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Mordfall von Metzler: Gäfgen fordert Freiheit: Entscheidung noch dieses Jahr

Das Landgericht Frankfurt hatte den Jurastudenten Magnus Gäfgen im Juli 2003 zu lebenslanger Haft verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Nun muss sich die Strafvollstreckungskammer des Landgerichtes Kassel mit den Antrag Gäfgens auf Strafaussetzung zur Bewährung beschäftigen.
3.9. Der Kindsmörder Magnus Gäfgen darf nach einer Entscheidung des Frankfurter Amtsgerichts die 3000 Euro persönlich beanspruchen, die ihm wegen Folterandrohung in einem Polizeiverhör zugesprochen wurden. Gäfgen hatte 2002 den Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und getötet. Er sitzt eine lebenslange Haftstrafe ab. 3.9. Der Kindsmörder Magnus Gäfgen darf nach einer Entscheidung des Frankfurter Amtsgerichts die 3000 Euro persönlich beanspruchen, die ihm wegen Folterandrohung in einem Polizeiverhör zugesprochen wurden. Gäfgen hatte 2002 den Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und getötet. Er sitzt eine lebenslange Haftstrafe ab.
Frankfurt. 

Entführt, gequält, ermordet hat Magnus Gäfgen den elfjährigen Bankierssohn Jakob von Metzler und dessen Leiche in einem Teich versenkt. Das war am 27. September 2002. Die grausame Tat hatte seinerzeit tiefe Erschütterung in weiten Kreisen der Frankfurter Bevölkerung ausgelöst. Zur Trauerfeier für Jakob von Metzler in der Katharinenkirche kamen Hunderte von Bürgern, um dem Jungen die letzte Ehre zu erweisen.

Das Frankfurter Landgericht verurteilte Gäfgen für den Mord an Jakob zu einer lebenslangen Haftstrafe bei einer besonderen Schwere der Schuld – diese Beifügung zu einem „Lebenslang“ ist das schärfste Schwert des deutschen Strafrechts für die Aburteilung eines Mörders. Sie kann nur festgestellt werden, wenn die Tat besonders brutal, das Tatmotiv denkbar verwerflich oder der Täter reuelos ist und soll ausschließen, dass ein so Verurteilter automatisch nach 15 Jahren, gute Führung vorausgesetzt, auf Bewährung frei kommt.

Jurastudium im Gefängnis

Man dürfte erwarten, dass Magnus Gäfgen weiß, was die Festlegung der besonderen Schwere der Schuld bedeutet. Er hat ein Jurastudium absolviert. Dass er in Haft war, hatte ihn nicht davon abgehalten, sein Erstes juristisches Staatsexamen abzulegen.

Die besondere Schwere der Schuld hat Gäfgen auf sich geladen, weil er aus Habgier den Bankierssohn Jakob von Metzler entführte, dessen Eltern er um eine Million Euro erpresste. Als er bei Nacht und Nebel das Lösegeld abholte, hatte er den Jungen bereits umgebracht. Jakob erstickte in der Wohnung seines Peinigers qualvoll, nachdem Gäfgen ihn mit Klebeband geknebelt hatte. Am 30. September 2002 nahm ihn die Polizei am Frankfurter Flughafen fest.

Dass der Strafprozess gegen Gäfgen zu einem weit über die Grenzen Deutschlands beachteten Verfahren wurde, lag vor allem daran, dass der Student nach zermürbenden Verhören erst nach Androhung körperlicher Gewalt durch einen Polizeibeamten mitteilte, dass das Kind nicht mehr am Leben war. Danach führte er die Polizei zu Jakobs Leiche. Reue indessen hatte er auch später im Gerichtssaal weitgehend vermissen lassen.

Minderwertigkeitskomplexe und die Gier nach Luxus nannte der Psychiater Norbert Leygraf in dem Strafverfahren als Motive Gäfgens. Der hochintelligente Angeklagte habe nach dem Prinzip „mehr Schein als Sein“ gelebt, um sein schwaches Selbstwertgefühl zu verdecken. Der Vorsitzende Richter Hans Bachl formulierte es in seiner Urteilsbegründung so: „Dem Angeklagten ging es darum, das luxuriöse Leben mit reichen Freunden weiterleben zu können. Dafür musste ein Kind sterben.“

Am 28. Juli 2003 verurteilte das Landgericht Frankfurt Gäfgen wegen Mordes und erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe. Der Zusatz der besonderen Schwere der Schuld sollte die Aussetzung der Strafe zur Bewährung nach einer Mindesthaftdauer von 15 Jahren verhindern.

Unter neuem Namen

Seitdem sind erst 14 Jahre verstrichen, und Gäfgen will auf freien Fuß. Sein Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Michael Heuchemer aus Bendorf, erklärte gestern, das Verfahren vor der Strafvollstreckungskammer habe die Staatsanwaltschaft Frankfurt in Gang gesetzt und nicht etwa sein Mandant und bezieht sich auf ein entsprechendes Schreiben der Behörde vom 12. Juli dieses Jahres.

Martin Kolter, Sprecher des Landgerichtes Kassel, hält das für unerheblich. „Antragsteller ist der Inhaftierte. Er hat das Gesuch unterschrieben.“ Gäfgen trägt seit 2014 einen anderen Namen. Die Namensänderung soll seiner Resozialisierung dienen.

Laut Kolter sei wahrscheinlich noch in diesem Jahr mit einer Entscheidung der Strafvollstreckungskammer zu rechnen. In einem mündlichen Termin kommen Vertreter der Justizvollzugsanstalt, der Rechtsvertreter des Antragstellers, die Staatsanwaltschaft Frankfurt und weitere Experten zu Wort, bevor die Kammer entscheidet. Gegen deren Spruch können der Verurteilte wie auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt Einspruch einlegen.

Das Landgericht Kassel ist für diese Angelegenheit zuständig, weil Gäfgen derzeit in der Sozialtherapeutischen Justizvollzugsanstalt Kassel-Wehlheiden einsitzt. Aus Schwalmstadt war er im November 2012 dorthin verlegt worden.

Überrascht von Gäfgens Vorstoß auf vorzeitige Strafhaftentlassung zeigte sich gestern Eberhard Kempf. Der renommierte Rechtsanwalt hatte die Familie von Metzler als Nebenkläger in dem Mordprozess vertreten und, ebenso wie die Staatsanwaltschaft, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Ihm sei, sagte Kempf, kein Fall bekannt, wo ein Mörder, dem die Schwere der Schuld bescheinigt wurde, nach 15 Jahren auf Bewährung freigekommen sei.

Das Recht auf Freiheit

Das Heikle an der besonders schweren Schuld ist, dass dafür keine Norm im Strafrecht festgelegt ist. Nirgendwo ist definiert, um wie viel länger die Strafe über 15 Jahre hinaus andauern soll. Eine zentrale Norm indessen ist diese: Einem Verurteilten muss die grundsätzliche Möglichkeit eingeräumt werden, irgendwann die Freiheit wiederzuerlangen. So ist denkbar, dass die im Falle Gäfgen zuständige Kammer die Entlassung des Mörders nach 15 Jahren ablehnt, aber den Zeitraum definiert, den der Verurteilte noch zu verbüßen hat.

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