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US-Wahl: Forsa-Chef Güllner: Die Nichtwähler haben Trump zum Sieg verholfen

Von Nach der Präsidentschaftswahl in den USA mussten Umfrage-Institute viel Kritik einstecken. Dass dies ungerechtfertigt ist, erklärt Meinungsforscher Manfred Güllner.
Manfred Güllner Foto: Wolfgang Kumm (dpa) Manfred Güllner
Frankfurt. 

Umfrage-Institute in den USA haben viel Kritik einstecken müssen. Denn die meisten haben bis zuletzt Hillary Clinton favorisiert. Doch Manfred Güllner, Chef des deutschen Meinungsforschungsinstituts Forsa, sagt: „Die Umfrage-Institute haben richtig gelegen. Hillary Clinton hat die Wahl mit deutlicher Stimmenmehrheit gewonnen.“

In der Tat, schaut man auf die insgesamt abgegebenen Wählerstimmen bei der US-Präsidentschaftswahl, dann war die demokratische Präsidentschaftskandidatin Clinton die Siegerin. Sie erhielt rund 61,8 Millionen Stimmen. Der neue Präsident der USA, Donald Trump, konnte nur 60,8 Millionen Wählerstimmen für sich verbuchen. Das komplizierte Wahlmännersystem in den Vereinigten Staaten hatte dafür gesorgt, dass der „Verlierer“ der Wahl letztlich der Gewinner ist.

Trotzdem: Von 67 Umfragen kurz vor der US-Wahl sahen nur vier Donald Trump an der Spitze liegen – den späteren Wahlsieger. Das war nicht die einzige Niederlage, die die Meinungsforscher in letzter Zeit einstecken mussten. Auch beim Brexit-Entscheid in Großbritannien lagen sie daneben.

Beim Meinungsforscher Güllner perlt die Kritik an seiner Zunft erst einmal ab. „Bei den Umfragen messen wir die Stimmungen der Wähler. Was wir nicht messen, sind die Stimmen am Wahltag. Das wissen auch die Parteien, und es steht auch im sogenannten Kleingedruckten, wenn wir Umfragen erheben“, so der Forsa-Chef.

Normale Fehlertoleranz

Für Güllner sind bei Wahl-Umfragen „Toleranzen bis zu drei Punkten“ in der normalen Bandbreite. Er erläutert diese Abweichungen am Beispiel eines Umfragewerts von 50 Prozent: „So kann eine Partei am Ende der Wahl genauso 47 Prozent als auch 53 Prozent der Wählerstimmen für sich verbuchen“, rechnet Güllner vor.

Dass in den USA die Meinungsforscher bei ihrer Voraussage, wer der neue Präsident wird, falsch lagen, ist für den Forsa-Chef auch eine Sache des Geldes. Das Wahlsystem mache Meinungsumfrage teuer. Die Institute fänden schwer Sponsoren für Umfragen in allen 50 Staaten. „Auf der anderen Seite haben in den USA aber die Nichtwähler die Wahl entschieden“, sagt Güllner. Die Wahlbeteiligung lag bei 47 Prozent. Letztlich hat nur jeder vierte Amerikaner Trump gewählt. Dieser holte darüber hinaus weniger Stimmen als die republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain und Mitt Romney, die gegen Barack Obama angetreten waren. Nur knapp jede vierte mögliche Wählerstimme erhielt auch Clinton bei der Wahl. Ihr hat offenbar mangelnde Mobilisierung den Sieg gekostet.

Aber das Problem der Nichtwähler – Güllner nennt sie „schweigende Mehrheit“ – ist auch in Deutschland und Hessen kein unbekanntes Phänomen. Dabei verweist Güllner als Beispiel auf die 39-Prozent-Wahlbeteiligung in der Stadt Frankfurt bei der Kommunalwahl im Frühjahr. „Wenn ich Politiker darauf aufmerksam mache, dass sie in Wahrheit nur einen geringen Teil der Bevölkerung repräsentieren, dann sind sie erst einmal ganz erstaunt und erschrocken. Kurze Zeit später gehen sie aber ihren normalen Alltagsgeschäften nach, als wenn nichts passiert wäre“, berichtet Güllner.

„Wähler auf Urlaub“

Für ihn ist es wichtig, dass die „schweigende Mehrheit“, die Güllner als „Wähler auf Urlaub“ beschreibt, wieder von der Politik wahrgenommen wird. Diese Menschen fühlten sich innerhalb der Gesellschaft nicht repräsentiert, da die herrschende Politik sich in erster Linie um die Belange von Minoritäten kümmere. Auch das komplizierte Wahlsystem des Kumulierens und Panaschierens bei den hessischen Kommunalwahlen, schrecke Wähler ab. Wenn die Politik daran nichts ändere, könne die „schweigende Mehrheit“ noch größer werden.

Trotz dieser schwierigen Gemengelage wirbt Güllner für Meinungsforschung. „Umfragen seriöser Institute sind nach wie vor repräsentativ, da in der Stichprobe alle Bevölkerungsgruppen vertreten sind.“

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