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Hilfsdienste schulen Mitarbeiter für schwierige Situationen: Gewalt gegen Retter: Störer gefährden Menschenleben

Immer wieder werden Polizei und Rettungsdienste bei ihren Einsätzen von Störern behindert - aktuell in Frankfurt. Damit soll eine "Antihaltung" gegenüber dem Staat gezeigt werden, sagen Polizeigewerkschafter. Und fordern Konsequenzen.
Symbolbild Foto: Bernd Weissbrod (dpa) Symbolbild
Frankfurt. 

Der Fall empört ganz Frankfurt und die Region: An der Konstablerwache in der Innenstadt sind Rettungskräfte, die einen am Boden liegenden Mann (19) reanimieren wollten, am Montagnachmittag durch pöbelnde Passanten in ihrer Arbeit behindert worden. Die Einsatzkräfte – unter ihnen auch ein Notarzt – verständigten die Polizei, die zunächst vergeblich versuchte, die störenden Passanten zu beruhigen und von der Einsatzstelle fernzuhalten.

Rundgang mit der Stadtpolizei über die Einkaufsmeile Zeil in Frankfurt am 30.08.2017.
Anti-Polizei-Parolen bei Vorfall auf der Konstablerwache Behinderung von Reanimation: Frankfurter verschärft ...

Nach der Behinderung von Rettungskräften und Polizisten, die an der Konstablerwache die Reanimation eines Mannes sicherstellen wollten, prüft die Polizei strafrechtliche Schritte gegen einen Frankfurter. Er hatte Stimmung gegen die Beamten gemacht und die ohnehin schon angespannte Situation noch verschärft.

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Ein Mann schubste einen Beamten, ein anderer Mann (19) machte Stimmung mit Rufen wie „Die Polizei schlägt immer Leute!“ Die Beamten sahen sich knapp 60 Personen gegenüber. Schließlich gelang es den Polizisten, eine Absperrung zu errichten und die Situation zu beruhigen, so dass die Rettungskräfte ungestört arbeiten konnten. Der Patient überlebte, ist inzwischen außer Lebensgefahr.

Solche Behinderungen von Einsatzkräften sind keine Einzelfälle. Gisela Prellwitz, Sprecherin des Landesverbandes Hessen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), erinnert an die Vorfälle auf Autobahnen, bei denen die Autofahrer keine Rettungsgasse bilden, sondern in manchen Fällen sogar versuchen, an der Unfallstelle vorbeizufahren. Hinzu kämen Zeitgenossen, die Unfallopfer filmen und ihre „Beiträge“ anschließend in den sozialen Netzwerken veröffentlichen.

Info Härtere Strafen für "Behinderer"

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Prellwitz berichtet, dass die Gewaltbereitschaft gegenüber Rettungskräften in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Auch „verbale Übergriffe“ auf Helfer seien an der Tagesordnung. Um solche schwierigen Situationen meistern zu können, so Prellwitz, seien mittlerweile alle DRK-Mitarbeiter geschult worden. Sie hätten gelernt, am Einsatzort deeskalierend zu handeln. Hierzu gehöre auch das „Rückzugsverhalten“, um nicht selbst in Gefahr zu kommen.

Leo Latasch, Ärztlicher Leiter des Frankfurter Rettungsdiensts, zeigt sich besorgt: Die Gewalt gegen Rettungskräfte habe inzwischen „so dramatisch zugenommen, dass es keine Hilfseinrichtung mehr gibt, die ihre Mitarbeiter nicht für entsprechende Situationen schult“. Dass bei Rettungseinsätzen zum Schutz der Helfer die Polizei dazugeholt werden müsse, komme immer häufiger vor.

Alkohol als Beschleuniger

„Ich glaube nicht, dass sich solche Übergriffe oder Behinderungen in erster Linie gegen die Polizei richten“, sagt Andreas Grün, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Hessen. Für ihn mache sich bei den Störern eine „Antihaltung“ gegenüber dem Staat bemerkbar, für den die uniformierten Polizisten ein Symbol seien. Grün warnt davor, die Bürger unter Generalverdacht zu stellen. „Die große Mehrheit der Bevölkerung steht zur Polizei. Leider nimmt aber die Zahl der Störer zu“, so der Gewerkschafter. Vorfälle, wie an der Konstablerwache seien in Hessen eher selten, im Ruhrgebiet oder in Berlin aber durchaus häufiger zu verzeichnen.

Symbolbild
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Für den Kriminologen Dirk Baier von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften können verschiedene Gründe dafür verantwortlich sein, dass Menschen Einsatzkräfte behindern. „Manche haben möglicherweise ein Misstrauen gegenüber den Einsatzkräften, zweifeln an deren Vorgehen und artikulieren dies entsprechend. Andere verfügen über eine Grundaggression gegen Einsatzkräfte, vor allem gegen Polizeibeamte, und nutzen die Situation, um die Auseinandersetzung, ein Kräftemessen mit diesen zu suchen“, sagt Baier. Nicht zu unterschätzen sei dabei die Wirkung von Alkohol und anderen Drogen „als Beschleuniger“ bei Übergriffen.

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Nach der Behinderung von Rettungskräften und Polizisten, die an der Konstablerwache die Reanimation eines Mannes sicherstellen wollten, prüft die Polizei strafrechtliche Schritte gegen einen Frankfurter. Er hatte Stimmung gegen die Beamten gemacht und die ohnehin schon angespannte Situation noch verschärft.

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Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) kritisiert das Verhalten der Personen, die die Einsatzkräfte an der Konstablerwache behinderten. Es sei inakzeptabel und gefährde Menschenleben. Das hessische Innenministerium schließt sich dieser Kritik an. „Diese Angriffe können wir nicht akzeptieren – sie lassen sich auch nicht rechtfertigen“, sagt Ministeriumssprecher Marcus Gerngroß. In diesem Zusammenhang verweist er auf den neuen „Schutzparagrafen“ im Strafgesetzbuch, der Angriffe auf Einsatzkräfte härter bestraft.

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