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Diplomatie: Generalkonsul Rafe Courage: die britische Stimme in Hessen

Rafe Courage ist für die Anliegen von Briten in vier Bundesländern zuständig. Aber er ist auch Diplomat, der erklären muss, wie es nach dem Brexit in den Beziehungen zwischen Großbritannien und Europa weitergehen soll.
Der britische Generalkonsul Rafe Courage Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Der britische Generalkonsul Rafe Courage
Frankfurt. 

Seine wichtigste Botschaft von Rafe Courage stammt von seiner Dienstherrin. „Wir verlassen die EU, aber nicht Europa“, sagt er. Die britische Premierministerin Theresa May hat das im Januar in einem Interview gesagt. Ein halbes Jahr später sitzt Courage in der Redaktion dieser Zeitung und wiederholt gleich dreimal Mays Botschaft. Trotz des Brexits wollen sie, soweit es geht, weiter zu Europa gehören.

Courage kommt hierbei eine wichtige Rolle zu. Als britischer Generalkonsul für Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland ist er für die Betreuung der hier lebenden britischen Staatsbürger zuständig, aber auch für die Pflege der bilateralen Kontakte.

Die Aufregung auf den Finanzmärkten war nach dem Referendum in Großbritannien groß, viele Experten sehen im Brexit ein unkalkulierbares wirtschaftliches Risiko. In Deutschland und anderen EU-Staaten wurde wegen des knappen Ergebnisses des Brexit-Votums der Ruf nach einer erneuten Abstimmung laut. Gibt es diese Möglichkeit? Kann man ein Wählervotum ignorieren, selbst wenn es Schaden für das Land bedeuten könnte?

Für Courage ist ein zweites Votum undenkbar. „Eine Mehrheit der Briten hat sich so entschieden, und dabei bleibt es. Außerdem ist überhaupt nicht gesagt, dass ein zweites Referendum anders ausfallen würde.“ Überhaupt sieht er die Sache pragmatisch. „Wir wollen das Beste daraus machen“, sagt er.

Seltsame Werbesprüche

Courage hat dabei beide Seiten, die britische und die europäische, im Blick. Als Diplomat weiß er: Ohne Zugeständnisse funktioniert in den zwischenstaatlichen Beziehungen nichts. Deshalb und um dem Vorwurf entgegenzutreten, die Briten wollten sich trotz des Brexits die Vorteile der EU wie Zollfreiheit erhalten, aber die Nachteile, sprich Kosten ersparen, sagt er: „Wir brauchen einen ausgewogenen Weg zwischen Rechten und Pflichten.“

Seit 1986 ist Courage als Diplomat im Staatsdienst, er arbeitete in Belgien, in der Türkei, in Pakistan und in den USA. In Deutschland kennt er sich aus. Er spricht davon, wie viel lockerer die Deutschen im Vergleich zu früher geworden sind.

In den 1980er Jahren war Courage für ein Auslandssemester in Germersheim, deshalb spricht er fließend Deutsch. Die meisten Männer hätten damals Krawatte getragen und steif gegrüßt. Der entspanntere Umgang heute gefällt ihm besser, auch wenn darunter diese komische Englischbesessenheit fällt. Warum müssen so viele Werbesprüche auf Englisch sein? Warum redet man hier nicht von der Königin von England, sondern von der Queen? So ganz versteht Courage das nicht.

Diplomatische Schule

Der Kurznachrichtendienst Twitter ist für Courage ein wichtiges Medium geworden, um den Diplomaten-Job zu betreiben. Courage wirbt auf Twitter für die Fortführung der Handelsbeziehungen, mal auf Deutsch, mal auf Englisch. „Wir können uns nicht erlauben, zu schweigen“, sagt er, wenn er erklären soll, warum ihm Twitter so wichtig ist.

Courage fällt das Reden leicht, und doch wirkt er angenehm zurückhaltend. Er ist nicht aufdringlich, sondern höflich, die diplomatische Schule ist ihm anzumerken. Sogar wenn er über Fußball reden soll, gibt Courage Antworten, die seine Ausbilder auf der Diplomatenschule entzückt hätten. „Das britische Team hat einen guten Start gehabt“, sagt er. Dann kommt der Zusatz: „Ich hoffe, dass es auch für die deutsche Mannschaft gut weitergeht.“ So liebenswert dieser Wunsch des Briten Rafe Courage ist: Seit dem Mittwochabend ist klar, dass er sich nicht erfüllen wird.

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