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Europäischer Gerichtshof: Gentechnik bleibt streng geregelt

Der Europäische Gerichtshof entschied gestern: Neuere Gentechnikverfahren fallen unter die derzeit geltenden EU-Regeln. Damit gelten für Lebensmittel, die mit der sogenannten gezielten Mutagenese verändert wurden, spezielle Kennzeichnungspflichten im Supermarkt. Ausnahmen gibt es.
Eine Mitarbeiterin wendet das Crispr-Cas9-Verfahren in einem Labor des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin an. Foto: Gregor Fischer (dpa) Eine Mitarbeiterin wendet das Crispr-Cas9-Verfahren in einem Labor des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin an.
Berlin. 

In Luxemburg hat der Europäische Gerichtshof ein Urteil gefällt, das von den EU-Mitgliedsstaaten, Landwirten, Umwelt- und Verbraucherschützern mit Spannung erwartet worden war. Neue Gentechnikverfahren wie die sogenannte Gen-Schere unterliegen demnach grundsätzlich strengen Auflagen. Die mit dem Einsatz solcher Verfahren verbundenen Risiken seien „vergleichbar“ mit denen älterer Verfahren, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem am Mittwoch verkündeten Urteil (Az. C-528/16). Sie fallen daher unter das europäische Gentechnikrecht. Das Urteil gefällt vor allem dem Bauernverband nicht. Zahlreiche Verbraucher dürften jedoch aufatmen. Warum erläutern wir hier:

Worum geht es?

Es gibt in der Landwirtschaft neue Verfahren, die die Zucht von Pflanzen und Tieren extrem vereinfachen (Crispr-Cas 9). Was früher viele Jahre gedauert und sich oft nicht gelohnt hat, ist heute schnell, kostengünstig und gezielt möglich. Doch diese Methoden warfen auch die Frage auf: Ist das noch Zucht oder schon Gentechnik?

Warum ist eine Unterscheidung wichtig?

Gentechnisch veränderte Organismen, kurz GVO, unterliegen strengen europäischen Regeln. So dürfen in der EU nur jene GVO in die Umwelt und in den Verkehr gebracht werden, die auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft und danach zugelassen worden sind. Für Verbraucher dürfte auch die Kennzeichnung einen Unterschied machen: Lebensmittel, deren Zutaten als gentechnisch verändert wahrgenommen werden, stoßen in Deutschland oft auf Misstrauen. Und „Gentechnik durch die Hintertür“, also durch mangelnde Kennzeichnung, lehnen viele ab.

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Was bedeutet Mutagenese?

Es handelt sich um eine Züchtungstechnik, die genutzt wird, um die genetische Ausstattung von Pflanzen und Tieren zu verändern. Dabei geht es darum, Mutationen herbeizuführen: durch ionisierende Strahlen oder erbgutverändernde Chemikalien. Es ist allerdings ein langwieriger Prozess mit vielen Zufallsfaktoren, der schwer zu kontrollieren ist. Für Organismen, die durch sogenannte Mutagenese-Verfahren entstanden sind, galt in Europa bislang eine Ausnahme: Sie unterlagen bis zuletzt nicht den strengen GVO-Regeln.

Was genau ist die Crispr-Cas9-Methode?

Crispr-Cas steht für „Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats“. Dass die bisherigen gesetzlichen Regelungen nicht mehr ausreichen, hängt vor allem mit dieser Methode zusammen. Es handelt sich um eine genetische Hochpräzisions-Schere. Damit kann die DNA, in der Erbgut von Lebewesen gespeichert ist, zerschnitten, zerstört oder gezielt verändert werden. Das Verändern wird „genome editing“ genannt. Diese Methode spart Züchtern sehr viel Zeit und Geld, da die gewünschten Veränderungen schon viel schneller als bisher erfolgen und darüber hinaus noch äußerst präzise sind. Die Ergebnisse können so aussehen, als seien sie auf natürlichem Weg entstanden.

Was sind die Vorteile und Chancen der Crispr-Cas9-Methode?

Sie kann neben der Zucht auch eingesetzt werden zur Erforschung und zur Therapie von Krankheiten. Genutzt wurde Crispr-Cas etwa schon zur Erzeugung einer Hefe zur effektiveren Herstellung von Krebsmedikamenten, aber auch zur Züchtung einer bakterienresistenten Reispflanze oder von trockentoleranten Sojabohnen. Und wenn die Gene der Anopheles-Mücke, die Malaria überträgt, dauerhaft verändert werden könnten, könnte das das Ende der Malaria bringen.

Was sind die Risiken?

Langzeitfolgen auf Umwelt und Menschen sind längst nicht hinreichend untersucht. Da viele Veränderungen kaum nachzuweisen sind, sind sie nur schwer zurückzunehmen. So könnte die Folge ein massiver Eingriff in das Ökosystem sein. Kommentar Seite 2

dfg f dgh tg

( epd )

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