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Der Traum vom alten Amerika: Freddy Langer porträtiert die Menschen an der legendären Route 66

Von Eigentlich hat Freddy Langer ein Reisebuch geschrieben – über die mythische Route 66. Aber vor dem Hintergrund des Amerikas von Donald Trump liest sich das Buch plötzlich hochpolitisch.
Eigentlich hat Freddy Langer ein Reisebuch über die Route 66 geschrieben. Doch vor dem Hintergrund des Amerikas von Donald Trump liest sich das Buch plötzlich hochpolitisch. Foto: imago stock&people (imago stock&people) Eigentlich hat Freddy Langer ein Reisebuch über die Route 66 geschrieben. Doch vor dem Hintergrund des Amerikas von Donald Trump liest sich das Buch plötzlich hochpolitisch.
Frankfurt. 

Auf ihr zuckelte in Steinbecks Roman „Früchte des Zorns“ die verarmte Farmerfamilie Joad mit ihrem alten Laster der Hoffnung auf bessere Zeiten entgegen. Auf ihr jagten später Peter Fonda und Dennis Hopper in „Easy Rider“ der Polizei davon. Die Route 66 ist ein Mythos. Sie galt nach ihrer Eröffnung 1926 bald als Amerikas „Mother Street“ (Mutter aller Straßen). Irgendwann wurde sie von zum Teil vierspurigen Schnellstraßen nach dem Vorbild der deutschen Autobahnen abgelöst und vermeintlich überflüssig. Doch ausgehend von einem Privatmann aus dem Städtchen Seligman wurden zumindest viele Teilstücke der historischen Route wiederbelebt. Inzwischen ist sie eine Art Freilichtmuseum, das Touristen massenweise anlockt. Aber FAZ-Reisechef Freddy Langer hat, wie es sich für ihn, der auch ein leidenschaftlicher Wanderer ist, gehört, die Tour allein gemacht. Aus seinen Beobachtungen ist ein lesenswerter Bildband entstanden, fast eine Art Road-Movie zwischen Buchdeckeln. Es entstand zwar, bevor Donald Trump als Politiker ein Mega-Thema wurde, dennoch muss man bei der Lektüre an ihn denken. Denn die Menschen, denen Langer auf der Strecke von Chicago bis Santa Monica begegnet ist, stehen für jenes alte Amerika, das Trump beschwört und das ihn wohl größtenteils auch gewählt hat.

Das sind zum Beispiel die beiden Rentner, die in einer Kleinstadt auf einer ältlichen Veranda sitzen und auf Washington schimpfen. Vor allem auf das Steuergeld für Alternativ-Energie. Da ist der Guru, der wie Gandalf aus „Hobbit“ aussieht und den Autor an Henry David Thoreau (1817–1862) denken lässt, den Verfasser des Einsiedlerbuches „Walden“, das die Bibel der Staatsfernen ist. Da ist der Barkeeper, der UFOs für alltägliche Erscheinungen hält. Die Bemerkung, dass man solche Bilder leicht manipulieren kann, erscheint ihm gerade als der Trick, uns in Sicherheit zu wiegen. Damit wir glauben, die UFOs kämen nicht. Verschwörungstheorien pur. Aber es wäre falsch, die Menschen abzuurteilen. Ihr Amerika gibt es nicht mehr, ihre Dörfer und Städte existieren nur noch, indem sie ihre Vergangenheit vermarkten. Sonst wären sie abgehängt.

Freddy Langer hat der Route 66 ein prächtiges Denkmal gesetzt und nebenbei auch ein Stück politische Aufklärung über die USA von heute geliefert. Bleibt nur eine Frage: Wie hat es Trump, der doch für die kapitalistische Zerstörung der Werte steht, geschafft, so vielen dieser Leute das Gefühl zu geben, ausgerechnet er könnte den amerikanischen Traum wiederbeleben?

 

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