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Gabriel in Zugzwang

Wer führt die SPD als Kanzlerkandidat in die nächste Bundestagswahl? Parteichef Gabriel zögert noch mit der Entscheidung, auch Martin Schulz hat sich noch nicht erklärt.
Wer wird es? Sigmar Gabriel (rechts) oder Martin Schulz (links) Foto: imago stock&people (imago stock&people) Wer wird es? Sigmar Gabriel (rechts) oder Martin Schulz (links)
Berlin. 

In der zunehmend hitzig geführten Kanzlerkandidaten-Debatte der SPD kristallisiert sich wenigstens eine Gewissheit heraus: Die Rolle des Anwärters auf das Amt des Regierungschefs wird zwischen Parteichef Sigmar Gabriel und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz entschieden. Davon gehen zumindest Mitglieder der engeren Parteiführung aus. „Eine dritte Variante gibt es nicht“, zeigt sich ein Spitzengenosse überzeugt. Das zielt auf Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, dem stets auch Ambitionen nachgesagt werden.

Längst entschlossen?

Auf den SPD-Chef wächst der Druck, eine Entscheidung nicht bis Anfang 2017 zu verzögern. Von Gabriel heißt es aus der SPD, er ringe mit sich, ob er als Kanzlerkandidat antreten solle. Andere sind nach wie vor überzeugt, der 57-jährige Wirtschaftsminister und Vizekanzler sei längst zur Kandidatur entschlossen.

Der Grund für das Zögern sei wohl ein anderer: Die überstürzte und frühe Ausrufung von Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten 2012 habe gezeigt, dass der Kandidat möglichst spät feststehen sollte. Eine zu frühe Entscheidung werde „platt gemacht wie eine Flunder“, waren einst Steinbrücks Worte, worin er sich später bestätigt sah. Für Gabriel gilt es aber abzuwägen, ob sein Abwarten nicht eine Dynamik zugunsten von Schulz in Gang setzen könnte, die den Parteichef am Ende als zweite Wahl dastehen ließe. Mit Blick darauf, dass Schulz in jungen Jahren eine Fußballer-Karriere anstrebte, sagte einer aus der SPD: „Gabriel könnte den Raum einfach dichtmachen.“ Stattdessen lässt der SPD-Chef viel Platz für Vorstöße des mit ihm befreundeten Schulz, Karriereperspektiven in der Bundespolitik auszuloten.

Anders als Gabriel hat Schulz noch nicht einmal gesagt, dass er sich die Kanzlerkandidatur vorstellen könnte, geschweige denn seinen Anspruch darauf angemeldet. SPD-Politiker berichten aber, aus Gesprächen mit dem 60-jährigen Vollblut-Europäer gewinne man den Eindruck, dass sich Schulz die Spitzenkandidatur zutraue. Dabei spiele aber eine Rolle, ob er das Amt des Präsidenten des Europa-Parlaments 2017 an einen Konservativen abgeben müsse. Das sei noch keineswegs ausgemacht, glaubt man.

In der SPD werden mehrere Gründe genannt, warum der Druck auf Gabriel wachse. Die Aufstellung der Kandidaten zur Bundestagswahl laufe, im Frühjahr stünden drei Landtagswahlen an – da werde Klarheit beim Führungspersonal gewünscht. Und an der Parteibasis sind Zweifel an seiner Eignung weit verbreitet, die auch beim Treffen niedersächsischer Abgeordneter zur Sprache kamen. Seitdem kam Schulz mehr Aufmerksamkeit zu.

Der sei ein „fulminanter Redner“, heißt es. Das könne Gabriel aber auch. Als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Europawahl 2014 zeigte der in ganz Europa vernetzte Schulz seine Fähigkeiten als Wahlkämpfer. Für die SPD sprang mit 27,3 Prozent immerhin das auf Bundesebene beste Ergebnis seit neun Jahren heraus.

Weil beflügelt die Debatte

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) befeuerte die Debatte mit der Aussage, dass Schulz „sicher“ ein geeigneter Kandidat sei. Er habe die „große Gabe, Leute zu begeistern“. Aber auch zu Gabriel falle ihm „viel Positives ein“. Schulz ist beliebter als Gabriel: Bei einer Direktwahl würden laut Forsa-Umfrage 29 Prozent der Befragten für Schulz stimmen, 18 Prozent für den SPD-Chef.

Bei den Sozialdemokraten wird die Bedeutung aber relativiert. Schulz sei auf der Europabühne „weniger in die Kabalen der Bundes-SPD verstrickt“, habe daher auch weniger Genossen gegen sich aufgebracht. Auch wird darauf verwiesen, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier Kandidat werden müsste, wenn es nur nach Popularitätswerten ginge – und der habe 2009 mit 23 Prozent das schlechteste Ergebnis der Sozialdemokraten in der Nachkriegszeit eingefahren.

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