben in dieser Zeit schon viele amerikanische Präsidenten kommen und gehen sehen“, sagt er. Schmidt konstatiert, dass sich Trump vor und nach der Wahl treu geblieben sei.

Letztlich, so Schmidt weiter, werde aber die Geschichte ihr Urteil über Trump sprechen. „Unser Verhältnis zu den Amerikanern hat sich jedenfalls nicht verändert. Für uns ist die Völkerverständigung das Wichtigste“, sagt der Klub-Präsident.

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse