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Ex-Agent Christopher Steel: Enttarnt und abgetaucht

Tagelang wurde gerätselt, wer hinter dem Dokument steckt, das den künftigen US-Präsidenten Donald Trump schwer belastet. Seit Mittwochabend ist klar: Bei dem Urheber des Dossiers handelt es sich um den ehemaligen britischen Geheimagenten Christopher Steele. Er führt mittlerweile eine private Agentur in London. Nun ist er aus Sorge um seine Sicherheit abgetaucht.
Eine Tür, die nicht aufgeht: An Christopher Steeles Arbeitsplatz gab man sich gestern aus guten Gründen sehr medienscheu. Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS (AFP) Eine Tür, die nicht aufgeht: An Christopher Steeles Arbeitsplatz gab man sich gestern aus guten Gründen sehr medienscheu.
London. 

Ein halbes Dutzend Reporter hat sich an diesem grauen Morgen vor dem schicken Backsteinbau mit der Nummer 9 versammelt. Sie warten hier im Londoner Zentrum, nur unweit des Buckingham-Palasts – auch wenn sie nicht wirklich wissen, worauf. Denn die Journalisten haben an der Rezeption der Adresse 9–11 Grosvenor Gardens alle dieselbe Antwort erhalten: Heute wird kein Mitarbeiter der Firma Orbis Business Intelligence Limited bei der Arbeit erscheinen.

Auch und vor allem nicht Christopher Steele. Der Direktor des Unternehmens, das für seine Kunden Informationen sammelt, ist – angeblich aus Angst um seine Sicherheit – abgetaucht. Er steht im Fokus der Diskussion um das hoch umstrittene Papier, das schwere Anschuldigungen gegen Donald Trump erhebt. Steele soll der Urheber des nicht verifizierten Dossiers sein, mit dem der baldige Präsident der USA erpressbar sei, wie es darin heißt. Das US-amerikanische „Wall Street Journal“ (WSJ) hat dem bis Mittwochabend anonymen ehemaligen britischen Geheimdienstler einen Namen gegeben.

Offenbar hatte das WSJ wochenlang versucht, ein Interview mit Steele zu führen, doch dieser habe ein Gespräch stets abgelehnt und durch einen Mittelsmann ausrichten lassen, das Thema sei „zu heiß“. Immerhin, sollten die in dem Dokument im Detail beschriebenen Vorwürfe über sexuelle Eskapaden des Republikaners in einem Moskauer Hotel stimmen, hätte der 52-Jährige und sein Team den Auftrag von Trumps Gegnern, die sowohl aus dem republikanischen als auch dem demokratischen Lager stammen sollen, erfüllt. Diese hatten laut WSJ Orbis während des Wahlkampfs damit beauftragt, kompromittierendes Material gegen den Kandidaten zu sammeln. Trump selbst wies den Inhalt des Papiers zurück.

Steele verließ vor rund zehn Jahren den britischen Geheimdienst MI6, für den er fast zwei Jahrzehnte als Diplomat getarnt in Russland, Paris sowie im Außenministerium in London tätig war. So hat er sich ein umfangreiches Netzwerk aufgebaut. Und eine Reputation: Die „Daily Mail“ zitiert einen anonym bleibenden Bekannten, demnach Steele „zuverlässig, äußerst sorgfältig und gut informiert“ sei. Die BBC berichtet, er genieße in Geheimdienstkreisen ein „außerordentlich hohes Ansehen“. Doch auch Stimmen vor einer etwas angeberischen Neigung Steeles kommen in Medien zu Wort.

Nach seiner Karriere beim M I6 half er der Agentur Reuters zufolge dem FBI dabei, den Korruptionsskandal bei der FIFA aufzudecken. Gemeinsam mit Christopher Burrows, der laut seines Profils bei dem sozialen Karrierenetzwerk LinkedIn in der Vergangenheit für das britische Außenministerium als Berater gearbeitet hat, führte er die private Agentur Orbis. Der 58-jährige Co-Eigner wollte kurz nach Bekanntwerden der Identität von Steele weder „bestätigen noch bestreiten“, dass Orbis das Dossier erstellt habe. Dessen Zusammenfassung kannten Medienorganisationen und Geheimdienste offenbar bereits seit Monaten, doch aufgrund des unklaren Wahrheitsgehalts wurde das Papier nicht veröffentlicht.

Rache aus Moskau?

Nachbarn des Ex-Agenten erzählten Reportern gestern, Steele habe am Mittwochmorgen sein Haus in der südenglischen Grafschaft Surrey in Eile verlassen, nachdem sich abzeichnete, dass sein Name bald in der Öffentlichkeit auftauchen würde. Steele, verheiratet und Vater von drei Kindern, fürchte Rache aus Moskau. Seinen Nachbarn soll er gebeten haben, sich um seine Katze zu kümmern, da er „für ein paar Tage“ weg müsse.

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