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Französische Präsidentschaftskandidaten zeigen vor allem viel Respekt: Fillon und Juppé: Die sanften Rivalen

Wer wird Präsidentschaftskandidat der französischen Republikaner? Ex-Premierminister Fillon geht als Favorit in die Stichwahl – sein Gegner Alain Juppé gerät ins Hintertreffen, obwohl er ein weniger radikales Programm anbietet, das auch die politische Linke ansprechen soll.
Duell der Konservativen: François Fillon (links) und Alain Juppé konkurrieren um die Kandidatur für das Präsidentenamt in Frankreich. Foto: ERIC FEFERBERG (POOL) Duell der Konservativen: François Fillon (links) und Alain Juppé konkurrieren um die Kandidatur für das Präsidentenamt in Frankreich.
Paris. 

Zwei alte Parteifreunde von ähnlich reserviertem Temperament, die einander als Rivalen bekämpfen müssen, wenn auch bitte nicht allzu aggressiv: Das letzte Fernsehduell vor der Wahl des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner an diesem Sonntag zeigte Alain Juppé und François Fillon in einer komplizierten Spagat-Übung. Einerseits betonten die beiden ehemaligen Premierminister, von denen jeder zudem bereits Minister im Kabinett des anderen war, ihren großen Respekt voreinander; zugleich versuchten sie jeweils, den Unterschied zum Gegner herauszustellen.

Am Sonntag können alle Anhänger der konservativen Republikaner, die wahlberechtigt in Frankreich sind, darüber abstimmen, wer Kandidat für die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2017 wird. Dabei ist unklar, ob erneut so viele Wähler mobilisiert werden können wie am Sonntag vor einer Woche, als 4,3 Millionen Bürger ihre Stimme abgaben. Meinungsforscher vermuten, dass sich viele von ihnen beteiligten, um die erneute Krönung Nicolas Sarkozys zu verhindern. Der umstrittene Ex-Präsident hatte mit 20,7 Prozent der Stimmen nur den dritten Platz erreicht. Seit seinem überraschend frühen Ausscheiden fehlte in der Debatte allerdings ein feuriger Polemiker; mit seinen Themen rund um Einwanderung und innere Sicherheit hatte er oft den Wahlkampf monopolisiert. Zugleich bringen weder der seriöse Biedermann Fillon noch der als „Kräutertee“ verspottete Juppé denselben Enthusiasmus mit.

Stattdessen legten die beiden Finalisten in einem sachlichen Schlagabtausch souveräne Gelassenheit und Optimismus an den Tag. Das galt vor allem für Fillon, der frühere Außenseiter, der mit einem Ergebnis von 44,1 Prozent in der ersten Runde nun als klarer Favorit vor Juppé mit 28,6 Prozent gilt – und das, obwohl er den Franzosen eine regelrechte Rosskur verspricht.

Denn der 62-jährige Fillon, der fünf Jahre lang Regierungschef unter Sarkozy war, hat seitdem dessen Mangel an Reformmut beklagt. Er gibt nun den radikalen Modernisierer, der das Renteneintrittsalter von 62 auf 65 Jahre heben, statt der 35-Stunden-Woche die Arbeitszeit durch Betriebsvereinbarungen festlegen lassen, eine tiefgreifende Entbürokratisierung durchführen und 500 000 Beamtenstellen streichen will. Auch sieht Fillon massive Abgabensenkungen und zugleich eine Erhöhung der Mehrwertsteuer vor. Neben diesen Vorschlägen, die seine Kritiker „ultraliberal“ nennen, legt der praktizierende Katholik Fillon eine wertkonservative und autoritäre Haltung an den Tag, um den rechten Parteiflügel hinter sich zu bringen. So erklärte er, die von Präsident Hollande eingeführte Homo-Ehe abzulehnen. Auch sei eine multikulturelle Gesellschaft nicht wünschenswert und Einwanderer müssten sich „assimilieren“.

Juppé wiederum empfiehlt Frankreich eine „nicht zu brutale“ Modernisierung, da Reformen nicht als schmerzhaft, sondern positiv gesehen werden sollten. Er will nur halb so viele Posten im öffentlichen Dienst kürzen, das Arbeitsrecht weniger radikal umbauen und verteidigte Frankreich als Land der Vielfalt: „Wir sind nicht alle gleich, wir haben verschiedene Religionen, manche haben auch gar keine, verschiedene Hautfarben und politische Ansichten“, so der 71-Jährige, der auch die politische Mitte ansprechen will. „Ich sehe das als Reichtum, solange sich nicht einzelne Gruppen absondern.“

Mit seiner weltoffenen Sicht stößt Juppé allerdings die Anhänger des Rechtsflügels ab – und die Gefahr besteht, dass sie zu Marine Le Pen abwandern. Doch bei dieser Präsidentschaftswahl wird es auch darum gehen, die Rechtspopulistin im Zaum zu halten. Sie ist die einzige, die längst als gesetzt für den Einzug in die zweite Runde gilt.

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