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Eskalation in Caracas: Zwölf Tote nach Unruhen

„Es wird keinen Bürgerkrieg geben”, verspricht der sozialistische Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro. Zugleich nennt er die Demonstranten Terroristen. Das Chaos wird täglich größer im Land mit den größten Ölreserven - die bange Frage: Was macht das Militär?
Polizisten während einer Massendemonstration gegen die Regierung in Caracas. Foto: Fernando Llano Polizisten während einer Massendemonstration gegen die Regierung in Caracas. Foto: Fernando Llano
Caracas. 

Der Machtkampf in Venezuela fordert immer mehr Opfer: Bei nächtlichen Unruhen und Plünderungen sind in der Hauptstadt Caracas zwölf Menschen getötet worden. Das bestätigte die Generalstaatsanwalt. Sechs Menschen seien verletzt worden.

Besonders im Viertel El Valle kam es zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften, Demonstranten legten Feuer, es bot sich ein Bild der Verwüstung. Die meisten Opfer sollen durch Stromschläge getötet worden sei, als sie in einer Bäckerei einen Kühlschrank stehlen wollten, andere starben durch Schüsse. Ein Kinderkrankenhaus musste wegen des massiven Einsatzes von Tränengas evakuiert werden.

Zuvor waren bei den Protesten bereits neun Menschen gestorben. Seit der zeitweisen Entmachtung des Parlaments erlebt das Land mit den größten Ölreserven die heftigste Protestwelle seit 2014 - damals starben 43 Menschen. Die Demonstranten fordern Neuwahlen und die Absetzung des sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro, dem sie die Vorbereitung einer Diktatur vorwerfen. Er hatte angekündigt, 500.000 Milizionäre als Antwort auf die Proteste mit Gewehren zu bewaffnen. Das Militär wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

Die Opposition rief das Militär zum Bruch mit Maduro auf. „Gehen Sie nicht mit der Titanic Maduros unter”, sagte einer der Oppositionsführer, Freddy Guevara, an die Adresse von Verteidigungsminister Vladimir Padrino.

Angesichts dramatischer Gewaltszenen im ganzen Land fordert die internationale Gemeinschaft Maduro auf, die brutal agierenden Milizen abzuziehen. Bilder zeigten, wie auf Demonstranten von Motorrädern aus geschossen wurde, zudem prügelten Polizisten auf Protestierende ein, von denen einige ebenfalls gewalttätig wurden. Es gab brennende Straßenbarrikaden, Molotowcocktails flogen - die Polizei setzte massiv Tränengas ein. Maduro bezeichnete die Demonstranten als Terroristen, erklärte sich aber zugleich zum Dialog bereit. „Es wird nie einen Bürgerkrieg in unserem Vaterland geben”, sagte er.

Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Luis Almagro sagte, die Demokratie in Venezuela sei „tödlich verletzt”. Seit Tagen demonstrierten Hunderttausende. „Wir verurteilen vor allem, dass das Regime die Colectivos bewaffnet hat, damit sie unkontrolliert Repression ausüben”, sagte der frühere uruguayische Außenminister Almagro. Als Colectivos werden mit den seit 1999 regierenden Sozialisten sympathisierende Milizen bezeichnet, die mit Waffen und Schlagketten Gegner attackieren.

Bilder von einer Frau, die sich einem gepanzerten Fahrzeug inmitten von Tränengas entgegenstellt oder von einem nackten Mann, der einen Panzerwagen besteigt und ein Ende der Gewalt fordert, gingen um die Welt. Der Mann hatte sich zuvor - nur mit Schuhen bekleidet - mit ausgestreckten Armen und einer Bibel in der Hand zwischen schwer bewaffnete Polizisten gestellt, die sich auf ihren Motorrädern mit Gasmasken gegen Tränengas schützten. „Werft keine Bomben mehr”, rief er mit Blick auf den massiven Tränengaseinsatz. Maduro klassifizierte die Aktion als lächerliche Show.

Maduro fordert die Verteidigung der von Hugo Chávez begonnenen sozialistischen „Revolution” - dank der Öleinnahmen wurde lange massiv in Sozialprogramme und Wohnungsbau investiert. Aber Misswirtschaft ließ das Land zuletzt abstürzen.

Wegen der Bedienung milliardenschwerer Auslandsschulden und der höchsten Inflation der Welt können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden, die in Euro oder Dollar zu bezahlen sind. Maduro macht den niedrigen Ölpreis und einen „Wirtschaftskrieg” verantwortlich. 2016 brach die Wirtschaftsleistung um 18 Prozent ein.

(Von Georg Ismar und Néstor Rojas, dpa)
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