E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 23°C

Urteil: Formulare dürfen männlich bleiben

Von Eine Sparkassenkundin aus dem Saarland wollte erzwingen, dass in Vordrucken nicht nur vom Kontoinhaber, sondern auch von der -inhaberin die Rede ist. Doch ihre Klage scheiterte vor dem Bundesgerichtshof. Der Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebunds begrüßt das Urteil.
Formulare der Sparkasse mit männlicher Anrede. Foto: Uli Deck/Archiv Formulare der Sparkasse mit männlicher Anrede.
Frankfurt. 

Es gibt keinen einklagbaren Anspruch auf weibliche Personenbezeichnungen in Vordrucken und Formularen. Wo etwa vom Antragsteller, Mieter oder Käufer die Rede ist, sind auch Frauen gemeint. Dies entspräche dem „allgemein üblichen Sprachgebrauch und Sprachverständnis“, stellte der Bundesgerichtshof gestern in einem Urteil klar. „Ein solcher Sprachgebrauch bringt keine Geringschätzung gegenüber Personen zum Ausdruck, deren natürliches Geschlecht nicht männlich ist.“ Geklagt hatte eine 80-jährige Saarländerin gegen ihre Sparkasse. Marlies Krämer fordert, dass in standardisierten Unterlagen künftig nicht mehr nur der Darlehensnehmer oder Kontoinhaber erwähnt wird, sondern auch die Darlehensnehmerin und die Kontoinhaberin. Sie unterlag in allen drei Instanzen, ans Aufgeben denkt sie allerdings nicht. „Ich ziehe auf jeden Fall vor das Bundesverfassungsgericht“, kündigte sie nach dem Karlsruher Urteil an. Notfalls will sie die weibliche Formularsprache vor dem Europäischen Gerichtshof durchsetzen.

„Amtshöflichkeit“

Sollte Krämer doch noch Erfolg haben, müssten wahrscheinlich auch Kommunen einige Formulare neu drucken. Derzeit entscheide noch jede Gemeinde selbst, ob sie weibliche Personenbezeichnungen in ihren Vordrucken verwende oder nicht, sagte Karl-Christian Schelzke, Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebunds. „Ich finde es gut, dass es keine Pflicht dazu gibt“, begrüßte Schelzke die Entscheidung des Bundesgerichtshofs. „In vielen Kommunen ist es aber längst üblich, in Formularen auch die weibliche Form zu nennen, wenn dafür Platz ist. Das ist eine Frage der Amtshöflichkeit.“

Bislang in allen Instanzen gescheitert

Beim Blick in die Vordrucke, die in Bürgerämtern und Rathäusern der Region ausliegen, zeigt sich allerdings: Es herrscht geschlechtermäßiges Chaos. Wer etwa beim „Amt für multikulturelle Angelegenheiten“ der Stadt Frankfurt einen Diskriminierungsvorfall melden möchte, wird in dem entsprechenden Formular zwar konsequent als „Beschwerdeführer/Beschwerdeführerin“ bezeichnet. Doch bei der Frage „Gab es Zeugen?“ müssen sich Zeuginnen der männlichen Bezeichnung unterordnen.

Das Frankfurter Ordnungsamt verzichtet schon im Titel seines Formulars „Angaben zur Einladung von Studenten, Sprachschülern“ auf gendergerechte Sprache. Studentinnen und Schülerinnen sind mitgemeint, werden aber nicht extra genannt. Anders beim Gastgeber, ihm wird die weibliche Form mit Schrägstrich vorangestellt. Keine Geschlechtsunterschiede macht hingegen die Stadtreinigung FES: Auftraggeber bleibt Auftraggeber, auch wenn er eine Frau ist.

Auch die Stadt Limburg kann sich nicht so recht für den einen oder anderen Weg entscheiden. In einigen Formularen wird konsequent nur das „generische Maskulinum“ verwendet.

Schrägstrich im Kommen

So nennen Linguisten die von manchen Feministinnen bekämpfte, aber grammatisch korrekte Verwendung der männlichen Form als Sammelbezeichnung.

In anderen Limburger Formularen, etwa dem „Antrag auf Einsichtnahme in Bauakten“, kommt hingegen die Geschlechtertrennung per Schrägstrich zum Einsatz: Es wird nach dem/der „Antragsteller/in“ gefragt. Dass einzelne Kommunen das BGH-Urteil nutzen, um dem sprachlichen Wildwuchs ein Ende zu bereiten, ist unwahrscheinlich. Denn in Deutschland ist die „gendersensible“ Sprache auf dem Vormarsch. Immer mehr Behörden schreiben ihren Mitarbeitern entsprechende Schreibweisen vor. An deutschen Universitäten haben „Studierende“ die „Studenten“ längst verdrängt.

Anders in Frankreich: Premierminister Édouard Philippe wies seine Beamten an, auf Gender-Sternchen und Schrägstriche zu verzichten. „Die wichtigen Staatsverwaltungen müssen sich aus Gründen der Verständlichkeit und der Klarheit an die grammatikalischen und syntaktischen Regeln halten“, sagte er zur Begründung.

Mehr auf Seite 28

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse