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Marine Le Pen will den Front National erneuern: Ernüchtert trotz des Höhenflugs

Der Front National hat bei der Präsidentschaftswahl so viel Zuspruch erhalten wie noch nie – trotzdem macht sich in der Partei Enttäuschung breit. Marine Le Pen sitzt nicht mehr ganz so unumstritten im Sattel. Dazu kommt eine schlechte Nachricht von ihrer Nichte.
FN-Chefin Marine Le Pen (links) steht unter Druck. Ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen, ein Star der Partei und Abgeordnete in der Nationalversammlung, zieht sich aus der Politik zurück. Foto: VALERY HACHE (AFP) FN-Chefin Marine Le Pen (links) steht unter Druck. Ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen, ein Star der Partei und Abgeordnete in der Nationalversammlung, zieht sich aus der Politik zurück.
Paris. 

Für die Partei ist es eigentlich ein Erfolg. 10,6 Millionen Menschen haben bei der französischen Präsidentschaftswahl für die Kandidatin des Front National (FN), Marine Le Pen, gestimmt. Das waren ein Drittel der abgegebenen Stimmen. Auch Le Pens desaströsen Vorstellung beim TV-Duell gegen Emmanuel Macron, in dem sich die Rechtspopulistin äußert aggressiv und schlecht vorbereitet zeigte, hielt die Menschen nicht von ihrer Wahl ab.

Zwar hatte auch Le Pens Vater Jean-Marie im Jahr 2002 die Stichwahl erreicht, erhielt dort aber nur 4,8 Millionen Stimmen. Noch nie in ihrer 45-jährigen Geschichte hat die rechtsextreme Partei so viele Franzosen angezogen – und doch überwog nach Bekanntgabe der Ergebnisse die Enttäuschung in den Reihen des Front National. Knapp und sachlich fiel Marine Le Pens Ansprache aus, die eine „tiefe Erneuerung“ der Partei als Zusammenschluss „aller Patrioten“ versprach. Möglicherweise könnte sie die Basis bald über einen neuen Parteinamen abstimmen lassen, um den verlorenen Elan wiederzufinden.

Plötzlich wirkt die Frau geschwächt, die so unverwüstlich und selbstsicher im Chefsessel zu sitzen schien. Ihr wurden Grenzen aufgezeigt, auch weil man sie zuvor überschätzte.

Im vergangenen Jahr hatten Umfragen Le Pen teilweise mit bis zu 30 Prozent in der ersten Wahlrunde noch als stärkste politische Kraft gesehen. Auch als diese Prognose mit dem Näherrücken des Wahltermins abfiel, schürten die Rechtspopulistin selbst und ihre Vertrauten weiter hohe Erwartungen. „Wenn wir unter 40 Prozent sind, ist das eine Niederlage“, sagte vor einigen Tagen der rechtsnationale Bürgermeister von Béziers, Robert Ménard.

Bündnispartner fehlen

Während sich die meisten anderen Parteien zwischen den beiden Wahlgängen hinter Macron stellten, um mit einer „republikanischen Front“ ein Zeichen gegen den FN zu setzen, fehlen diesem Bündnispartner. Zu unvereinbar erscheinen die Werte mit denen einer freien und demokratischen Republik. Zwar wurde der EU-Kritiker Nicolas Dupont-Aignan als Verbündeter gewonnen, der in der ersten Wahlrunde 4,7 Prozent holte. Bei den Parlamentswahlen im Juni dürfte der Front National nach Absprache mit ihm in einigen Wahlkreisen keine eigenen Kandidaten aufstellen, um die Chancen von Dupont-Aignans Partei „Debout la France“ („Aufrechtes Frankreich“) auf ein paar Sitze im Parlament zu erhöhen. Doch der Deal droht sich als kontraproduktiv zu erweisen, weil ihn viele seiner Anhänger als Tabubruch sahen und sich von ihm abwendeten.

Auch wenn Le Pens scharfe Anklagen gegen die Eliten und die EU, ihre Warnung vor Globalisierung und einer „Überschwemmung“ des Landes durch Einwanderer bei vielen Franzosen einen Nerv treffen, so blieb eine Mehrheit resistent gegen ihre Schwarzmalerei. Ihre Pläne, Frankreichs Grenzen zu schließen, das Land aus der EU und der Euro-Zone herauszuführen, unterstützt nur eine Minderheit.

Rückzug ins Private

Dass nun ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen ihren vorläufigen Rückzug aus der Politik ankündigte, wird als Affront gegen Marine Le Pen gedeutet. Als eine von zwei FN-Abgeordneten in der Nationalversammlung war sie eine wichtige Figur in der Partei.

Zwar nannte Maréchal-Le Pen als Begründung für den Rückzug ihr Privatleben und den Wunsch, neben dem politischen Engagement auch die Arbeit in der Privatwirtschaft kennenzulernen. Doch die Konflikte mit ihrer Tante waren kein Geheimnis. Die 27-jährige Maréchal-Le Pen stand mit einem stramm rechtsnationalen Kurs ihrem Großvater Jean-Marie Le Pen nahe. Seine Tochter hat mit ihm gebrochen, weil die rassistischen, homophoben und antisemitischen Sprüche nicht zu ihrer Strategie der „Entdämonisierung“ des FN passten. Der familieninterne Führungskampf ist mit Maréchal-Le Pens Rückzug vorerst abgewendet. Er zeigt die Risse auf, welche die Partei und den Le-Pen-Clan durchziehen.

Marine Le Pen will aus den Parlamentswahlen einen Erfolg machen. Umso größer ist der Erwartungsdruck. Das Mehrheitswahlrecht, das Allianzen für einen Sieg erfordert, und der Mangel an bekannten Kandidaten in vielen Wahlkreisen erschwert dies zwar. Dennoch könnte der Front National laut Umfragen zwischen 15 und 25 Sitze im Parlament erobern – genügend, um eine eigene Gruppe zu bilden – und um damit ein umso lauteres Sprachrohr für alle Verdrossenen und Wütenden im Land zu bleiben.

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