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Studie: Gutes Aussehen bringt Stimmen

Soziologen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben nachgewiesen, dass Wähler sich vom äußeren Erscheinungsbild der Politiker bei ihrer Entscheidung beeinflussen lassen. Die attraktivsten prominenten Politiker sind auf Bundesebene Sahra Wagenknecht (Die Linke) und Christian Lindner (FDP).
Mit dem guten Aussehen fängt alles an: Unsere zufällige Auswahl politischer Blickfänger zeigt die Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht, den FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner und Alice Weidel, die Spitzenkandidatin der AfD für die Bundestagswahl (von links). Foto: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild) Mit dem guten Aussehen fängt alles an: Unsere zufällige Auswahl politischer Blickfänger zeigt die Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht, den FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner und Alice Weidel, die Spitzenkandidatin der AfD für die Bundestagswahl (von links).
Düsseldorf. 

Die Wahlplakate haben für Aufsehen gesorgt: Christian Lindner mit Drei-Tage-Bart und im weißen T-Shirt auf einer Couch sitzend oder im maßgeschneiderten Business-Anzug, mal mit, mal ohne Sakko. Eine übertriebene One-Man-Show, kritisierten viele.

Anderen gefiel genau das: Ein junger, smarter und dynamischer Mann, der für einen neuen Typus Politiker steht – modern und zielstrebig, so wie der französische Präsident Emmanuel Macron oder der kanadische Premierminister Justin Trudeau. Aber sind sie tatsächlich auch erfolgreicher, nur weil sie charismatisch sind?

Bis zu fünf Prozentpunkte

Inwieweit Attraktivität und Wahlerfolg zusammenhängen, hat nun die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in einer Langzeitstudie nachgewiesen. Mit dem Ergebnis: Das Äußere spielt sowohl bei der Vergabe der Erst- als auch der Zweitstimme eine signifikante Rolle. „Die physische Attraktivität hat bei der vergangenen Bundestagswahl im Vergleich zu den vorherigen von 2002 bis 2013 den bisher stärksten Einfluss gehabt“, sagte der Leiter der Studie, Professor Ulrich Rosar, gestern bei der Vorstellung der Ergebnisse in Düsseldorf.

Je höher die Attraktivität der Kandidaten in einem Wahlkreis sei, desto höher sei auch die Wahlbeteiligung ausgefallen. „Die Attraktivität eines Kandidaten kann ein Wahlergebnis um bis zu fünf Prozentpunkten beeinflussen.“ Die Attraktivität ist demnach die zweitwichtigste Personeneigenschaft der Kandidaten, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, getoppt wird diese nur durch den Bekanntheitsstatus der Spitzenpolitiker.

Für die Studie haben der Soziologe und sein Team bundesweit 1786 Politiker untersucht, darunter alle relevanten Spitzen- und Wahlkreiskandidaten sowie sieben Erstplatzierte der Landeslisten. Anhand von Porträts, die keine Anzeichen auf Parteizugehörigkeit oder andere identifizierende Hinweise enthielten, bewerteten zwei Gruppen von je zwölf weiblichen und zwölf männlichen Studierenden zwischen 18 und 26 Jahren der Düsseldorfer Universität die physische Attraktivität der Politiker – von unattraktiv (0) bis attraktiv (6).

Unter den männlichen Kandidaten ist Christian Lindner (FDP) mit einem Wert von 3.43 von 6 möglichen Punkten der attraktivste prominente Politiker auf Bundesebene. Bei den prominenten Frauen führt Sahra Wagenknecht (Linke) mit 4.08 Punkten die Liste an. Angela Merkel (CDU) erreicht 1.04 Attraktivitätspunkte, SPD-Chef Martin Schulz auf 1.67. Cem Özdemir (Grüne) kommt auf 2.13 und Alice Weidel (AfD) auf 3.25.

Jugendlichkeit ist gefragt

Persönliche Präferenzen spielten bei der Attraktivitätsbewertung keine Rolle, erklärte Rosar. Das bedeutet: Jeder, unabhängig von Geschlecht, Alter und Herkunft, empfindet ein jugendliches Gesicht mit hohen Wangenknochen bei Frauen und ein konturiertes Kinn und eine wohldefinierte Nase bei Männern als schön.

Die individuellen Merkmale der untersuchten Personen seien für das Ergebnis dabei nicht relevant. „George Clooney gefällt nicht allen, aber alle werden sich darin einig sein, dass er attraktiver aussieht als Woody Allen“, sagte Rosar.

Bei den Parteien verteilen sich die Attraktivitätswerte bundesweit folgendermaßen: CDU/CSU 1.75, SPD 2.06, FDP 1.94, Linke 1.59, Grüne 1.93 und AfD 1.40. Warum zum Beispiel CDU und CSU als wenig attraktiv eingestuft werden, begründen die Forscher mit dem hohen Männeranteil und dem hohen Altersdurchschnitt der Parteimitglieder. Ältere und Männer hätten tendenziell niedrige Attraktivitätswerte, sagte Rosar.

Warum ein sympathisches Äußeres mehr Wähler anspricht, dafür haben die Wissenschaftler mehrere Erklärungen: Ein gemäßigter Bundeswahlkampf, kaum Konflikte; die Parteien haben an Bindungskraft verloren und Wähler entscheiden sich kurzfristig. Außerdem werde die Welt immer komplexer, umfassende und verlässliche Informationen zu komplexen politischen Themen fehlten, so dass „Wahlentscheidungen durch Eigenschaften wie sympathisch oder attraktiv beeinflusst werden“, erläuterte der Soziologieprofessor.

Gleichwohl möchte er die Studie nicht „als Ranking für den attraktivsten oder den unattraktivsten Politiker Deutschlands“ verstanden wissen. „Es geht uns nicht um den Einzelfall, sondern ob ein Muster zu erkennen ist und um die Frage, was Attraktivität in verschiedenen Lebensbereichen macht.“ Man wolle zudem den Wähler darauf aufmerksam machen, dass die Beeinflussung durch das äußere Erscheinungsbild so subtil sei.

Unbekannte Spitzenreiter

Den höchsten Attraktivitätswert hat im Übrigen kein prominentes Gesicht: Celine Erlenhofer, die erst 18-jährige Direktkandidatin der Linken aus Dortmund, erzielte 5.33 Skalenpunkte. Bei den Männern schaffte es der Vorsitzende des AfD-Landesverbands Hessen, Jan Ralf Nolte, mit 4.88 auf die absolute Spitzenposition.

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