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Hohe Mietpreise: Frankfurt: Wohnen wird immer teurer – Stadtverwaltung will Förderung massiv ausweiten

Von Viele Menschen suchen in Frankfurt eine Wohnung, und sind entsetzt über die Preise. Viele müssen sich im Umland umsehen, weil es für sie zu teuer wird. Die Stadt Frankfurt will mehr geförderten Wohnraum. Schießt sie dabei über das Ziel hinaus?
In Frankfurt sind zuletzt viele Wohnungen gebaut worden, wie hier im Europaviertel. Auf die Mieten hat das keinen dämpfenden Einfluss. Sie steigen weiter. Foto: Salome Roessler In Frankfurt sind zuletzt viele Wohnungen gebaut worden, wie hier im Europaviertel. Auf die Mieten hat das keinen dämpfenden Einfluss. Sie steigen weiter.
Frankfurt. 

1872 schrieb Friedrich Engels: „Die Ausdehnung der modernen großen Städte gibt in gewissen, besonders den zentral gelegenen Strichen derselben dem Grund und Boden einen künstlichen, oft kolossal steigenden Wert.“ Die Folge der steigenden Preise sei die Verdrängung der Arbeiter aus den Zentren.

Die Arbeiter heißen heute eher Busfahrer, Krankenschwestern und Polizisten. Aber sie können wohl bezeugen, dass der fast 150 Jahre alte Engels-Satz für Städte wie Frankfurt heute gültiger ist denn je.

Wohnen in Frankfurt ist für Normalverdiener fast unerschwinglich geworden. „Ich finde nichts“, sagt eine junge Mutter, die mit ihren zwei Kindern eine 80 Quadratmeter große Wohnung in Frankfurt für gerade noch für sie bezahlbare 800, 900 Euro sucht. Das wären zehn Euro pro Quadratmeter, mit Nebenkosten. Aber normal sind in Frankfurt inzwischen Mieten von 13 bis 15 Euro pro Quadratmeter und mehr. Bei einer solchen Miete gingen bei der jungen Frau mehr als die Hälfte des Gehalts für die Miete drauf, obwohl sie eher gut verdient.

Was tut die Region, was das Land?

Nicht nur in Frankfurt, sondern auch im Umland der Stadt gibt es öffentlich geförderten Wohnraum. Wir nennen Beispiele:  

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„Diese Mietpreise sind ungerecht“, sagt ein Endfünfziger, der sich nach einer Trennung Wohnen in Frankfurt nicht mehr leisten kann und weit vor die Tore der Stadt gezogen ist. Denn nur bis Hofheim oder Bad Homburg zu ziehen, reicht nicht. Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzverein, sagt: „Wirklich günstiger werden die Mieten erst 40 bis 50 Kilometer entfernt von Frankfurt.“ Aber dann täglich in die Mainmetropole zu pendeln, das kostet Zeit, Geld, Nerven und geht auf die Gesundheit, wie Ärzte wissen. Und auch auf die Leistungsfähigkeit im Job. Denn wer nach Feierabend eine Bahn oder einen Bus bekommen muss, die nur alle Stunde fahren, arbeitet nicht so konzentriert und locker mal eben fünfzehn Minuten länger.

Weniger Kosten

Warum sind die Mieten in Frankfurt so explodiert? Kolja Müller, Referent des Frankfurter Planungsdezernenten Mike Josef (SPD), sieht vor allem zwei Gründe: Mit der Bankenkrise habe seit 2008 ein Ansturm auf Immobilien eingesetzt. Das habe die Preise hochgetrieben und sie von der Entwicklung der Löhne abgekoppelt. Zweitens gebe es einen verstärkten Zuzug vom Land. In der Vergangenheit sei zu wenig gebaut und potenzielle Flächen verkauft worden, fügt er hinzu. Jetzt bemühe sich die Stadt vermehrt, geförderten Wohnraum entstehen zu lassen. Der Kreis der Berechtigten wurde deutlich erweitert. Aktuell verfügt die Stadt über rund 32 000 Sozialwohnungen im engeren Sinn. Dazu kommen öffentlich geförderte Wohnungen.

Künftig sollen sage und schreibe zwei Drittel der Bürger, also rund eine halbe Million Frankfurter, berechtigt sein, in geförderten Wohnungen zu leben. In diesen Wohnungen ist die Miete vom Marktpreis abgekoppelt.

In Stufe eins (Singles mit unter 25 000 Netto-Jahreseinkommen, Familien unter 48 000 Euro) beträgt die Miete 8,50 Euro pro Quadratmeter. Bei Stufe zwei sind es 9,50 Euro und in Stufe drei 10,50 Euro. Die dritte Berechtigungsstufe reicht bis fast zu Jahres-Einkommen von 60 000 Euro.

Die Miete der geförderten Wohnungen liegen deutlich unter dem Marktpreis, weil die Stadt dem Bauherrn Zuschüsse bis zu 500 Euro pro Quadratmeter und dazu noch zinslose Darlehen gewährt, und dafür verlangt, dass die Wohnungen auf Jahrzehnte günstig vermietet werden. Der Stadt stehen für dieses Programm jährlich bis zu 45 Millionen Euro zu Verfügung.

„Wahlkampf-Manöver“

Zumindest die dritte Stufe, in der letztlich auch sehr gut verdienende Mieter mit Steuergeld gestützt werden, halten einige für fragwürdig. So zum Beispiel Jürgen H. Conzelmann. Der Vorstandschef der Eigentümerschutzgemeinschaft Haus und Grund in Frankfurt hält die extreme Ausweitung der Förderstufen für ein „Wahlkampf-Manöver aus dem SPD geführten Planungsbüro“. Warum müsse eine Familie, die immerhin über fast 5000 Euro netto im Monat verfügt, bei der Miete – letztlich aus Steuermitteln – entlastet werden? Conzelmann hält es auch für „politisch nicht unproblematisch“, wenn man praktisch zwei Drittel der Bürger einer vergleichsweise wohlhabenden Stadt wie Frankfurt als „bedürftig“ darstelle. Denn damit wecke man falsche Erwartungen. „So viel geförderter Wohnraum kann in absehbarer Zeit gar nicht gebaut werden.“

Was schlägt Conzelmann selbst vor? Er sagt, man könne durch Nachverdichtung, wie sie beispielsweise jetzt schon in der Platen-Siedlung geschehe, viele neue Wohnungen in Frankfurt schaffen und damit Druck vom Markt nehmen. Aktuell fehlen seiner Meinung nach in Frankfurt 5000 bis 10 000 Wohnungen im bezahlbaren Segment.

Von einer verschärften Mietpreisbremse, wie sie Janßen fordert, hält er nichts. Schließlich habe die Mietpreisbremse, die es schon gäbe, nicht nur nicht den gewünschten Erfolg gebracht, sondern sogar das Gegenteil bewirkt. Viele Vermieter, die seit Jahren die Miete nicht erhöht hätten, hätten in einer Art Torschlusspanik bevor die Bremse kam, noch einmal draufgeschlagen oder seien durch die erlaubten Preise überhaupt erst darauf aufmerksam geworden, dass sie von ihren Mietern bisher viel weniger verlangten als möglich.

Conzelmann vertraut auf Entspannung der Preise durch ein vergrößertes Wohnangebot. Einig ist er sich mit Planungsdezernat und Mieterschutzverein darin, dass alle glauben, dass Frankfurt den gestiegenen Druck auf die Region nicht allein schultern kann. Conzelmann glaubt aber, man müsse „mit Gespür und ohne Arroganz“ mit den Umlandgemeinden mehr interkommunale Baugebiete entwickeln. Wie schwierig das konkret ist, zeigt das Gerangel mit Steinbach und Oberursel um den geplanten neuen Frankfurter Stadtteil an der A 5.

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