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Strafzölle: Handelskrieg zwischen China und den USA eskaliert

Als Antwort auf die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle für Stahl und Aluminium beschließt China nun im Gegenzug eigene Strafen im Umfang von drei Milliarden Dollar. Geht der Handelsstreit jetzt erst richtig los?
Viele US-Produkte in den chinesischen Supermärkten wie hier in Peking verteuern sich, nachdem Peking eigene Strafzölle gegen die USA verhängt hat. Und das ist möglicherweise noch nicht das Ende des Konflikts. Foto: Mark Schiefelbein (AP) Viele US-Produkte in den chinesischen Supermärkten wie hier in Peking verteuern sich, nachdem Peking eigene Strafzölle gegen die USA verhängt hat. Und das ist möglicherweise noch nicht das Ende des Konflikts.
Peking. 

Als Reaktion auf die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle hat China eigene Strafen gegen die USA umgesetzt. Insgesamt wurden 128 US-Produkte mit Zöllen zwischen 15 und 25 Prozent belegt, wie das chinesische Finanzministerium in der Nacht zum Montag mitteilte.

Betroffen sind demnach unter anderem Wein, Schweinefleisch und Früchte, die aus den USA nach China eingeführt werden. Die bereits zuvor von Peking angedrohten Vergeltungszölle, deren Umfang auf rund drei Milliarden US-Dollar beziffert wurden, folgen auf die von den USA umgesetzten Strafen für die Einfuhr von Stahl und Aluminium, die vor einer Woche in Kraft traten.

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Die Zölle sollen „Verluste ausgleichen“, die China durch die von den USA verhängten Strafen entstehen werden, teilte das chinesische Finanzministerium weiter mit. Das Ministerium forderte die USA dazu auf, seine „protektionistischen“ und „gegen Regeln der Welthandelsorganisation verstoßenden“ Maßnahmen rückgängig zu machen: „Chinesische Interessen wurden schwer beschädigt.“

Niemals Kompromisse

Pekings Reaktion zeige, „dass China niemals Kompromisse eingehen und sich immer gegen unverhältnismäßig hohe Zölle revanchieren wird“, kommentiert die parteinahe Tageszeitung „Global Times“ am Montag: „Die USA erwartet Vergeltung für jeden einzelnen Schlag, der Chinas Interessen verletzt.“

Während Trump im März eine Reihe von wichtigen Handelspartnern wie Kanada, die EU, Mexiko und Südkorea zumindest vorläufig von seinen Stahl- und Aluminiumzölle ausgenommen hatte, verschärfte er den Ton gegen die Chinesen weiter.

Trumps Handelsbeauftragter Robert Lighthizer erhielt den Auftrag, zusätzliche Zölle, die mit unfairen Handelspraktiken und Diebstahl geistigen Eigentums begründet werden, innerhalb von zwei Monaten gegen die Volksrepublik auszuarbeiten.

Mehr Aufträge in EU

Laut Berichten von US-Medien soll vor allem der chinesische Telekom- und Technologiesektor ins Visier genommen werden.

Peking hat auf die geplanten Strafen im Umfang von bis zu 60 Milliarden Dollar bislang nicht mit konkreten Gegenmaßnahmen reagiert. Insgesamt handeln die USA und China jedes Jahr Waren im Wert von mindestens 570 Milliarden US-Dollar. Damit ist China der größte Handelspartner der USA – und mitnichten der abhängige Teil: Die USA sind auf viele Waren aus dem Land angewiesen. Nicht zuletzt auf Elektronik.

Denkbar sind nun laut Beobachtern Zölle auf weitere US-Agrarprodukte wie Sojabohnen. Davon wären vor allem Landwirte betroffen, von denen viele als Trump-Unterstützer gelten.

Auch könnten die Chinesen den US-Flugzeugbauer Boeing ins Visier nehmen und künftig mehr Aufträge an den europäischen Konkurrenten Airbus vergeben. Zahlreiche US-Konzerne wie Apple, die in China produzieren, könnten ebenfalls in Pekings Visier geraten. „China will keinen Handelskrieg, aber es wird sich nicht zurückziehen, sollte einer ausbrechen“, schrieb die „Global Times“ weiter.

Als Reaktion auf die zunehmende wirtschaftliche Abschottung der USA unter Donald Trump hatte sich Chinas Führung zuletzt immer wieder als Vorkämpfer für den Freihandel inszeniert – und betont, dass es einen Handelskrieg verhindern will. Derzeit gelten in China jedoch im Durchschnitt deutlich höhere Zölle als in Europa und den USA, wo die Handelsschranken bislang im Vergleich noch am niedrigsten sind.

Auch machen ausländische Unternehmen immer wieder ihrem Ärger über den unfairen Wettbewerb in der Volksrepublik Luft. dpa

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