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Bundestagswahl: Entscheiden Unzufriedene die Wahl?

Von Die Bundestagswahl ist keinesfalls entschieden. Am Ende könnten wenige Stimmen den Ausschlag geben. Die Parteien versuchen Unentschlossene und Unzufriedene zu mobilisieren.
Symbolbild Foto: Uwe Anspach (dpa) Symbolbild
Frankfurt. 

Seit dem TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Martin Schulz (SPD) ist in den Meinungsumfragen eine interessante Entwicklung zu beobachten: Union und SPD werden schwächer, die kleineren Parteien stärker. Im neuen ZDF-Politbarometer verliert die Union zwei Prozentpunkte auf 36 Prozent, die SPD klettert zwar um einen Punkt auf 23 Prozent, fällt aber im ARD-Deutschlandtrend auf 20 Prozentpunkte.

Das deutet auf eine Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien der großen Koalition hin. Viele glauben, dass diese sich zu wenig um konkrete Probleme kümmerten, analysiert Forsa-Chef Manfred Güllner.

Ein Teilnehmer bei einer AfD-Kundgebung in Magdeburg macht seinem Unmut Luft.
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Der Begriff des Wutbürgers kam im Jahr 2010 in Zusammenhang mit dem Stuttgarter Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 auf. Er bezeichnet Unzufriedene, die sich von der Politik betrogen fühlen. Welche Rolle spielen Wutbürger im Wahlkampf? Unser Reporter Dieter Hintermeier sprach darüber mit dem Rhetorik-Dozenten Jürgen Werner.

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Im Moment profitieren von dieser Unzufriedenheit am ehesten AfD und Linke sowie die FDP, die alle Chancen haben, am 24. September zweistellig zu werden. Die Grünen verharren bei acht Prozent. Die politische Landschaft bleibt also eine Woche vor der Wahl in Bewegung. Rund 40 Prozent der Wahlberechtigten sind noch unentschlossen, ob und wen sie wählen sollen. Ihre Entscheidung könnte zumindest den Ausschlag geben, welche Koalition es am Ende gibt. Die Unentschlossenen und Unzufriedenen sind Zünglein an der Waage.

Unruhe der Bürger

Güllner geht davon aus, dass von jenen Unentschiedenen, die am Ende zur Wahl gehen, vor allem die kleineren Parteien profitieren. „Die Union hat ihr Potenzial schon mobilisiert“, glaubt Güllner. „Das sieht man daran, dass sie jetzt, da sich mehr bislang Unentschlossene entscheiden, in den Umfragen nachlässt.“ Und die SPD schaffe es nach wie vor nicht, ihr Potenzial auszuschöpfen. Was prinzipiell möglich sei, sehe man am „Schulz-Effekt“ zu Jahresbeginn, als die SPD kurzzeitig zur CDU aufschloss. Aber die SPD habe das Hoch nicht halten können und Güllner sieht auch nicht, wie sie im Endspurt noch groß zulegen könne. Die meisten der jetzt noch Unentschlossenen würden aber wahrscheinlich zu Hause bleiben. Relativ viele könnten FDP und Grüne wählen. Unter den Unzufriedenen, die am Ende nicht wählen, vermutet Güllner viele enttäuschte Sozialdemokraten.

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Frankfurts SPD-Vize Eugen Emmerling hofft noch: „Wie unsere Wahlkämpfer feststellen, gibt es bei den Menschen eine große Unruhe wegen Themen wie Miete, Rente und soziale Gerechtigkeit.“ Diese Menschen seien für die SPD ansprechbar. Sie müsse versuchen, ihre Unruhe in Stimmen umzumünzen.

Flüchtlinge sind Thema

Sind so genannte Wutbürger für die etablierten Parteien noch erreichbar? Laut Güllner neigen sie vor allem zur AfD. Das sieht Jürgen Werner, Philosophie-Professor in Herdecke, ähnlich. Er glaubt, dass viele AfD-Anhänger nicht nur Wut verspürten, weil sie sich abgehängt und ihre Rechte missachtet fühlten. Sie hätten auch „ein Problem mit unserer repräsentativen Demokratie“. Sie akzeptierten nicht, dass die Abgeordneten ein imperatives Mandat hätten und damit nicht eins zu eins die Interessen der Wahlbürger vertreten könnten. Der Psychologe Stephan Grünewald, Mitbegründer des Rheingold-Institutes, glaubt, dass das Flüchtlingsthema wahlentscheidender sein könnte, als die Politiker glauben wollten. Das Thema sei in den Köpfen sehr präsent. Er glaubt, dass viele Bürger zwischen Hilfsbereitschaft und dem Gefühl der Überforderung schwankten. Diese Unsicherheit würde zum Teil von der bewährten Kanzlerin kanalisiert, an die man sich anlehne. Bei einem anderen Teil der Bürger bleibe aber ein Gefühl der Unsicherheit, das sie zu den Rändern tendieren lasse – oder eben dazu gar nicht zu wählen.

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