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Terrorverdächtiger Oberleutnant: Franco A. und seine Offenbacher Wurzeln - eine Spurensuche

Der unter Terror-Verdacht festgenommene Oberleutnant Franco A. stammt aus Offenbach. In der Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil in Deutschland ging er zur Schule. Fiel er schon damals mit fremdenfeindlichen Äußerungen auf?
Symbolbild Foto: Marcel Kusch (dpa) Symbolbild
Offenbach.  Die alte Schule von Franco A. in Offenbach trägt die Auszeichnung «Schule ohne Rassismus». Demokratieerziehung und die Auseinandersetzung mit Extremismus sind an der Integrierten Gesamtschule seit vielen Jahren ein Schwerpunkt, wie Direktorin Karin Marré-Harrak sagt. An ihren ehemaligen Schüler Franco A. erinnert sie sich nicht persönlich. Sie weiß aber von seinem langjährigen Klassenlehrer, dass er in seiner Zeit an der Schillerschule von 1999 bis 2005 keinerlei rechtsextreme oder ausländerfeindliche Gesinnung erkennen ließ. «Wir wundern uns auch», sagt sie. Wann hat sich der 28-Jährige radikalisiert?

Der mutmaßlich rechtsextreme Oberleutnant steht unter Terrorverdacht. Er soll laut Bundesanwaltschaft zusammen mit seinem Offenbacher Kumpel Mathias F. und dem am Dienstag festgenommenen Maximilian T. aus dem 30 Kilometer entfernten Seligenstadt einen Angriff auf das Leben hochrangiger Politiker und Personen des öffentlichen Lebens geplant haben, die sich in Ausländer- und Flüchtlingsangelegenheiten engagieren. Als Anschlagsopfer hätten die drei Männer unter anderem den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) im Visier gehabt.

Die Lehrer von Franco A. aus Offenbach erinnern sich daran, dass er schon früh zur Bundeswehr wollte. Und: «Er war ein guter, leistungsstarker Schüler, der in die Oberstufe versetzt wurde», sagte Marré-Harrak. Die gibt es an der Schillerschule nicht, Franco A. wechselte an ein Oberstufengymnasium ins benachbarte Frankfurt, an dem Schüler aus mehr als 50 Nationen lernen - in der Regel aber nur drei Jahre.

Integration, Toleranz, Kulturaustausch und der Dialog zwischen den Religionen werden an der Frankfurter Max-Beckmann-Schule ebenfalls seit vielen Jahren groß geschrieben. Der Fall mache die Kollegen daher durchaus betroffen und beschäftige sie grundsätzlich, sagt Schulleiter Harald Stripp. Allerdings habe Franco A. die Schule bereits vor neun Jahren verlassen. «Das ist eine lange Zeit, in der sich Menschen weiterentwickeln und ihrem Leben eine Richtung geben können, die man als Pädagoge nur schwer voraussehen oder beeinflussen kann.»

Franco A. ist in seiner multikulturellen Heimat Offenbach nicht besonders aufgefallen. «Er hat sich sehr unauffällig verhalten», berichtet Polizeisprecher Henry Faltin aus der Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil in Deutschland. Franco A. wuchs im Offenbacher Nordend auf - einem dicht besiedelten innerstädtischen Quartier mit hohem Migrationsanteil. Sein Vater soll dem Vernehmen nach Italiener sein.

Sein mutmaßlicher Komplize Mathias F. (24), der bis zu seiner Festnahme Ende April in Friedberg an der Technischen Hochschule Mittelhessen Wirtschaftsingenieurwesen studierte, sei der Polizei ebenfalls nicht bekannt gewesen. «Offenbach ist auch weiß Gott keine Metropole der Rechten, eher im Gegenteil», sagt Faltin. Die Stadt mit ihren rund 130 000 Einwohnern machte in den vergangenen Jahren eher mit Salafisten Schlagzeilen. Trotzdem - zwei der drei Beschuldigten stammen aus der Lederstadt - einer aus dem Kreis Offenbach.

Der Verfassungsschutz stellt fest: «Auch wenn in einzelnen Ballungszentren begrenzte rechtsextremistische Strukturen existieren, ist für Hessen grundsätzlich festzustellen, dass der organisierte Rechtsextremismus in ländlichen Regionen stärker ausgeprägt ist.» Eine Ausnahme sei beispielsweise die rechtsextremistische Identitäre Bewegung. «Die IB versucht, sich vorwiegend in einem städtisch und eher studentisch geprägten Umfeld zu etablieren», sagt der Sprecher des Landesamts für Verfassungsschutz, Marcus Gerngroß.

Zum Fall Franco A. und seinen beiden mutmaßlichen hessischen Komplizen äußert sich die Behörde mit Blick auf die laufenden Ermittlungen in Karlsruhe nicht. Die Verfassungsschützer stellen aber allgemein fest, dass einzelne Rechtsextremisten an überregionalen Aktionen der Szene teilnehmen, ohne an ihren Wohnorten öffentlich mit verfassungsfeindlichen Aktionen in Erscheinung zu treten.

Zumindest die beiden verdächtigen Offenbacher Franco A. und der vier Jahre jüngere Mathias F. sollen sich vom Rudern kennen. Die Schwester von Maximilian T. war nach bisherigen Kenntnissen die Freundin von Franco A.

Fiel Francos Gesinnung beim Sport auf? Im Offenbacher Ruderverein 1874 dazu kein Wort. Der Vorsitzende Konrad Eberl begründet dies mit Datenschutz. Ein früherer Trainer beschreibt Franco A. in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ/Dienstagsausgabe) als «ehrgeizig, korrekt und offen». Eine extreme Gesinnung sei «überhaupt nicht aufgefallen». Er habe erfolgreich trainiert und sei sogar mehrfach Hessenmeister gewesen. Nach dem Abitur habe er mit dem Rudern aufgehört und der Kontakt habe sich verloren, nachdem Franco A. zur Bundeswehr gegangen sei.

(dpa)

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