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G-20-Gipfel in Hamburg: Gast-Kommentar: Pure Lust an der Gewalt

Für gewöhnliche Gewaltkriminalität ist die Polizei zuständig. Doch warum haben 20 000 Einsatzkräfte in Hamburg nicht gereicht?
Ein Randalierer wirft  in Hamburg im Schanzenviertel ein Fahrrad in Richtung von Wasserwerfern. Warum hat die Polizei die Gewalt so schwer in den Griff bekommen. Foto: Daniel Bockwoldt (dpa) Ein Randalierer wirft in Hamburg im Schanzenviertel ein Fahrrad in Richtung von Wasserwerfern. Warum hat die Polizei die Gewalt so schwer in den Griff bekommen.

Wenn eine Blockadeaktion zum Beispiel von Umweltverbänden gegen Castor-Transporte aus dem Ruder läuft und dabei Straftaten begangen werden, dann ist das bedauerlich. Man mag das Anliegen der Aktivisten sympathisch finden oder auch nicht. In jedem Fall handelt es sich um Regelverletzungen, deren politischer Bezug erkennbar bleibt. Natürlich sind sie zu ahnden; aber dabei spielen die Motive der Regelverletzer eine Rolle.

Wenn ein Haufen schwarz Vermummter in einem Hamburger Stadtviertel wahllos Autos abfackelt, Scheiben einschlägt und Geschäfte plündert, dann hat das mit politischem Protest, bei dem auch Regelverletzungen vorkommen, nichts mehr zu tun. Das am gleichen Wochenende auch Protestaktionen gegen einen G 20-Gipfel stattgefunden haben, die als politische Meinungsäußerungen zu gelten haben und insoweit völlig legitim sind, ist etwas völlig anderes.

Weil das so ist, muss es ein Ende haben mit dem unaufrichtigen und manchmal heuchlerischen Verhältnis mancher Teile der linken Szene zur Gewalt. Ja, auch bei legitimem politischen Protest kommt es immer mal wieder zu Aktionen des zivilen Ungehorsams, die gegen das bürgerliche Gesetzbuch verstoßen. Aber was die autonome Szene da in Hamburg veranstaltet hat, hat mehr mit Vandalismus und purer Lust an der Gewalt zu tun. Hier ist ein scharfer Trennungsstrich vonnöten. Die Stellungnahmen Einiger aus der Linkspartei dazu waren kaum erträglich.

Es ist an der Zeit, sich einzugestehen, dass auch die beste polizeiliche Deeskalationsstrategie und alle Bemühungen um Gewaltprävention nicht verhindern können, dass Gewalt für manche Menschen eine ganz eigene Faszination besitzt. Das lässt sich ja auch fast jedes Wochenende in der Fußball-Bundesliga beobachten. Gewalt hatte diese Faszination immer, und ich fürchte, dass im Zeitalter der allgegenwärtigen Smartphones und Selfies, die Entgrenzungen und Enthemmungen aller Art begünstigen, weil man sich sofort vor der ganzen Welt wichtig machen kann, diese Faszination eher zunimmt. Mit „rechts“ und „links“ hat das nur noch wenig zu tun, was sich ja auch an der partysüchtigen Gaffermeute gezeigt hat, die das Hamburger „Event“ als Schaulustige verfolgte und sich massenhaft der Volksseuche der „Selfies“ ergab („Guck mal, hier brennt’s echt, und ich bin mittendrin“).

Angst und Schrecken

Ob sich die Täter nun links oder rechts definieren, ist eigentlich egal. Beim Thema Gewalt hat es in der Geschichte ohnehin stets fließende Übergänge gegeben. Als Beispiel sei nur Benito Mussolini genannt, der ja wegen Fragen von Krieg und Gewalt die Sozialisten verließ und seine faschistische Schlägerbande aufbaute, die Anfang der 1920er Jahren in Italien Angst und Schrecken verbreitete.

Das Ganze ist ein polizeiliches Problem, weil die für gewöhnliche Gewaltkriminalität nun einmal zuständig ist. Ob ihr Einsatzkonzept richtig war oder nicht, ist von außen nicht wirklich zu beurteilen. Klar ist aber auch, dass kaum zu verstehen ist, dass die Präsenz von 20 000 Einsatzkräften nicht ausgereicht haben soll, um im Schanzenviertel rechtzeitig einzugreifen.

Woran immer es lag: Es kann nicht sein, dass die Bürger das Gefühl haben müssen, vor ein paar Tausend Randalierern nicht mehr geschützt werden zu können. Wenn die Zahl der Einsatzkräfte, Einsatzstrategien und die Ausrüstung so etwas nicht mehr hergeben, dann muss man sie ändern.

Natürlich kann man sich fragen, ob es richtig war, diese Veranstaltung überhaupt in Hamburg auszurichten. Immerhin ist die Stadt eine der Hochburgen der autonomen Szene. Selbstverständlich sind Überlegungen, wo sich Aufwand und Beeinträchtigung des alltäglichen Lebens minimieren lassen, sinnvoll. Andererseits ist die rasche Bereitschaft so vieler, die ganze Veranstaltung für einen Fehler zu halten, doch befremdlich. Wollen wir es künftig der autonomen Szene überlassen, darüber zu befinden, ob Deutschland Gastgeber einer politischen Großveranstaltung mit umstrittenen Teilnehmern sein kann und wo?

International vernetzt

Die G 20-Konferenzen gehen ursprünglich übrigens auf die Finanzkrise 2008/2009 zurück, als man sich das Projekt einer stärkeren Regulierung der Finanzmärkte vorgenommen hatte.

Befriedigend gelöst wurde diese Aufgabe bis heute nicht, das ist wahr. Aber sollen solche Treffen künftig gar nicht mehr stattfinden? Bei allem Verständnis für die Nöte von Anwohnern: Das kann es nicht sein. Daran zu erinnern, gehört auch zu den Lehren aus Hamburg.

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