E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

Asyl-Affäre: Ex-Parteifreundin bringt Seehofer zumindest in Erklärungsnöte

Von Erst sollte Josefa Schmid die Vorgänge im Bremer Bamf aufklären, dann ganz plötzlich nicht mehr. Als sie auch die Zentrale in Nürnberg belastete und Horst Seehofer um Hilfe bat, wurde sie zurück nach Bayern beordert.
Josefa Schmid wehrt sich gegen ihre Abberufung. Foto: dpa Josefa Schmid wehrt sich gegen ihre Abberufung.
Berlin. 

In Großbritannien haben sie Meghan Markle an diesem Mai-Freitag – in Deutschland Josefa Schmid. Die kleinen und größeren, immer ein bisschen gemeinen Enthüllungsgeschichten über die Fast-Prinzessin sind am Tag vor der Hochzeit längst erschienen; jetzt übt die Insel den Freudentaumel. Berlin, das politische, schwankt auch. Aber aus Unentschiedenheit. Es weiß noch nicht genau, was es halten will – und muss – von den Vorgängen, in die der Bundesinnenminister verwickelt ist. Und eine Bundesbeamtin und ehrenamtliche Bürgermeisterin aus Bayern. Und die Enthüllungen in dieser Beziehung beginnen gerade erst.

Grundsätzlich geht es um Politik und um Verwaltungshandeln. Zwei eher spröde Bereiche, in denen sich in diesem Fall aber eine Affäre ergeben hat, die Skandal-Potenzial hat. In der Bremer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) soll die einstige Leiterin über Jahre Asyl-Akten manipuliert haben; die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Verdächtige wurde freigestellt – als neue Chefin kam zu Jahresbeginn eine Bayerin nach Bremen: Josefa Schmid.

Daheim in Kollnburg

Bis vor zehn Tagen interessierte das jenseits von Bremen und Kollnburg im Bayerischen Wald niemanden. Inzwischen müssen die Sprecher von Horst Seehofer dreimal wöchentlich Auskunft geben zum Verhalten ihres Ministers in Sachen Bamf ganz allgemein und speziell in Sachen Josefa Schmid.

Die beteuert, sie habe Seehofer zwei Wochen nach seinem Amtsantritt, am 30. März, über „ungeheuerliche Vorgänge in einer unglaublichen Dimension“ – nicht nur in Bremen, auch in der Nürnberger Zentrale – informiert: per SMS an sein privates Mobiltelefon. Seehofer will erst am 19. oder 20. April von Schmids Erkenntnissen erfahren haben. Dabei hatte sie seinem Staatssekretär und CSU-Parteifreund Stephan Mayer am 4. einen detaillierten Bericht zukommen lassen.

Als Schmid damit vergangene Woche auch an die Öffentlichkeit ging, beorderte die Nürnberger Bamf-Zentrale sie umgehend aus dem Norden zurück nach Niederbayern und begründete das mit ihrer „Fürsorgepflicht“ für eine Beamtin, die plötzlich dem Interesse der Journalisten ausgesetzt sei.

Klage gegen Versetzung

Schmid aber klagt gegen die Versetzung, gerichtlich. Sie will nicht nach Deggendorf und schon gar „nicht vor den Medien geschützt werden“. Das hat sie am Sonntag Seehofer geschrieben, diesmal per Brief. Darin bat sie den Minister nicht nur, ihr zur Rückkehr zu verhelfen, sondern auch um ein persönliches Gespräch.

Aber es sieht nicht so aus, als legte Seehofer Wert auf ein Date mit Schmid. „Es wird“, sagt sein Sprecher am Freitag, „angemessen und entsprechend geantwortet – aber nicht zwangsläufig durch den Minister selbst.“

Man würde von Josefa Schmid jetzt gerne wissen, ob sie ihren Brief noch einmal so formulieren würde. Darin schrieb sie Seehofer, wie sie sich „unendlich darüber gefreut“ habe, „dass Sie mein oberster Dienstvorgesetzter und Bundesinnenminister in Berlin werden“. Aber Schmid will sich in dieser Phase öffentlich nicht äußern.

Das tun dann andere. In Kollnburg beispielsweise, wo sie seit zehn Jahren Bürgermeisterin ist. In „quer“, dem witzigsten Polit-Magazin des deutschen Fernsehens. „Ein Supermensch“, sagen die einen, „unfreundlich, übermütig“ die anderen. Es wird gezeigt, dass Schmid auch als Schlägersängerin auftritt, und natürlich wird auch die „Penthouse“-Geschichte erwähnt. Das Männermagazin hatte Fotos von ihr gemacht, in Unterwäsche und Pelz – aber nie gedruckt. Das besorgte dann fünf Jahre später eine Heimatzeitung. Punktgenau als Schmid Landrätin werden wollte.

Die CSU wollte das nicht. So wie sie Schmid auch schon zur Bürgermeisterwahl nicht nominiert hatte. Sie kandidierte beide Male trotzdem. Gewann erst, verlor dann. Und trat, nach vielen Streitereien, irgendwann aus. Die Partei hatte sie schon viel länger loswerden wollen. „Sie iss halt a moderne Frau“, sagt eine Kollnburgerin – und meint es als Lob. „Eigenwillig, eigensinnig und beratungsresistent“, giftete dagegen über Schmid ihr Kreisvorsitzender Helmut Brunner. Solange Seehofer Ministerpräsident war, war Brunner sein Minister. Seehofer sagt jetzt kein Wort über Schmid. Staatssekretär Mayer beteuert, man nehme ihren Bericht „außerordentlich ernst“ .Und gleich danach, dass es „überhaupt keine Hinweise“ auf Missstände auch in der Zentrale gebe.

Kritische Gemeinderäte

„In Kollnburg hat „quer“ ein Trio grimmiger Schmid-Kritiker aufgetan, Gemeinderäte allesamt, CSU, SPD, „Unabhängige“. Alle sagen, sie vernachlässige ihr Bürgermeisteramt. Zum Job kommt gerade wieder einmal Wahlkampf. Landtag diesmal. Für die FDP. Aber das sagt der „Unabhängige“ auch: „Ich glaub’ schon, dass sie für die Arbeit die Richtige war.“ Er meint nicht sein Dorf. Er meint das Bamf.

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen