Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 8°C

Interview: GIZ-Projektleiter Wulf Killmann erklärt, wie sich Fidschi gegen die Folgen der Erderwärmung wappnet

Wenn es um das Thema Klima geht, richten sich derzeit alle Augen auf Fidschi. Hat dieser pazifische Inselstaat doch den Vorsitz der Weltklimakonferenz in Bonn. Die in Eschborn ansässige Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist schon seit längerem auf Fidschi aktiv.
Einige Dörfer auf den Fidschi-Inseln liegen sehr nahe am Wasser – ein Ansteigen des Meeresspiegels hätte dort dramatische Auswirkungen. Einige Dörfer auf den Fidschi-Inseln liegen sehr nahe am Wasser – ein Ansteigen des Meeresspiegels hätte dort dramatische Auswirkungen.

Wenn es um das Thema Klima geht, richten sich derzeit alle Augen auf Fidschi. Hat dieser pazifische Inselstaat doch den Vorsitz der Weltklimakonferenz in Bonn. Die in Eschborn ansässige Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist schon seit längerem auf Fidschi aktiv. Projektleiter Wulf Killmann erklärt im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs, woran sich im Pazifik der Klimawandel zeigt und wie die Menschen darauf reagieren.

Wie haben Sie in den sieben Jahren, in denen Sie jetzt auf Fidschi leben, die Folgen des Klimawandels erlebt?

WULF KILLMANN: Seitdem ich dort bin, wüteten in vier Jahren hintereinander drei schwere Wirbelstürme der Kategorie vier und fünf. So eine Häufung gab es früher nicht. Da trat vielleicht alle zehn Jahre mal ein solcher Zyklon auf. Außerdem gibt es keine ausgeprägten Trocken- und Regenzeiten mehr. Auch in Trockenzeiten fallen manchmal extreme Niederschläge, allein die Stadt Nadi war im vergangenen Jahr zweimal überschwemmt. In Regenzeiten kommen dafür plötzlich Dürreperioden vor, die die Landwirtschaft hart treffen. Der Klimawandel zeigt sich auch am Sterben der Korallen. Manche wunderschöne Korallen, die ich 2011/12 noch gesehen habe, leben nicht mehr.

Wie reagiert die Bevölkerung bisher?

KILLMANN: Die Menschen sind sich der Gefahr bewusst und bemühen sich, ihre Produktionsmethoden und ihr Leben den neuen Bedingungen anzupassen. Sie suchen dafür die Unterstützung des Staates und von Nichtregierungsorganisationen. Da kommen wir dann ins Spiel. Die GIZ unterstützt im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums und der EU die insgesamt 14 pazifischen Länder darin, ihre sogenannte Resilienz zu stärken – also in diesem Fall die Widerstandskraft gegen die Auswirkungen des Klimawandels.

Wulf Killmann Bild-Zoom
Wulf Killmann

Wie tun Sie das?

KILLMANN: Die GIZ arbeitet auf verschiedenen Ebenen. Auf der politischen beraten wir die Regierungen darin, wie sie den Klimaschutz in ihre nationalen Entwicklungsstrategien einbauen. Wir arbeiten aber auch mit Schulen und mit Gemeinden. So haben wir schon 700 Lehrer ausgebildet und damit 300 000 Schüler erreicht. Wir zeigen ihnen, mit welchen Problemen sie in Zukunft konfrontiert werden und welche Möglichkeiten sie haben.

Welche haben sie denn, um sich vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen?

KILLMANN: Zum Beispiel können sie durch das Anpflanzen von Mangroven die Küsten schützen. In der Landwirtschaft braucht man etwa dort, wo es feuchter wird, Gemüsesorten, die mehr Regen vertragen. Im Fischereibereich unterstützen wir die Menschen darin, künstliche Korallen zu schaffen, in deren Umgebung sie wieder fischen können – auch wenn das natürlich kein Ersatz für das Ökosystem Koralle ist.

Wie viele Mitarbeiter der GIZ sind für diese Projekte vor Ort?

KILLMANN: Wir haben im pazifischen Inselraum mehr als 60 Mitarbeiter, von denen die meisten Einheimische sind. Etwa zwölf sind aus dem Ausland entsandt, darunter sind sieben Deutsche.

Entwickeln die Menschen die Pilotprojekte weiter?

KILLMANN: Ja, und das ist sehr erfreulich. Wir haben zum Beispiel auf den Salomonen eine Gemeinde darin unterstützt, ein widerstandsfähiges Gras am Hang anzubauen, damit dieser nicht durch starke Regenfälle weggespült wird. Als wir sechs Wochen später wiederkamen, haben wir gesehen, wie sie das an weiteren Hängen umgesetzt haben. Weil sie gesehen haben, dass das sinnvoll ist.

Arbeiten die einzelnen Länder im Pazifik auch gut zusammen?

KILLMANN: Ja, die Bedrohung durch den Klimawandel hat sie eng zusammengebracht. Im gesamten pazifischen Raum leben elf bis zwölf Millionen Menschen. Es gibt verschiedene Plattformen und Projekte, bei denen sie kooperieren.

Wie lange wird eine Anpassung an den Klimawandel noch möglich sein?

KILLMANN: Das hängt von den Prognosen ab, die man zugrunde legt. Es gibt ja verschiedene Szenarien. Wenn wir von konservativen Schätzungen ausgehen, nach denen beispielsweise der Meeresspiegel bis Ende dieses Jahrhunderts um 60 Zentimeter steigt, werden sich die größeren Länder auch weiter anpassen können. Für die niedrig liegenden Atollinseln wird es natürlich schwierig. Grundsätzlich gehen wir aber davon aus, das Klimaanpassung eine Daueraufgabe ist.

Inwieweit kann das, was im Pazifik passiert, auch Folgen für uns haben?

KILLMANN: Der Klimawandel trifft uns genauso – nur dass er sich in verletzlichen Regionen wie im Pazifik oder in der Arktis jetzt schon deutlicher zeigt. Im Weltklimabericht 2007 hat man etwa noch prognostiziert, dass das Nordpolareis bis 2040 schmelzen wird – aber schon ein paar Jahre später konnte man im Sommer mit dem Schiff über den Nordpol fahren.

Werden wir langfristig mit mehr Klimaflüchtlingen rechnen müssen?

KILLMANN: Das hängt davon ab, welches Szenarium eintritt. Aber die Wahrscheinlichkeit ist schon groß.

Halten Sie es für ein gutes Zeichen, dass Fidschi und Deutschland jetzt gemeinsam die Weltklimakonferenz in Bonn ausrichten?

KILLMANN: Ja, es ist ein sehr gutes Zeichen, dass sich zwei Länder mit so unterschiedlichen Voraussetzungen zusammengeschlossen haben. Und außerdem fühlen sich alle pazifischen Inselstaaten durch Fidschi repräsentiert. Sie haben jetzt die Möglichkeit, der Welt ihre Probleme mitzuteilen – die aber letztlich die Probleme von uns allen sind.

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse