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Flughafenprotest und kein Ende

Von Von Montag an darf der Flughafenbetreiber Fraport durch eine Entscheidung des Regierungspräsidiums Darmstadt auf einem Waldareal, das er für einen Autobahnanschluss zum neuen Terminal 3 braucht, erste ökologische Prüfungen vornehmen. Auch wenn der Weg politisch geebnet scheint: Der Widerstand vieler Bürger gegen dieses Projekt und die Flughafenerweiterung allgemein ist ungebrochen – und in der Region tief verwurzelt.
Eine Computergrafik zeigt das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen. Bilder > Foto: Fredrik von Erichsen (dpa) Eine Computergrafik zeigt das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen.
Frankfurt. 

Es ist für den Flughafenbetreiber Fraport ein weiterer Schritt in Richtung Bau des neuen Terminals 3: Das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) hat den Antrag auf eine sogenannte vorzeitige Besitzeinweisung für ein Gebiet im Treburer Oberwald genehmigt. Fraport will dort einen Autobahnanschluss für das neue Terminal 3 bauen. Das bestätigte das RP auf Anfrage dieser Zeitung. Diese Entscheidung macht die Fraport zur vorläufigen Besitzerin und erlaubt ihr, auf dem Grundstück Vorbereitungen für das Bauvorhaben zu treffen.

Zwischen der Gemeinde Trebur und dem Flughafenbetreiber hatte es seit Jahren ein Gezerre um das Areal gegeben. Lange Zeit wehrte sich Trebur gegen einen Verkauf. Erst im November 2017 stimmte die Gemeindevertretung grundsätzlich zu. Da sich die Verhandlungen jedoch hinziehen könnten, setzt Fraport auf das Instrument der vorzeitige Besitzeinweisung.

„Dies“, kommentierte Fraport-Sprecher Torben Beckmann die Entscheidung des RP, „schafft für uns die entsprechende Rechtssicherheit, zeitnah mit den vorlaufenden ökologischen Maßnahmen beginnen zu können.“ Das sei notwendig, um an dem Zeitplan festzuhalten, der die Inbetriebnahme der Anschlussstelle Zeppelinheim im Jahr 2021 vorsehe. „Wir sind aber nach wie vor an einer einvernehmlichen Lösung mit der Gemeinde Trebur interessiert und werden entsprechende Gespräche über einen Kauf der Flächen fortsetzen.“

„Letztlich eine Enteignung“

Empört über die jüngste Entwicklung zeigt sich hingegen Dietrich Elsner, Sprecher des Bündnisses der Flughafen-Bürgerinitiativen. „Das ist doch derselbe Prozess, wie er für die Landebahn Nordwest durchgezogen worden ist“, sagt er. Der sei zwar rechtlich begründet. „Aber diese Gesetze sind letztlich Enteignungsgesetze. Hier werden die natürlichen Rechte der Eigentümer und der Bevölkerung völlig vernachlässigt und gerechtfertigt mit dem angeblichen wirtschaftlichen Bedarf, den Fraport reklamiert.“

Erst im Dezember hatte der Flughafenbetreiber beim geplanten Bau des Billigflieger-Flugsteigs am Terminal 3 eine weitere Hürde genommen. Das hessische Verkehrsministerium teilte der Stadt Frankfurt mit, dass das Projekt grundsätzlich mit dem Planfeststellungsbeschluss vereinbar sei. Damit entscheidet als nächstes die kommunale Bauaufsicht über den im August gestellten Bauantrag.

Mit dem Bau des rund 200 Millionen Euro teuren Flugsteigs G im Süden des Flughafens soll Plänen des Flughafenbetreibers Fraport zufolge Mitte 2018 begonnen werden. Die Inbetriebnahme ist für das Jahr 2020 geplant. Dann sollen dort vier bis fünf Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden. Der Flugsteig ist als Teil des umstrittenen dritten Frankfurter Passagier-Terminals geplant, das im Jahr 2023 in Betrieb gehen soll.

Demonstration am Sonntag

Unterdessen ist der Widerstand gegen die Flughafenerweiterung ungebrochen. So treffen sich am Sonntag Bürger und Naturschützer, um im Treburger Oberwald zu protestieren. Organisatorin Petra Schmidt sieht in den jahrzehntelangen Protesten gegen die Flughafenerweiterung einen Grund, weshalb sich viele Projekte lange hinzögen: „Den langen Atem und den langen Zorn brauchen soziale Bewegungen, wenn sie sich gegen die Kapitalmacht der Luftverkehrsindustrie stellen.“ Peter Illert von der Umweltschutzorganisation „Robin Wood“ ergänzt: „Der Flughafen hat sich anzupassen – nicht die Region.“

Die Proteste sind tief in der Region verwurzelt, der Antrieb der Demonstranten ist seit Jahrzehnten derselbe. Die Ausgangslage beim Treburer Wald ähnelt dem Streit um den Flörsheimer Wald, der sich in den 80er Jahren so sehr aufheizte, dass tödliche Schüsse auf Polizisten fielen. Ebenso erinnert die Situation an das Hüttendorf, das Ausbaugegner 2008 zur Verhinderung der Nordwest-Landebahn im Kelsterbacher Wald errichteten. Manche protestieren schon lange, andere führten den Widerstand weiter, den ihre Eltern im Streit gegen die Startbahn West begonnen hatten. Seite 8

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