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Greenpeace präsentiert Studie zu Stickoxiden: Frankfurter Luft noch schlechter als vermutet

Von In deutschen Großstädten wie Frankfurt, Wiesbaden oder Mainz wird der Grenzwert für Stickstoffdioxid flächendeckend nicht eingehalten. Zu diesem Schluss kommt eine gestern veröffentlichte Studie von Greenpeace. Das hessische Verkehrsministerium bringt jetzt wieder eine „blaue Plakette“ ins Gespräch, um Dieselfahrzeuge auszusperren.
Nur noch mit Gasmaske in die Innenstadt? Der Autoverkehr führt zu einer hohen Belastung mit Stickstoffdioxid. Foto: Markus Heine (NurPhoto) Nur noch mit Gasmaske in die Innenstadt? Der Autoverkehr führt zu einer hohen Belastung mit Stickstoffdioxid.
Frankfurt. 

Dieselfahrzeuge sind nicht erst seit dem VW-Abgasskandal in Verruf geraten. Schon seit Jahren ist klar, dass sie zu viel Stickstoffdioxid (NO2) ausstoßen und für schlechte Luft in den Städten sorgen. Doch die Situation ist noch viel dramatischer, als es die offiziellen Messungen vermuten lassen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Umweltphysik der Universität Heidelberg hin. Die Experten haben im Auftrag von Greenpeace die Luftqualität in zwölf Städten gemessen, unter anderem in Frankfurt, Wiesbaden und Mainz. An vielen Stellen wurde der zulässige Grenzwert für NO2 überschritten.

An 14 Stellen haben Experten der Uni Heidelberg die Stickoxid-Werte gemessen. Demnach wird überall das zulässige Limit überschritten.
Studie: Gesundheitsrisiko "vollständig unterschätzt" Schlechte Luft auch am Römerberg

Seit Jahren ist bekannt, dass in Frankfurt die Grenzwerte für Stickstoffdioxid nicht eingehalten werden können. Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie von Greenpeace zeigt erstmals, wie groß das Problem vor allem in der Innenstadt ist.

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Spitzenreiter in Hessen sind der Bahnhofsplatz in Wiesbaden und die Börnestraße in Frankfurt, wo nach Einschätzung der Heidelberger Fachleute die Belastung im Jahresmittel bei 115 bzw. 90 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft liegt. Zulässig sind aber nur 40 Mikrogramm. Dieser Wert wird laut den offiziellen Messungen nur an verkehrsreichen Straßen überschritten. Doch die Greenpeace-Studie ermittelte eine hohe Schadstoffkonzentration sogar in Fußgängerzonen, etwa auf dem Frankfurter Römerberg. „In Innenstädten sammeln sich in schlecht durchlüfteten Straßen die Schadstoffe“, sagte Denis Pöhler, einer der Autoren der Studie, im Gespräch mit dieser Zeitung. Das hessische Umweltministerium hat zwar Zweifel an der Berechnungsmethode, kündigte aber an, „besonders auffälligen Ergebnissen messtechnisch nachzugehen“.

Greenpeace bringt jetzt erneut eine „blaue Plakette“ ins Gespräch, mit der alte Dieselfahrzeuge aus den Innenstädten verbannt werden könnten. Deren Einführung hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im August abgelehnt, doch auf der heute in Stuttgart beginnenden Verkehrsministerkonferenz steht das Thema „Luftreinhaltung“ erneut auf der Tagesordnung. Auf die blaue Plakette setzen mehrere Länder, darunter Hessen. Dabei soll es Übergangsfristen geben, betonte Marco Kreuter, Sprecher von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Fahrverbote dürften erst greifen, „wenn mindestens 80 Prozent der Pkw die Anforderungen der neuen Plakette erfüllen“. Klar sei, dass weitere Schritte zur Verbesserung der Luftqualität dringend nötig sind. Dazu sei das Land allein schon wegen mehrerer Gerichtsurteile gezwungen.

Auch Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hält eine blaue Plakette für richtig. Sie weist aber auch darauf hin, dass damit diejenigen Autofahrer bestraft würden, die sich in jüngster Zeit einen Diesel gekauft haben und darauf vertrauten, dass er den Umweltanforderungen genügt. Sie sieht die Autoindustrie in der Pflicht. „Soll sie doch die Fahrzeuge kostenlos nachrüsten“, schlug sie vor. Andere Maßnahmen wie eine „City-Maut“ seien zwar sinnvoll, aber politisch nicht durchsetzbar.

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