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Forscher beklagen zunehmenden Antisemitismus im Osten

Experten erkennen im Osten der Bundesrepublik immer mehr antisemitische Tendenzen - und fordern die Berufung von Antisemitismusbeauftragten in den Bundesländern.
Antisemitische und Nazi-Parolen auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Leipzig. Foto: Wolfgang Kluge Antisemitische und Nazi-Parolen auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Leipzig.
Potsdam. 

Forscher beklagen einen zunehmenden Antisemitismus im Osten Deutschlands. „Wir sind alle irritiert über die Zunahme antisemitischer Vorfälle”, sagte der Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien, Julius Schoeps, nach einem Workshop in Potsdam.

An dem Treffen hatten 40 Experten teilgenommen, darunter waren auch Vertreter von jüdischen Gemeinden und von den Ländern. Organisiert worden war das Treffen vom Zentrum und der F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz. Auch das Bundesfamilienministerium war einbezogen worden.

Schoeps forderte die Berufung von Antisemitismusbeauftragten in allen Bundesländern. Bisher fehlten in dieser Frage die Ansprechpartner. Der Bundestag hatte im Januar die Bundesregierung aufgefordert, einen Antisemitismusbeauftragten auf Bundesebene zu berufen. Darüber hinaus seien aber auch Beauftragte in den Ländern wichtig, sagte Schoeps.

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sprach sich ebenfalls dafür aus. „Ich halte das leider für eine notwendige Maßnahme”, sagte sie dem „Handelsblatt” (Samstag). Die Vergangenheit habe gezeigt, dass der Kampf gegen Antisemitismus nicht entschieden und systematisch genug geführt worden sei. „Jetzt zeigt sich aggressiver Antisemitismus von rechts, links, aus der Mitte und seitens hier lebender Muslime immer offener und ungenierter”, sagte Knobloch.

Neue Zahlen zum Ausmaß des Antisemitismus wurden auf dem Workshop nicht vorgelegt, allerdings schilderten Teilnehmer ihre Eindrücke. „Antisemitismus hat in allen gesellschaftlichen Bereichen zugenommen - bis weit in die Mitte der Gesellschaft”, sagte Susanne Krause-Hinrichs, Geschäftsführerin der F.C. Flick Stiftung. An vielen Stellen müsse intensiv gearbeitet werden, damit die Stimmung in der Gesellschaft nicht kippe.

Investitionen in Bildung seien zentral, um antisemitischen Tendenzen entgegenzuwirken, urteilten die Experten. Es gebe sowohl bei Lehrern als auch Schülern eine große Unkenntnis über Juden, jüdisches Leben und den Staat Israel, sagte Krause-Hinrichs. Auch die Polizei müsse besser geschult werden im Umgang mit antisemitischen Straftaten. „Zentral ist Schulung, Weiterbildung - in allen Bereichen”, sagte Schoeps.

Der Wissenschaftler Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum sagte, die Agitation der im Osten besonders starken AfD habe auch den Antisemitismus befördert. „Hier sind Schleusen des Hasses bewusst geöffnet worden.” Die AfD müsse in den neuen Ländern als rechtsextrem bezeichnet werden.

(dpa)
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