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Plötzlich Freunde?: Golf-Krise drängt Katar ganz ungewollt in Richtung Teheran

Das Emirat Katar und der große Golfnachbar Iran teilen sich ein riesiges Gasfeld. Politisch vertreten sie jedoch oft unterschiedliche Interessen. Für Saudi-Arabien spielt das jedoch keine Rolle.
Da verstand man sich noch: Im Dezember vergangenen Jahres zeigten sich in Doha Katars Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani (r.) mit dem saudischen König Salman Seite an Seite. Foto: Handout (SAUDI PRESS AGENCY) Da verstand man sich noch: Im Dezember vergangenen Jahres zeigten sich in Doha Katars Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani (r.) mit dem saudischen König Salman Seite an Seite.
Doha/Teheran. 

Einer der seltsamstes Zwischenfälle im Vorfeld der schweren diplomatischen Krise um Katar ereignete sich Ende Mai. An einem Dienstagabend, sehr spät, verbreitete die staatliche Nachrichtenagentur des Emirats einen Artikel über eine Rede von Herrscher Tamim bin Hamad Al-Thani. So weit, so normal.

Doch der Inhalt des Artikels ließ in Katars Nachbarstaaten die Gemüter hochkochen. Scheich Tamim hatte demnach nicht nur Saudi-Arabien kritisiert und eine Kampagne gegen sein Land beklagt, sondern auch das auf der Arabischen Halbinsel schier Undenkbare getan: den schiitischen Iran als Stabilitätsgarant gelobt.

Die Lage eskaliert

Einen Tag später erklärte Katar zwar, der Bericht sei gefälscht gewesen und von Hackern auf der Internetseite der Agentur verbreitet werden. Der Furor in den Nachbarstaaten ließ sich dennoch nicht mehr dämpfen. Mit dem Abbruch aller diplomatischen Kontakte, den Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und andere arabische Staaten am vergangenen Montag erklärten, erreichte er seinen Höhepunkt. Weitere Eskalation nicht ausgeschlossen. Mittlerweile lassen Katars Kontrahenten keine Gelegenheit aus, die Nähe des Emirats zum schiitischen Iran zu geißeln, der vor allem für das sunnitische Saudi-Arabien ein Erzrivale in der Region ist. Die Vorwürfe lesen sich, als wären die Golfanrainer Katar und der Iran schon seit langem dickste Freunde.

Tatsächlich bemüht sich Katar, anders als seine sunnitischen Nachbarn, um ein ausgewogenes Verhältnis zu Teheran. Dafür gibt es vor allem einen Grund: Die beiden teilen sich das North-Dome/South-Pars-Gasfeld im Persischen Golf. Es ist das größte seiner Art weltweit, und Quelle des Wohlstands in Katar, dem reichsten Land auf dem Globus. Überhaupt hat sich der Iran politisch mit Katar immer besser verstanden als mit den meisten anderen Golfstaaten. So lobte Katar zum Ärger seiner Nachbarn auch das Atom-Abkommen mit Teheran.

Doch von einer engen Partnerschaft kann keine Rede sein, dafür sind die Interessen oft viel zu unterschiedlich, teilweise gegensätzlich. Beispiel Syrien: In dem Bürgerkriegsland ist es ein offenes Geheimnis, dass Geld aus Katar die radikalsten Gegner von Präsident Baschar al-Assad unterstützt. Der Iran wiederum ist ein enger Verbündeter Syriens und finanziert regierungstreue Milizen.

Oder im Bürgerkriegsland Jemen: Der Iran unterstützt die Huthi-Rebellen, gegen die die von den Saudis geführte Koalition kämpft – bis zu dieser Woche auch mit Soldaten aus Katar.

Katar hat bis jetzt keine große Rolle in der außenpolitischen Doktrin des Iran gespielt. Mit den jüngsten diplomatischen Spannungen am Golf könnte sich das aber ändern. Die Führung in Teheran kann jetzt behaupten, dass nicht der Iran, sondern Erzfeind Saudi-Arabien für die Spannungen in der Region verantwortlich ist.

Eindeutiger Gewinner der neuen Krise ist der Iran. Je zerstrittener sich etwa das Anti-Assad-Lager zeigt, desto besser für den syrischen Präsidenten und Teheran. „Wenn jetzt auch noch Katar, neben der Türkei, in die russisch-iranische Koalition einsteigen sollte, wäre das Fest für die Iraner perfekt“, sagt ein iranischer Politologe.

Schadenfreude im Iran

Daher sorgt die Krise zwischen Doha und Riad auch für große Schadenfreude in Teheran. „Das war wohl das erste Ergebnis des Schwerttanzes in Riad“, twitterte Hamid Aboutalebi, Vize-Stabschef im Präsidialamt, und bezog sich auf einen traditionellen Schwerttanz während des Besuchs von US-Präsident Trump in Saudi-Arabien.

Trotz der zum Teil heftigen Kritik des Irans an der saudischen Politik versucht Präsident Hassan Ruhani die Krise zu beenden. „Wir sind bereit, uns mit den Saudis an einen Tisch zu setzen“, sagte er nach seiner Wiederwahl im vergangenen Monat. Ruhani weiß, dass der Konflikt mit Riad besonders außen- und wirtschaftspolitisch die Umsetzung seiner Reformen erschweren oder gar – vor allem wegen der US-Unterstützung für die Saudis – blockieren könnte. So könnte der Konflikt um das kleine Katar große Folgen für die ganze Region haben.

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